Social Media Ignoranz

130423 genervtIch kann es wirklich nicht mehr hören – aber es werden einfach nicht weniger, die sowas sagen:

“Jaja, das stimmt, da geht wohl einiges mit Social Media, ich bin ja selbst auch bei Xing. Aber Twitter und Facebook und diese Sachen, das lehne ich ab. Da mach ich nicht mit.”

Wenn es meine Tante Trude aus Buxtehude wäre, zwischen Käse- und Rhabarbar-Torte – aber eben hat mir dieser Mensch noch seine Visitenkarte gegeben, und was steht da drauf? Marketing Leiter, Kommunikations-Experte, Business Coach, Vertriebsberater, irgend so einer von diesen tollen Titeln.

Schön auch: Verantwortlicher für Marketing und Sales in einem großen Versandhaus, “… aber Facebook und so, das überlaß ich meinen Kindern!” (Original so vor einem Jahr gehört).

Muss man sich da wundern, dass die Hugendubels und Thalias dieses Deutschlands bis 2013 gebraucht haben, um zu merken, dass Amazon eben nicht über Nacht plötzlich verschwindet und alles ist wieder so schön wie zuvor? Heute im Radio eine Thalia Sprecherin: “Wir haben jetzt ein Angebot im Internet, sind bei Facebook, also da bewegt sich was…” – hallo?

Ein Glück nur, dass die Amerikaner dafür auf dem Mitbestimmungs- und Arbeitsrecht-Auge so ignorant sind, da kann man billig Entlastungsangriffe fahren. Doch die Freude über den Bodengewinn wird nur kurz sein. Denn Arbeitsbedigungen kann man anpassen, aber der strukturelle Nachteil am Markt durch Verschlafen der Trends  bleibt.

Angeblich hat Gorbatschow es ja gar nicht gesagt, aber passen tuts doch: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Studie: Wie Kunden in Social Networks shoppen

Viele Unternehmen nutzen Social Media um ihre Markenbekanntheit zu steigern, doch die Nutzung von Facebook und Co. für den Direktvertrieb könnte sich als extrem lukrativ erweisen, denn die Bereitschaft der Kunden dafür ist größer als allgemein angenommen.

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Die Studie „2011 Social Commerce Study“ von comScore und der National Retail Federation untersuchte das Shoppingverhalten von über 1.700 US-Bürgern und kam zu folgenden Ergebnissen:

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  • 42 Prozent der Online-Konsumenten „folgen“ zeitweise einem Store in Social Media, also auf Facebook, Twitter oder dem Markenblog.
  • Im Durchschnitt folgt der Online-Shopper 6 Einzelhändlern
  • 56 Prozent der Facebook-Nutzer klickten sich aufgrund eines Facebook-Posts auf die Shopping-Website des Händlers durch
  • 67 Prozent der Twitter-Nutzer klickten sich aufgrund eines Tweets auf die Shopping-Website des Händlers durch

Die Hauptgründe für das Folgen eines Unternehmens sind:

  • Deals finden (58%)
  • Über Produktneuigkeiten informiert werden (49%)
  • Informationen zu Wettbewerben und Events erhalten (39%)

Das interessanteste Ergebnis jedoch war die hohe Bereitschaft der Shopper, die Unternehmenswebsite für einen Kauf auf Social Media Plattformen sogar komplett zu überspringen:

  • 35 Prozent gaben an, sie würden die Website des Händlers auslassen um einen Kauf direkt über Facebook zu tätigen
  • 32 Prozent gaben an, sie würden die Website des Händlers auslassen um einen Kauf direkt über Twitter zu tätigen

 

Die Beliebtheit von Smartphones verstärkt den Aufstieg von Social Commerce ebenfalls:

