Schwedische Krimis…

… sind ja sehr beliebt, allgemein und gerade in D. Henning Mankell hat neben Wallander auch z.B. für Tatort Drehbuch-Grundlagen geliefert. Und Stieg Larssons Roman “Verblendung” ist so beliebt, dass er gleich zweimal verfilmt wurde.

Ich habe im Urlaub erst “Die fünfte Frau” von Mankell gelesen und dann “Verdammnis” von Larsson, es schließt an Verblendung an, Mikael Blomquist, Lisbeth Salander etc.. Zusammen über 1.000 Seiten.

Durch die Wallander-Story wanderte ich mit einem guten Gefühl, seine Sorgen, Ahnungen, Irrtümer konnte ich nachvollziehen, und auch der Täter hatte ein extremes aber doch plausibles Profil. Menschen lebten in dem Buch, 37°-Wesen.

Dagegen scheinen mir die Figuren von Larsson alle im Eigenschaften-Fachgeschäft mit eher auf den Effekt denn auf Glaubwürdigkeit ausgerichtetem Geschmack zusammengestellt worden zu sein. Es liest sich irgendwie ganz spannend – aber auch McDonalds ist gelegentlich okay, dass da gut gekocht wird, behauptet ja niemand.

In “Verblendung” wurde die ganz junge Harriett Vanger zunächst von ihrem Vater und dann auch von ihrem Bruder vergewaltigt und gequält, sie sah später zu, als der Bruder den Vater umbrachte. In Verdammnis ist sie dann eine ganz normale, sinnliche, auf erfüllende erotische Erlebnisse mit Mikael Blomquist ausgerichtete Frau. Da ist kein Trauma, keine Macke geblieben? Einfach abgeschüttelt?

Oder Lisbeth Salander, Kettenraucherin, ernährt sich nur von TK-Pizza, hängt aber bei Bedarf im Sprint jeden Killer ab. Nebenbei ist sie die weltbeste Hackerin, sie kommt in jedes System, so hat sie sich auch ein Vermögen von mehreren 100 Millionen ergaunert, wird aber nicht gesucht. Sie liest die die kompliziertesten Werke der Mathematik wie andere Comics und kann lautlos einbrechen und Wohnungen durchsuchen, während der Bewohner im gleichen Zimmer schläft. Sie ist ebenfalls früh mehrfach vergewaltigt worden und hat nun auch ein sehr aktives, unverkrampftes, buntes Sexualleben (von dem der Leser viel erfährt). Es sei ihr gegönnt, aber geht das?

Vielleicht liefert Larsson ja einen neuen Stil des Krimis, auf “Konsistenz”, psychologische Dichte der Personen kommt es nicht an, das sind alles schwarz-weiß Comic-Helden, holzschnittartig, grob gezeichnet. Hauptsache, es ist immer eine kräftige Portion Sex dabei, ein Teil zum Gruseln, ein Teil zum Anmachen. So schafft man zwei fast zeitgleiche Verfilmungen aus einem Roman. Hut ab. Aber meine Art Krimi ist das nicht.

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