Der große Crash kommt leise

Margin Call
Viel Neues erfährt man nicht in dem Film, schon gar nicht, wie denn nun diese komplizierten Finanzprodukte funktionieren und woran sie scheitern, es ist keine Dokumentation! Aber ein Aspekt war originell: die zwei, die das gigantische Dilemma früh erkennen (und damit ironischerwese die Katastrophe erst auslösen) sind ein Flugzeug Ingenieur und ein Hochbau Ingenieur. Sie haben den Finanzjob angenommen, weil Wall Street mehr zahlt und schließlich gehts da doch auch nur um Zahlen. Der Film deutet so an, dass eine der Krisenursachen die Zahlenjongleure sind, die von den Märkten selbst nichts verstehen. Ob und wann und wie Hypotheken von Privatleuten zurückgezahlt werden, dazu haben sie keine Ansichten, dafür kein Gespür. Auch ihre eigenen Finanzen haben sie eher schlecht im Griff, kaum etwas von den vielen 100,000$ zurückgelegt.
Wie Steuermänner auf einem Schiff, das auf einen Fels läuft und die dann beim Sinken verblüfft sind, wie salzig richtiges Meerwasser ist. Auf dem fast klinisch separierten Finanzholodeck der Wall Street laufen keine real people rum. Nur einmal stehen sie mit einer Putzfrau im Fahrstuhl – und können vor Irritation kaum sprechen. Und ganz zum Schluss trifft Kevin Spacey seine geschiedene Frau. Aber auch in dieser surrealistischen Szene geht man berührungsfrei auseinander, beide Seiten haben sich nichts zu sagen oder zu geben. Das ist eine ganz lustige Deutung des Ganzen.
Die Schauspieler sind 1a, allen voran Irons und Spacey. Quotenfrau Demi Moore spielt genau die Quotenfrau. Der Mentalist braucht ein paar Minuten, um sein Serienimage abzulegen, dann gehts. Und die Story ist okay, kein Langweiler, aber auch kein Aufreger.
Ich gebe 3+, mehr nicht.