All Is Lost – der alte Mann und das Meer

All is LostDas Format ist nicht wirklich neu und doch beeindruckt, wie spannend und ausdrucksstark ein Film sein kann, in dem außer einem Intro-Text, ein-zweimal “Scheiße” und ein paar Hilferufen kein Wort fällt.

Auch dass Schauspielerei nicht einfach Minenspiel ist, sondern wahrlich eine Ganzkörper-Veranstaltung ist hier sehr schön zu besichtigen – gerade weil praktisch nie gesprochen wird.

Der Film “All Is Lost” ist erbarmungslos ehrlich – und das überrascht. Denn eigentlich spendet uns Hollywood stets zuverlässig Trost, uns, die wir mit dem Helden leiden und ihm endlich die verdiente Befreiung aus allen aufgetürmten Kalamitäten wünschen. Der Trost in diesem Film ist aus einem neuen Stoff.

Cast Away” mit Tom Hanks hat formal eine ähnliches Story wie “All is Lost”: unglückliche Umstände, einsame Person, lange, existentielle Fahrt auf dem großen Meer. Doch Redford ist nicht Hanks, der Sextant ist nicht Wilson, statt Walen erscheinen Haie.

“All is Lost” geht eine neuen Weg und findet einen anderen, so selten gezeigten Ausgang. Robert Redford spielt einen alten Mann in einem weiten, einsamen Meer. Genau darum geht es und genau das beeindruckt stark.

Cloud Atlas muss man sehen! Muss man?

Der Film Cloud Atlas ist wie Becks Bier, in Deutschland gebraut und doch eher international zu Hause. Drehort Babelsberg, Regie und Buch Tykwer + Wachowski Geschwister, Schauspieler Wuttke (allerdings mit einer so kleinen Rolle, dass er nicht mal im grossen Abspann erwähnt wird), also irgendwie deutscher Film, auch wenn die großen Rollen mit anderen, internationalen Stars besetzt sind.

Und darum sollte man ihn sehen: um sich ein Bild zu machen, was hier grad ganz vorne ist. Das ist ja schon was. Technisch absolut auf aktueller Ballhöhe, nicht nur Effekte, sondern auch so altmodische Kunstfertigkeiten wie Ton, Kamera, Schnitt. Die Schauspieler gut geführt, die Story verwickelt, aber nicht zu schwer erzählt, die Bilder beeindruckend, keine Durchhänger.

Und Höhepunkte? Echte Überraschungen? Da wirds schon dünner. Schauspielerische Glanzlichter? Dazu gabs kaum Gelegenheit, so hektisch wurden Maske und Kostüm gewechselt. Große Gefühle, Gedanken, Visionen? Wahrheit, Liebe, Idealismus sind das, was die Menschheit groß macht, nachdem Gier und Unvernunft fast alles zerstört haben, immer wieder neu. Da hat man schon anspruchsvollere Generalbässe gehört.

Ein Film ohne Herz und Tiefe, zu eifrig erzählt und verschachtelt, als dass irgendeine Szene Eigenleben entwickeln könnte oder wirklich fesselt. Nicht wirklich spannend, nicht wirklich rührend, bedrohlich oder erhebend, keine Lacher, kein Taschentuch, keine Augen zu halten. Ein bißchen SF, ein wenig Historienfilm, etwas Abenteuer, etwas Enthüllungs-Thriller, eine Prise Phantasy, Liebe kommt vor und auch braver Sex – aber wie rasant man es auch zusammenschneidet, ein großer Film entsteht so nicht. Angeblich heißt das Genre “Slipstream“, aber in Cloud Atlas ist dieser Stil zum Demo-Projekt verkommen.

Hollywood liefert Vermarktungsprodukte mit klaren Leistungen und Zielgruppen. Cloud Atlas hat keine Zielgruppe und versteht sich darum vielleicht als Kunstwerk. Doch selbst wenn es nur modernes Popcorn Kino ist und sein will: auch das hat Zielgruppen. In Cloud Atlas ist niemand zu Hause. 

Ich konnte jedenfalls keine Kunst und nur recht “übersichtliche” Unterhaltung erkennen und war recht enttäuscht. Ein wenig Erinnerung kam auf an Magnolia, an Total Recall, Soylent Green (wird sogar zitiert), Matrix natürlich, aber alle sind diesem hier weit voraus. Schade.