The Master – ein schwieriger Film

Wir hatten früher so einen Vergleich, der manchmal ganz angemessen war: Wenn jemand ein Auto waschen soll und als Beleg seiner Arbeit die Mengen Wasser und Seife aufführt, die er verbraucht hat, dann geht das am Ziel vorbei. Die einzig interessante Frage ist: ist das Auto sauber?

Hervorragende Schauspieler in Best-Form, ein Kult-Regisseur, ein feinfühliger Kameramann, alte Aufnahmetechniken perfekt angewendet – all dies sind gute Indizien für einen ausgezeichneten Film. Aber in meinen Augen war das Auto nicht sauber.

Dass einen die Story von The Master immer wieder überrascht, manchmal Kapitel einfach zu überspringen scheint und stets unerwartete Wendungen nimmt, dass sie keinem bekannten Erzählfaden folgt, ja gar keinen zu haben scheint – das mag ja ein aus künstlerischer Sicht interessantes Stilmittel sein, aber macht es gutes Kino?

Ich habe 3 Rezensionen zum Film gelesen (Zeit, Spiegel, Cargo) – sie alle trauen sich nicht recht aus der Ecke und verstecken hinter verkopften Theorien und Hintergrund-Details, die Antwort auf die eigentliche Frage: Soll man reingehen?

Aus meiner Sicht nicht, wenn man mehr haben will, als die Summe der eingangs genannten “Zutaten”. Das ist ja schon was, da kann man 10€ durchaus investieren, so oft gibt es das nicht. Phoenix ist immer eine Freude zu sehen, und Seymour Hoffman auch. Die Bilder sind schön, die Stimmungen dicht und es kommt nie so, wie man denkt.

Mehr habe ich aber nicht darin erkannt. Vielleicht ist das die Botschaft: Geschichte hat keine Standard-Plot, keinen Walt-Disney-Erzählstrang, keinen theatralischen Spannungsbogen. Sie bietet Höhepunkte hier und da, aber sie sind von anderer Natur und anders eingefädelt, als wir das von Hollywood gelernt habe. Es kommt eben so, wie es eben kommt – und das ist mitunter interessant bis spannend.

Django unchained

130202 DjangoUnchainedNett, unterhaltend, ordentlich Action, Szenen mit Kultpotenzial, kein Geniestreich, phasenweise etwas in den eigenen Stil verliebt, Note 2-3.

Etwas mehr Stichworte zu Stärken und Schwächen:

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Cloud Atlas muss man sehen! Muss man?

Der Film Cloud Atlas ist wie Becks Bier, in Deutschland gebraut und doch eher international zu Hause. Drehort Babelsberg, Regie und Buch Tykwer + Wachowski Geschwister, Schauspieler Wuttke (allerdings mit einer so kleinen Rolle, dass er nicht mal im grossen Abspann erwähnt wird), also irgendwie deutscher Film, auch wenn die großen Rollen mit anderen, internationalen Stars besetzt sind.

Und darum sollte man ihn sehen: um sich ein Bild zu machen, was hier grad ganz vorne ist. Das ist ja schon was. Technisch absolut auf aktueller Ballhöhe, nicht nur Effekte, sondern auch so altmodische Kunstfertigkeiten wie Ton, Kamera, Schnitt. Die Schauspieler gut geführt, die Story verwickelt, aber nicht zu schwer erzählt, die Bilder beeindruckend, keine Durchhänger.

Und Höhepunkte? Echte Überraschungen? Da wirds schon dünner. Schauspielerische Glanzlichter? Dazu gabs kaum Gelegenheit, so hektisch wurden Maske und Kostüm gewechselt. Große Gefühle, Gedanken, Visionen? Wahrheit, Liebe, Idealismus sind das, was die Menschheit groß macht, nachdem Gier und Unvernunft fast alles zerstört haben, immer wieder neu. Da hat man schon anspruchsvollere Generalbässe gehört.

