Woody Allen in Rome

Ich mag sehr viele Filme von Woody Allen. “Der Stadtneurotiker” habe ich 4 mal gesehen. Auch seine Spätwerke können schön sein (besonders “Vicky Cristina Barcelona”). Aber schon in dem träumerisch-anregenden “Midnight in Paris” wurde eine Tendenz deutlich, die in seinem neuesten Film “To Rome With Love” weiter zunimmt: die Reduzierung der Stadt auf Kitsch-Postkarten.

Eine sehr amerikanische Sicht ist das, schöne Orte, schönes Licht und triviale Schulbuch-Sehenswürdigkeiten. Wir bauen den Eiffelturm in Las Vegas nach, und wers dahin nicht schafft, der geht wenigstens ins Kino. Mehr muss man von Paris bzw. Rom nicht kennen, der Rest ist ohnehin besser in Daten, Ohio.

Der Film hat 2 lustige Ideen, ein paar recht nette Woody Allen Gags (die der Meister alle selbst zur Punchline bringt) und viel Hollywood Standard-Programm. Mit Rom hat das nicht viel zu tun (ausgenommen die Kulisse). Da hilft es auch nichts, dass ein römischer Verkehrspolizist als Erzähler in den Film einführt, die Geschichte, die Bilder, die Texte – das kommt alles direkt aus Hollywood. Der Titel wird gar nicht mehr übersetzt, wir sind nicht in “Rom” oder gar “Roma”, die Welt ist und heißt so, wie Amerikaner sie kennen und nennen.

Für einen guten Film ist das Ganze etwas zu wenig, für einen Kinobesuch reicht es aber, Lacher und Schmunzler füllen die 112 Minuten.

Sollte Berlin einmal Drehort werden (in einem Interview hat Allen das angedeutet), dann wird es wohl ordentlich Lederhosen, blonde Zöpfe und Biergarten-Seeligkeit geben, vielleicht gestört von einigen herrisch-strengen Staatsvertretern, Modell Stasi-Gestapo-Kreuzung. Bin schon gespannt.