  • Laut Studie loggen sich 42 Prozent der Twitter-User mindestens einmal am Tag von ihrem Smartphone aus auf der Plattform ein. Bei Facebook sind es 34 Prozent der Nutzer.
  • Ebenfalls 34 Prozent der Smartphone-Besitzer sehen sich täglich auf ihrem Gerät YouTube-Videos an.
  • 47 Prozent der Konsumenten haben mit ihrem Smartphone schon einmal Produktbewertungen eingeholt während sie im Store waren. Männer (55%) häufiger als Frauen (39%)

Neben den klassischen Shopping-Funktionen der Händler-Websites, können sich gerade Group-Buying Aktionen auf den Websites oder Facebook-Präsenzen lohnen, denn die User-Awareness bei Group-Buying ist sehr hoch:

  • 82 Prozent der Online-Konsumenten kennen Group-Buying-Seiten wie Groupon, LivingSocial oder Gilt City.
  • 19 Prozent haben darüber schon einen Kauf getätigt
  • 57 Prozent der Group-Buyer haben bisher über 100 Dollar dort ausgegeben

Dass Facebook und Twitter bald alle Websites ersetzen werden, wie es manch ein Blog berichtet, ist eher unwahrscheinlich. Das Risiko, den kompletten Online-Verkauf auf einer Fremdplattform wie Facebook laufen zu lassen ist zu hoch – Facebook hat schon komplette Seiten mit tausenden Fans einfach geschlossen, oder Facebook selbst wird eines Tages geschlossen – und nicht jeder Kunde ist auf Facebook. Dennoch ist ein klarer Trend zu erkennen: Weg von der klassischen Unternehmensseite als Ausgangspunkt für alle Kunden-Aktionen im Web, hin zu einer Vielzahl von Web 2.0 Präsenzen die alle durch verschiedene Widgets, Buttons und Apps miteinander verknüpft sind.

Facebook Stores haben dieselbe Conversion Rate wie Websites

Viele Unternehmen stehen derzeit vor einem Dilemma: Sollen sie Werbung für ihre Unternehmens-Website machen oder für ihre Facebook-Seite? Wohin soll der Traffic geleitet werden?

Neuerdings brechen einige Unternehmen mit der Norm und leiten die Kunden direkt auf ihre Fanseite und umgehen damit ihre Website. Was als Mittel zum Zweck begann („Wir leiten die Fans dann auf unsere Homepage weiter“) wird zum neuen Zweck. Die Möglichkeiten scheinen auf Facebook unbegrenzt mit einer Nutzerzahl von über 600 Millionen Menschen. Doch was wird aus der Website? Es könnte ein „Vampir-Effekt“ entstehen, d.h. Facebook zieht die Kunden von der Website ab.

Bei Websites, die keinen eCommerce betreiben, ist das tatsächlich so, wie eine neue Studie von Webtrend herausfand. 65% der „Nicht eCommerce-Unternehmen“ hatten auf Facebook mehr Unique Visitors als auf ihrer Website. Bei Unternehmen mit eCommerce hatte die Mehrzahl (77%) jedoch mehr Besucher auf der Unternehmens-Website. Die Studienleiter begründen dies mit dem hohen Budget, das derzeit in SEO, Online Display-Werbung und E-Mail-Marketing für die Websites gesteckt wird. Die Besucherzahlen gehen jedoch insgesamt bei eCommerce- und „Nicht eCommerce“-Unternehmen“ zurück: Bei 68% der untersuchten Fortune 100 Unternehmen fiel die Zahl der Website-Besucher zwischen 2009 und 2010 um 23%.

E-Commerce-Firmen, die auf Facebook Stores eingerichtet haben, haben eine gute Entscheidung getroffen: Die Facebook Stores performen ebenso gut wie die Website-Sores. Sie haben die gleichen Sales Raten und akquirieren Besucher sogar effizienter durch die geringen Kosten. Die Conversion Rate der Facebook Stores liegt bei 2% bis 4%, was der üblichen Rate auf Websites entspricht. Die Experten von Webtrends gehen davon aus, dass der eCommerce auf Websites weiter zurück gehen und Facebook beim Online-Shopping immer beliebter wird, durch Verbesserung der Shopping-Erfahrung.

