La La Land – nicht mein Film

Ich hatte mir wirklich fest vorgenommen, La La Land nicht schon aus Prinzip doof zu finden. Es ist so billig, Hoch-Gelobtes zu dissen! Aber sorry – es muss einfach.

Eigentlich geht’s ja schon beim Titel los. Mag sein, dass das auf Amerikanisch gut klingt, auf Deutsch kling es bescheiden, jetzt mal ehrlich. La-li-lu klang da ja sogar besser.

Dann die Story: wirklich die schlichteste Liebesgeschichte, die man sich denken kann. Nun muss ein Musikfilm natürlich auch nicht einen Anna-Karenina-Plot haben, schlicht und einfach darf es sein, muss es vielleicht sogar. Doch dann sollte man sich der Schlichtheit bewusst sein und nicht die trivialsten Probleme ausdehnen, bis die 120 Minuten gut voll sind. Oder anders gesagt: Das Teil hat massiv Längen.

Die Schauspieler sind auch nur 50% perfekt gewählt. Emma Stone passt gut, Ryan Gosling ist nicht ideal. Okay, er kann tanzen (sie auch!), insbesondere in der langen Szene weit am Anfang. Die ist wirklich klasse, mit viel Schwung und Herz getanzt. Hätte ich nicht gedacht, dass er es dermaßen drauf hat. Seine echten Schauspieler-Qualitäten darf er allerdings nur in der einen großen Streitszene zum Ende hin ausleben. Die übrige Zeit liegen seine Talente eher brach.

Das schlimmste ist: La La Land ist einfach langweilig. Die Musik begeistert nicht, beide können nicht singen und ihre seichten Dialoge sind eben – seicht. Es wird ein wenig über Hollywoods Kunst gefachsimpelt (auch über Jazz) und das Ganze spiegelt sich im Cine-Glamour von Los Angeles. Jeden Schauspieler oder irgend sonstwie am Filmemachen Beteiligten dürften Story wie lokale Atmosphäre im Herzen berühren. Man philosophiert über die eigene Zunft und leidet an den eigenen Daseinsbedingungen. Das kann vielleicht erklären, warum der Film so viele Golden Globes erhielt. La La Land hat die Jury nach allen Regeln der Kunst eingewickelt.

Aus einem Musikfilm muss man summend rausgehend, aus einem Tanzfilm tänzerisch. Nach La La Land summt und tanzt niemand. Wenn der Film irgendwann vielleicht im TV kommt, schau ich ihn mir jedenfalls bestimmt kein zweites Mal an.

 

Woody Allen in Rome

Ich mag sehr viele Filme von Woody Allen. “Der Stadtneurotiker” habe ich 4 mal gesehen. Auch seine Spätwerke können schön sein (besonders “Vicky Cristina Barcelona”). Aber schon in dem träumerisch-anregenden “Midnight in Paris” wurde eine Tendenz deutlich, die in seinem neuesten Film “To Rome With Love” weiter zunimmt: die Reduzierung der Stadt auf Kitsch-Postkarten.

Eine sehr amerikanische Sicht ist das, schöne Orte, schönes Licht und triviale Schulbuch-Sehenswürdigkeiten. Wir bauen den Eiffelturm in Las Vegas nach, und wers dahin nicht schafft, der geht wenigstens ins Kino. Mehr muss man von Paris bzw. Rom nicht kennen, der Rest ist ohnehin besser in Daten, Ohio.

Der Film hat 2 lustige Ideen, ein paar recht nette Woody Allen Gags (die der Meister alle selbst zur Punchline bringt) und viel Hollywood Standard-Programm. Mit Rom hat das nicht viel zu tun (ausgenommen die Kulisse). Da hilft es auch nichts, dass ein römischer Verkehrspolizist als Erzähler in den Film einführt, die Geschichte, die Bilder, die Texte – das kommt alles direkt aus Hollywood. Der Titel wird gar nicht mehr übersetzt, wir sind nicht in “Rom” oder gar “Roma”, die Welt ist und heißt so, wie Amerikaner sie kennen und nennen.

