Maulkörbe werden bald knapp!

Corona rüttelt gerade am Stuhl so mancher Regierung. Täglich hört man in den Medien nur Horrormeldungen: Zu viele Infizierte, zu wenig Betten und Beatmungsgeräte, zu viele Tote. Klingt nach schlechter Führung, nach Regierungsversagen. Doch in der modernen Mediendemokratie ist die Lösung dafür ganz einfach: Die Meldungen sind das Problem! Es müssen schleunigst Maulkörbe her!

Vielen Regierenden wird in diesen Tagen klar, wie sehr ihr weiterer Erfolg von etwas abhängt, was sie derzeit nicht kontrollieren können: Der Entwicklung der Epidemie in ihrem Land. Unabhängige Institutionen, wie die WHO oder die Johns Hopkins Universität, berichten ungebremst laufend über eine Fülle epidemiologischer Kennziffern. Sie legen schonungslos die Schwächen nationaler Gesundheitssysteme sowie des jeweiligen nationalen Krisenmanagements bloß. Deutschland steht aktuell ganz gut da, USA, Italien, Spanien und UK gerade nicht so gut – das Bild ist sehr dynamisch.

Solche Vergleiche werfen Fragen auf. Ich dachte, bei uns ist alles super? Wieso können die einen etwas, was wir nicht können? Haben wir in der Vergangenheit etwa Fehler gemacht? Die Bevölkerung ist verunsichert, die Medien bohren nach.

Wie reagieren? Offensiv wirft man erstmal ein paar Nebelgranaten und gibt China und Euopa die Schuld (Trump). Oder der falschen deutschen Zählweise (der italienische Ansatz). Oder man raunt etwas von einer eigenen, intelligenteren Strategie (UK). Spin-Doktoren müssen jedenfalls reichlich Überstungen machen. Es wird auf dem Gebiet auch noch einiges mehr kommen.

Maulkörbe sind die wirkliche Lösung

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Corona in der Diskussion

Corona Virus

15.3.2020, Corona-Diskussion bei Anne Will. Mir ist besonders der unangenehme Auftritt von Alexander Kekulé in Erinnerung geblieben. Es war mit Händen zu greifen, wie neidvoll und missgünstig der Mann den medialen Erfolg des Kollegen Drosten beobachtet. Ein gutes Beispiel gab’s gleich zu Beginn: Drosten sagt: Die Corona-Pandemie ist eine Explosion in Zeitlupe. Dazu Kekulé: Das sei der größte Blödsinn, den er je gehört habe.

Was ist eine Explosion? In Bruchteilen von Sekunden wachsen zerstörerische Kräfte exponentiell so an, dass eine integre Struktur auseinanderfliegt. Was haben wir hier: Die Entwicklung ist exponentiell und zerstörerisch, aber vollzieht sich in Tagen, Wochen, Monaten. Was also ist falsch an “Explosion in Zeitlupe”? Nichts, es ist verständlich, anschaulich, korrekt. Aber Drosten hatte es gesagt, und das passte dem Professor aus Halle nicht.

In dem Stil ging es die ganze Sendung über weiter. Und dabei immer dieses Weinerlich-Selbstgefällige: “Ich habe ja schon damals gesagt…” und “hätte man damals meinen Rat…”.

Ja klar, es ist ärgerlich, es tut vielleicht sogar richtig weh, mal Berater der Bundesregierung gewesen zu sein und nun ist auf einmal ein Anderer dran und steht im Scheinwerferlicht. Aber muss man seine Bitterkeit darüber so öffentlich und für jedermann sichtbar zu Markte tragen? Peinlich, peinlich. Es stimmt schon: Diese Krise ist auch ein Charaktertest.

Mich erinnerte der Mann an den Gefängnis-Psychologen in Schweigen der Lämmer, Dr. Frederick Chilton. Der konnte auch nicht verwinden, mal Nummer zwei zu sein. Ist ihm dann ja nicht gut bekommen. Vielleicht war ich also etwas voreingenommen.

Und die anderen Gäste? Eher blass. Minister Scholz war übermüdet und die trägen Diskussionen leid, die er schon so oft geführt hatte. Ministerpräsident Laschet legte sich mehr ins Zeug, aber musste sich auch durch altbekannte Frontlinien kämpfen. Die Anästhesistin aus der Charité, Claudia Spies, war erfrischend unaufgeregt und sachlich. Sie machte nicht den Fehler, Kekulé auf seine Defizite hinzuweisen. Die erkannte man auch so.