Tagesgruß vom Murmeltier

Kinoeinstellungen und -plots, grad amerikanische, haben ein paar rules, die schon drollig sind. Zum Beispiel genügt das Erwähnen einer Bombe oder von ein paar Stangen Dynamit, dass man schon mal das Oropax rausholt, das Zeug explodiert auf jeden Fall. Dennis Hopper hat das am Ende von Speed im U-Bahn Schacht auch sehr schön ausgeführt.

Eine junge Frau, die rum macht oder ihren Pflichten aus Vergnügungslust nicht nachkommt, muss sterben, im Horrorfilm sowieso, aber auch sonst.

Und ein Plan, den sich jemand zur Überwindung großer Hindernisse ausdenkt, ein Trick gar, klappt immer, er kann noch so blöd sein.

Mehr als 1 Polizeiwagen im Bild? Die knallen dann gleich alle aufs Dämlichste zusammen!

Strenge, wasserdichte, hautenge Schutzüberwachung der Kronzeugin angesagt: “Der Mistkerl kommt keine 100 Meter an Sie dran, Miss, ohne dass wir ihn nicht schnappen, machen Sie sich keine Sorgen!” Natürlich fällt das Licht aus, die Funkübertragung verrauscht und die kleine Tochter des Kommissars ruft genau in dem Moment an, in dem der böse Mann zuschlägt.

Das haben sicher schon Viele bemerkt, so, wie jeder auch weiß, daß man im deutschen Krimi meist schon von der Berühmtheit des Schauspielers auf seine Rolle als Mörder schließen kann. Aber vermutlich nicht so Vielen ist schon aufgefallen, dass die allermeisten amerikanischen Filme ihre erste Einstellung auf der Straße haben, meist mit Rädern im Bild. Das ist eine Art Zunftgruß an Griffith, der hier früh optische Parallelen zog, drehendes Rad, drehende Filmrolle. Kino wollte schon früh raus, wollte den Muff des Theaters ablegen und Autos und Postkutschen zeigen, wie sie rasen und sausen und in voller Fahrt umkippen. Wenn Sie den nächsten Film sehen achten Sie mal drauf, wo fängt er an? Ich wette: 4 von 5 auf der Straße.

Nachrichten aus Hollywood?

Noch ist der 11.9.11 nicht rum, in USA ohnehin später, aber ich wage die Prognose, dass all die großen Bedrohungen für diesen Tag um Mitternacht aus der Möglichkeit in die Nichtexistenz gleiten.
Zunehmend werden wir in die existentiellen und apokalyptischen Hypes der Amerikaner reingezogen, auch die Tagesschau wird schon zu großen Teilen in Hollywood produziert.

Mein Eindruck: Wenn der Amerikaner nicht mindestens 2 mal im Jahr am Rand der ganz großen Auslöschung, der ultimativen Bedrohung steht, dann “fühlt er sich nicht”. Einfaches Leben genügt nicht mehr, eine wirkliche Führungsnation führt auch bei den Bedrohungen.

Natürlich sind alle diese Katastrophen für sich schrecklich, die natürlichen, die terroristischen, auch die kriegerischen. Doch von solchen Events ist die Welt voll (okay, 9/11 war besonders). In Ostaufrika geht es jedenfalls grad um sehr viel mehr Menschenleben als in allen USA-Katastrophen der letzten 10 Jahre zusammen…

Weil praktisch alle Katastrophenfilme aus den USA kommen, ist nun auch die mediale Abdeckung realer Katastrophen, das echte “Produkt” anscheinend fest in der Hand der großen Entertainer. Wie lange wollen sich unsere Nachrichtenredakteure noch von diesen mit allen News-Marketing-Mitteln perfekt gehypten Stories betören lassen? Oder sind wir selbst schon längst treue Konsumenten der Droge “schreckliche Nachricht” und kaufen halt einfach am liebsten beim Premium-Lieferanten?

All diese Ereignisse kann man natürlich nicht “quantitativ vergleichen”. Und natürlich sind Ängste und Trauer legitim, überall, für jedes Leid und jeden Tod. Aber es geht auch leiser. Es muss nicht immer gleich zur Show ausarten. Und wir sollten nicht mitmachen und uns wohlig-real angruseln lassen. Mir jedenfalls reichts mit amerikanischen bad news von früh bis spät.

Aber im Kalender hab ich mir schon mal notiert: August 2015 großer Katrina-Gedenktag.