Ein Film ohne Herz und Tiefe, zu eifrig erzählt und verschachtelt, als dass irgendeine Szene Eigenleben entwickeln könnte oder wirklich fesselt. Nicht wirklich spannend, nicht wirklich rührend, bedrohlich oder erhebend, keine Lacher, kein Taschentuch, keine Augen zu halten. Ein bißchen SF, ein wenig Historienfilm, etwas Abenteuer, etwas Enthüllungs-Thriller, eine Prise Phantasy, Liebe kommt vor und auch braver Sex – aber wie rasant man es auch zusammenschneidet, ein großer Film entsteht so nicht. Angeblich heißt das Genre “Slipstream“, aber in Cloud Atlas ist dieser Stil zum Demo-Projekt verkommen.

Hollywood liefert Vermarktungsprodukte mit klaren Leistungen und Zielgruppen. Cloud Atlas hat keine Zielgruppe und versteht sich darum vielleicht als Kunstwerk. Doch selbst wenn es nur modernes Popcorn Kino ist und sein will: auch das hat Zielgruppen. In Cloud Atlas ist niemand zu Hause. 

Ich konnte jedenfalls keine Kunst und nur recht “übersichtliche” Unterhaltung erkennen und war recht enttäuscht. Ein wenig Erinnerung kam auf an Magnolia, an Total Recall, Soylent Green (wird sogar zitiert), Matrix natürlich, aber alle sind diesem hier weit voraus. Schade.

Ab dem 3. Oktober im Kino: Rian Johnsons „Looper“

Der Name Bruce Willis steht für spannende Action und unterhaltsames Popcorn-Kino. Auch der Sci-Fi Thriller Looper unter der Regie von Rian Johnson verspricht spannende Unterhaltung mit einer interessanten Story und guten Darstellern.

In den 70er Jahren unseres Jahrhunderts sind Zeitreisen möglich, aber aufgrund der potentiellen Gefahren verboten. Verbote stören Kriminelle nur selten und so macht sich eine kriminelle Vereinigung in Shanghai die Zeitreise für ihre eigenen Zwecke zunutze: Unliebsame Zeitgenossen werden in die 40er Jahre zurückgeschickt, wo ein Auftragskiller sie bereits erwartet und ein für alle mal aus der Weltgeschichte verschwinden lässt.

Einer dieser Killer, die „Looper“ genannt werden, ist der 25jährige Joseph Simmons (Joseph Gordon-Levitt). Als Looper führt er ein gutes und angenehmes Leben, dennoch ist er letzten Endes nur eine Marionette der Mafiabosse und ist verpflichtet, niemals eines seiner Opfer

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Woody Allen in Rome

Ich mag sehr viele Filme von Woody Allen. “Der Stadtneurotiker” habe ich 4 mal gesehen. Auch seine Spätwerke können schön sein (besonders “Vicky Cristina Barcelona”). Aber schon in dem träumerisch-anregenden “Midnight in Paris” wurde eine Tendenz deutlich, die in seinem neuesten Film “To Rome With Love” weiter zunimmt: die Reduzierung der Stadt auf Kitsch-Postkarten.

Eine sehr amerikanische Sicht ist das, schöne Orte, schönes Licht und triviale Schulbuch-Sehenswürdigkeiten. Wir bauen den Eiffelturm in Las Vegas nach, und wers dahin nicht schafft, der geht wenigstens ins Kino. Mehr muss man von Paris bzw. Rom nicht kennen, der Rest ist ohnehin besser in Daten, Ohio.

Der Film hat 2 lustige Ideen, ein paar recht nette Woody Allen Gags (die der Meister alle selbst zur Punchline bringt) und viel Hollywood Standard-Programm. Mit Rom hat das nicht viel zu tun (ausgenommen die Kulisse). Da hilft es auch nichts, dass ein römischer Verkehrspolizist als Erzähler in den Film einführt, die Geschichte, die Bilder, die Texte – das kommt alles direkt aus Hollywood. Der Titel wird gar nicht mehr übersetzt, wir sind nicht in “Rom” oder gar “Roma”, die Welt ist und heißt so, wie Amerikaner sie kennen und nennen.

