Wo kommen die vielen Verschwörungstheorien her?

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Es ist wirklich merkwürdig: in kaum einem anderen Land gibt es mehr öffentliche Verschwörungstheoretiker mit entsprechenden Verschwörungstheorien als in Deutschland. Warum ist das so?

Deutschland gilt für viele Länder als eine Art Gold-Standard in Sachen Umgang mit der Corona Krise. Unser Gesundheitssystem, die Balance zwischen Lockdown und Lockerung, die wirtschaftlichen Hilfen, die regierungsamtliche Kommunikation, die öffentliche Disziplin – alles gut oder zumindest deutlich besser, als in den meisten anderen Ländern.

Und doch glauben erstaunlich viele Menschen in Deutschland, dass hier finstere Mächte mit noch finsteren Absichten ihr Unwesen treiben.

Ich habe fünf Gründe gesammelt, was die Menschen in Deutschland dazu bewegen könnte, ihre so offensichtlich absurden Dampf-Wolken zu entwickeln und abzulassen.

1. Gott ist tot

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Corona in der Diskussion

Corona Virus

15.3.2020, Corona-Diskussion bei Anne Will. Mir ist besonders der unangenehme Auftritt von Alexander Kekulé in Erinnerung geblieben. Es war mit Händen zu greifen, wie neidvoll und missgünstig der Mann den medialen Erfolg des Kollegen Drosten beobachtet. Ein gutes Beispiel gab’s gleich zu Beginn: Drosten sagt: Die Corona-Pandemie ist eine Explosion in Zeitlupe. Dazu Kekulé: Das sei der größte Blödsinn, den er je gehört habe.

Was ist eine Explosion? In Bruchteilen von Sekunden wachsen zerstörerische Kräfte exponentiell so an, dass eine integre Struktur auseinanderfliegt. Was haben wir hier: Die Entwicklung ist exponentiell und zerstörerisch, aber vollzieht sich in Tagen, Wochen, Monaten. Was also ist falsch an “Explosion in Zeitlupe”? Nichts, es ist verständlich, anschaulich, korrekt. Aber Drosten hatte es gesagt, und das passte dem Professor aus Halle nicht.

In dem Stil ging es die ganze Sendung über weiter. Und dabei immer dieses Weinerlich-Selbstgefällige: “Ich habe ja schon damals gesagt…” und “hätte man damals meinen Rat…”.

Ja klar, es ist ärgerlich, es tut vielleicht sogar richtig weh, mal Berater der Bundesregierung gewesen zu sein und nun ist auf einmal ein Anderer dran und steht im Scheinwerferlicht. Aber muss man seine Bitterkeit darüber so öffentlich und für jedermann sichtbar zu Markte tragen? Peinlich, peinlich. Es stimmt schon: Diese Krise ist auch ein Charaktertest.

Mich erinnerte der Mann an den Gefängnis-Psychologen in Schweigen der Lämmer, Dr. Frederick Chilton. Der konnte auch nicht verwinden, mal Nummer zwei zu sein. Ist ihm dann ja nicht gut bekommen. Vielleicht war ich also etwas voreingenommen.

Und die anderen Gäste? Eher blass. Minister Scholz war übermüdet und die trägen Diskussionen leid, die er schon so oft geführt hatte. Ministerpräsident Laschet legte sich mehr ins Zeug, aber musste sich auch durch altbekannte Frontlinien kämpfen. Die Anästhesistin aus der Charité, Claudia Spies, war erfrischend unaufgeregt und sachlich. Sie machte nicht den Fehler, Kekulé auf seine Defizite hinzuweisen. Die erkannte man auch so.