Ganz schön was los auf Station 43!

Die Doku-Serie „Charité intensiv“ des ARD-Senders rbb über die Station 43 hat mich sehr beeindruckt. Denn der Filmemacher Carl Gierstorfer hat da etwas sehr Wichtiges gezeigt: bei aller coolen Professionalität, die jede und jeder „Pflegende“ entwickelt und entwickeln muss: Sie haben sich doch alle ein überraschendes Maß an engagierter Empathie und achtsamer Einfühlung gegenüber ihren Patient*innen bewahrt. Ich war berührt und dankbar.

Auch etwas Anderes konnte man beobachten: Wenn man mal denen bei der Arbeit zuschauen darf, die die Suppe am Ende wirklich auslöffeln, die nicht mehr zur Seite treten können, damit andere übernehmen, dann ist Schluss mit eitlem Gezänk und politischer Wichtigtuerei. Welch angenehmer Kontrast zu den Talkshow-Stars!

Über die Serie ist in vielen Medien und Formaten berichtet worden. In dem Beitrag hier stelle ich nun einige dieser Berichte rund um diese vier 30-Minuten-Filme zusammen – zur allgemeinen Erinnerung und auch als Dankeschön an alle daran Beteiligten. Es sind links mit einfachen Hinweisen zum dahinter liegenden Inhalt.

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Corona in der Diskussion

Corona Virus

15.3.2020, Corona-Diskussion bei Anne Will. Mir ist besonders der unangenehme Auftritt von Alexander Kekulé in Erinnerung geblieben. Es war mit Händen zu greifen, wie neidvoll und missgünstig der Mann den medialen Erfolg des Kollegen Drosten beobachtet. Ein gutes Beispiel gab’s gleich zu Beginn: Drosten sagt: Die Corona-Pandemie ist eine Explosion in Zeitlupe. Dazu Kekulé: Das sei der größte Blödsinn, den er je gehört habe.

Was ist eine Explosion? In Bruchteilen von Sekunden wachsen zerstörerische Kräfte exponentiell so an, dass eine integre Struktur auseinanderfliegt. Was haben wir hier: Die Entwicklung ist exponentiell und zerstörerisch, aber vollzieht sich in Tagen, Wochen, Monaten. Was also ist falsch an „Explosion in Zeitlupe“? Nichts, es ist verständlich, anschaulich, korrekt. Aber Drosten hatte es gesagt, und das passte dem Professor aus Halle nicht.

In dem Stil ging es die ganze Sendung über weiter. Und dabei immer dieses Weinerlich-Selbstgefällige: „Ich habe ja schon damals gesagt…“ und „hätte man damals meinen Rat…“.

Ja klar, es ist ärgerlich, es tut vielleicht sogar richtig weh, mal Berater der Bundesregierung gewesen zu sein und nun ist auf einmal ein Anderer dran und steht im Scheinwerferlicht. Aber muss man seine Bitterkeit darüber so öffentlich und für jedermann sichtbar zu Markte tragen? Peinlich, peinlich. Es stimmt schon: Diese Krise ist auch ein Charaktertest.

Mich erinnerte der Mann an den Gefängnis-Psychologen in Schweigen der Lämmer, Dr. Frederick Chilton. Der konnte auch nicht verwinden, mal Nummer zwei zu sein. Ist ihm dann ja nicht gut bekommen. Vielleicht war ich also etwas voreingenommen.

Und die anderen Gäste? Eher blass. Minister Scholz war übermüdet und die trägen Diskussionen leid, die er schon so oft geführt hatte. Ministerpräsident Laschet legte sich mehr ins Zeug, aber musste sich auch durch altbekannte Frontlinien kämpfen. Die Anästhesistin aus der Charité, Claudia Spies, war erfrischend unaufgeregt und sachlich. Sie machte nicht den Fehler, Kekulé auf seine Defizite hinzuweisen. Die erkannte man auch so.