Für einen guten Film ist das Ganze etwas zu wenig, für einen Kinobesuch reicht es aber, Lacher und Schmunzler füllen die 112 Minuten.

Sollte Berlin einmal Drehort werden (in einem Interview hat Allen das angedeutet), dann wird es wohl ordentlich Lederhosen, blonde Zöpfe und Biergarten-Seeligkeit geben, vielleicht gestört von einigen herrisch-strengen Staatsvertretern, Modell Stasi-Gestapo-Kreuzung. Bin schon gespannt.

 

Schwedische Krimis…

… sind ja sehr beliebt, allgemein und gerade in D. Henning Mankell hat neben Wallander auch z.B. für Tatort Drehbuch-Grundlagen geliefert. Und Stieg Larssons Roman “Verblendung” ist so beliebt, dass er gleich zweimal verfilmt wurde.

Ich habe im Urlaub erst “Die fünfte Frau” von Mankell gelesen und dann “Verdammnis” von Larsson, es schließt an Verblendung an, Mikael Blomquist, Lisbeth Salander etc.. Zusammen über 1.000 Seiten.

Durch die Wallander-Story wanderte ich mit einem guten Gefühl, seine Sorgen, Ahnungen, Irrtümer konnte ich nachvollziehen, und auch der Täter hatte ein extremes aber doch plausibles Profil. Menschen lebten in dem Buch, 37°-Wesen.

Dagegen scheinen mir die Figuren von Larsson alle im Eigenschaften-Fachgeschäft mit eher auf den Effekt denn auf Glaubwürdigkeit ausgerichtetem Geschmack zusammengestellt worden zu sein. Es liest sich irgendwie ganz spannend – aber auch McDonalds ist gelegentlich okay, dass da gut gekocht wird, behauptet ja niemand.

In “Verblendung” wurde die ganz junge Harriett Vanger zunächst von ihrem Vater und dann auch von ihrem Bruder vergewaltigt und gequält, sie sah später zu, als der Bruder den Vater umbrachte. In Verdammnis ist sie dann eine ganz normale, sinnliche, auf erfüllende erotische Erlebnisse mit Mikael Blomquist ausgerichtete Frau. Da ist kein Trauma, keine Macke geblieben? Einfach abgeschüttelt?

Oder Lisbeth Salander, Kettenraucherin, ernährt sich nur von TK-Pizza, hängt aber bei Bedarf im Sprint jeden Killer ab. Nebenbei ist sie die weltbeste Hackerin, sie kommt in jedes System, so hat sie sich auch ein Vermögen von mehreren 100 Millionen ergaunert, wird aber nicht gesucht. Sie liest die die kompliziertesten Werke der Mathematik wie andere Comics und kann lautlos einbrechen und Wohnungen durchsuchen, während der Bewohner im gleichen Zimmer schläft. Sie ist ebenfalls früh mehrfach vergewaltigt worden und hat nun auch ein sehr aktives, unverkrampftes, buntes Sexualleben (von dem der Leser viel erfährt). Es sei ihr gegönnt, aber geht das?

Vielleicht liefert Larsson ja einen neuen Stil des Krimis, auf “Konsistenz”, psychologische Dichte der Personen kommt es nicht an, das sind alles schwarz-weiß Comic-Helden, holzschnittartig, grob gezeichnet. Hauptsache, es ist immer eine kräftige Portion Sex dabei, ein Teil zum Gruseln, ein Teil zum Anmachen. So schafft man zwei fast zeitgleiche Verfilmungen aus einem Roman. Hut ab. Aber meine Art Krimi ist das nicht.

Dame, König, As, Spion – zu hoch

Mir fallen 4 Sichtweisen zu dem Film ein:

1. ich hab ihn nicht kapiert, Story zu verworren, vielleicht soll man das Buch erst lesen oder den Zweiteiler aus den 70ern (Smileys Leute) sehen. Und Sachen, die man nicht kapiert, soll man nicht beurteilen. Sichtweise gefällt mir nicht besonders.