Für einen guten Film ist das Ganze etwas zu wenig, für einen Kinobesuch reicht es aber, Lacher und Schmunzler füllen die 112 Minuten.

Sollte Berlin einmal Drehort werden (in einem Interview hat Allen das angedeutet), dann wird es wohl ordentlich Lederhosen, blonde Zöpfe und Biergarten-Seeligkeit geben, vielleicht gestört von einigen herrisch-strengen Staatsvertretern, Modell Stasi-Gestapo-Kreuzung. Bin schon gespannt.

 

Edgar ist gut

Großes Kino! 1a Darsteller, gutes Casting und Kamera, Licht, Ton, Schnitt, alles sehr fein. Dass Dirty Harry noch so ein Kunstwerk abliefert ist bemerkenswert. Und DiCaprio ist einsame Spitze.
Fachlich ist dann auch interessant, dass in den USA in den 20igern so eine Art Baader-Meinhoff-Stimmung herrschte, wie armselig das FBI damals startete und wie kleinkariert die einzelnen Bundesstaaten ihre Polizei-Hoheit mit Zähnen und Klauen verteidigten.

Nachrichten aus Hollywood?

Noch ist der 11.9.11 nicht rum, in USA ohnehin später, aber ich wage die Prognose, dass all die großen Bedrohungen für diesen Tag um Mitternacht aus der Möglichkeit in die Nichtexistenz gleiten.
Zunehmend werden wir in die existentiellen und apokalyptischen Hypes der Amerikaner reingezogen, auch die Tagesschau wird schon zu großen Teilen in Hollywood produziert.

Mein Eindruck: Wenn der Amerikaner nicht mindestens 2 mal im Jahr am Rand der ganz großen Auslöschung, der ultimativen Bedrohung steht, dann “fühlt er sich nicht”. Einfaches Leben genügt nicht mehr, eine wirkliche Führungsnation führt auch bei den Bedrohungen.

Natürlich sind alle diese Katastrophen für sich schrecklich, die natürlichen, die terroristischen, auch die kriegerischen. Doch von solchen Events ist die Welt voll (okay, 9/11 war besonders). In Ostaufrika geht es jedenfalls grad um sehr viel mehr Menschenleben als in allen USA-Katastrophen der letzten 10 Jahre zusammen…

Weil praktisch alle Katastrophenfilme aus den USA kommen, ist nun auch die mediale Abdeckung realer Katastrophen, das echte “Produkt” anscheinend fest in der Hand der großen Entertainer. Wie lange wollen sich unsere Nachrichtenredakteure noch von diesen mit allen News-Marketing-Mitteln perfekt gehypten Stories betören lassen? Oder sind wir selbst schon längst treue Konsumenten der Droge “schreckliche Nachricht” und kaufen halt einfach am liebsten beim Premium-Lieferanten?

All diese Ereignisse kann man natürlich nicht “quantitativ vergleichen”. Und natürlich sind Ängste und Trauer legitim, überall, für jedes Leid und jeden Tod. Aber es geht auch leiser. Es muss nicht immer gleich zur Show ausarten. Und wir sollten nicht mitmachen und uns wohlig-real angruseln lassen. Mir jedenfalls reichts mit amerikanischen bad news von früh bis spät.

Aber im Kalender hab ich mir schon mal notiert: August 2015 großer Katrina-Gedenktag.

Bigger than life!

Neulich in Hollywood am Nachbartisch: “Was war 9-11 doch für ein toller Event! Diese weltweite Mediacoverage, Tage, Wochen, Monate! Herrliche Bilder! Katrina war auch nicht schlecht, aus dem Stadion-Ding hätte man aber noch mehr machen können. Mist das mit Fukushima, wie konnten uns das die Japse wegschnappen? Der St. Andreas-Graben wird uns doch nicht im Stich lassen. Bis dahin müssen wir noch ein bißchen Hurricane Budenzauber etc. machen. Mit diesem Rehstreichler-Präsident kann man sich ja ein ordentliches Shootout (Afrika wär mal cool!) komplett abschminken, da war Bush ein anderes Kaliber…”