Hier die Entwicklung von Unternehmen ohne eCommerce. 65% hatten mehr Traffic auf Facebook als auf ihrer Homepage:

Besonders stark entwickelten sich die Facebook-Besucherzahlen bei Walt Disney und Coca-Cola. Die Website war jedoch kaum beliebter als ein Jahr zuvor:

Noch dominieren bei eCommerce-Unternehmen die Websites, was die Besucherzahlen betrifft. Doch die Experten erkennen auch hier eine abnehmende Tendenz.

Zu den Facebook-Stores:

  • Ein Monat nach Einführung der Stores, werden sie bereits von 1 bis 10% der Fanbasis besucht.
  • Die Aktionen der Fans auf den Store-Pages („Likes“ der Angebote und das Weiterleiten der Angebote) machen 17% des gesamten Fan-Engagement der Marken-Seite aus.
  • Pro Besuch des Facebook-Stores werden 5,9 Seiten angesehen.
  • Die auf den Facebook-Stores verbrachte Zeit beträgt im Schnitt 2,5 Minuten und stieg im letzten Monat um 50% an.

Facebook Share oder Tweet: Was bringt mehr Umsatz im eCommerce?

Wie wertvoll sind Tweets im Vergleich zu Facebook Shares? Das Unternehmen ChompOn verglich den Umsatz, der durch Tweets und Twitter Follower generiert wurde mit dem Umsatz, der durch Facebook Shares und Likes generiert wurde.

Das Ergebnis: Ein Facebook Share ist 14 $ wert, ein Like 8 $. Ein Tweet bringt 5 $ und ein Follower 2 $.

Aktionen auf Facebook sind somit wertvoller als auf Twitter, was wohl daran liegt, dass wir zu unseren Freunden auf Facebook eine stärkere Beziehung haben als zu unseren Twitter Verbindungen. Ein Facebook Share wirkt deshalb vertrauensvoller und glaubwürdiger, was den höheren Umsatz erklärt.

Da bei der Untersuchung nur der direkte und unmittelbare Einfluss der Aktionen auf den eCommerce-Umsatz gemessen wurde – also eine kurzfristige Analyse durchgeführt wurde – kann der wahre Wert um einiges höher liegen, denn der Langzeit-Effekt auf die Kundenloyalität wurde hier nicht miteinberechnet.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte letztes Jahr das Online-Ticket-Unternehmen Eventbrite. Es berechnete, wie sich das Teilen von Veranstaltungs-Links auf Facebook und LinkedIn auf den Erlös auswirkte. Ein Link auf Facebook brachte 2,52 $, ein Link auf LinkedIn brachte 0,90 $.

Infografik: Gelungene Aktionen im Social Commerce

Wer sagt, Social Media eigne sich nur für den Dialog mit dem Kunden und nicht für Sales, der irrt. 2010 war das Jahr des Social Commerce. Diese besondere Form des eCommerce setzt ganz auf die aktive Beteiligung der Kunden, deren persönliche Beziehungen und Kommunikation untereinander. Dank neuen Social Software Technologien integrieren zum Beispiel viele Firmen Shops auf ihrer Facebook-Seite. So gab es auf dem Facebook Pampers Store im März 2010 schon 1.000 Transaktionen pro Stunde! Aber auch Portale wie Groupon wachsen stark und mit Facebook Deals wird es 2011 garantiert viele interessante Kampagnen geben.

Über einige Daten der Grafik von socialcommercetoday berichteten wir bereits: So verkauft Disney via Facebook Kinokarten, Eventbrite schätzte den Wert eines Facebook-Share und Diesel installierte spezielle Facebook-Kameras in den Umkleidekabinen.

Weitere Beispiele, wie Social Media im Direktvertrieb erfolgreich genutzt wird, könnt ihr hier lesen.