2. es geht gar nicht um die Story, die kann man ohne Vorinfo (s.o.) auch überhaupt nicht voll kapieren beim ersten Mal, es geht um die zynische Hohlheit im Agenten-Milieu, und das ist a) ein Kontrapunkt zu den idealistischen Helden a la Bourne oder Ethan Hunt und b) eine Metapher auf die Filmschaffenden, die auch permanent vorgeben, jemand anders zu sein und darüber ihr Ich verlieren. Schon besser.

3. es geht um Entertainment, für das ich 8€ gezahlt habe. Ich bin einmal am Anfang eingeschlafen, Brigitte in der Mitte, und der Typ neben mir fing am Schluss ein Gespräch mit seiner Freundin an. Der Film fesselt nicht, man kriegt nicht die bezahlte Leistung, Daumen runter. So seh ich das.

4. Das Drehbuch ist krank weil schlecht. Der Roman mag ja toll sein, aber die filmische Umsetzung der Story absolut misslungen. Gefühlte 60% des Films gehen Leute von a nach b oder schauen aus dem Fenster ohne jede Bedeutung für die Handlung. Schauspieler sehr gut (aber kein Oskar für Oldman), Schnitt, Ton, Licht: keine Vorwürfe, aber es wird eine riesige wichtigtuerische Bedeutungsschwangerschaft in jede Szene gelegt, die dann einfach nicht niederkommt, das bedeutet ja alles nichts – oder 1 trifft zu.

Edgar ist gut

Großes Kino! 1a Darsteller, gutes Casting und Kamera, Licht, Ton, Schnitt, alles sehr fein. Dass Dirty Harry noch so ein Kunstwerk abliefert ist bemerkenswert. Und DiCaprio ist einsame Spitze.
Fachlich ist dann auch interessant, dass in den USA in den 20igern so eine Art Baader-Meinhoff-Stimmung herrschte, wie armselig das FBI damals startete und wie kleinkariert die einzelnen Bundesstaaten ihre Polizei-Hoheit mit Zähnen und Klauen verteidigten.

Der große Crash kommt leise

Margin Call
Viel Neues erfährt man nicht in dem Film, schon gar nicht, wie denn nun diese komplizierten Finanzprodukte funktionieren und woran sie scheitern, es ist keine Dokumentation! Aber ein Aspekt war originell: die zwei, die das gigantische Dilemma früh erkennen (und damit ironischerwese die Katastrophe erst auslösen) sind ein Flugzeug Ingenieur und ein Hochbau Ingenieur. Sie haben den Finanzjob angenommen, weil Wall Street mehr zahlt und schließlich gehts da doch auch nur um Zahlen. Der Film deutet so an, dass eine der Krisenursachen die Zahlenjongleure sind, die von den Märkten selbst nichts verstehen. Ob und wann und wie Hypotheken von Privatleuten zurückgezahlt werden, dazu haben sie keine Ansichten, dafür kein Gespür. Auch ihre eigenen Finanzen haben sie eher schlecht im Griff, kaum etwas von den vielen 100,000$ zurückgelegt.
Wie Steuermänner auf einem Schiff, das auf einen Fels läuft und die dann beim Sinken verblüfft sind, wie salzig richtiges Meerwasser ist. Auf dem fast klinisch separierten Finanzholodeck der Wall Street laufen keine real people rum. Nur einmal stehen sie mit einer Putzfrau im Fahrstuhl – und können vor Irritation kaum sprechen. Und ganz zum Schluss trifft Kevin Spacey seine geschiedene Frau. Aber auch in dieser surrealistischen Szene geht man berührungsfrei auseinander, beide Seiten haben sich nichts zu sagen oder zu geben. Das ist eine ganz lustige Deutung des Ganzen.
Die Schauspieler sind 1a, allen voran Irons und Spacey. Quotenfrau Demi Moore spielt genau die Quotenfrau. Der Mentalist braucht ein paar Minuten, um sein Serienimage abzulegen, dann gehts. Und die Story ist okay, kein Langweiler, aber auch kein Aufreger.
Ich gebe 3+, mehr nicht.