Reinstoff – ein Erlebnis

Das Restaurant Reinstoff liegt in Berlin Mitte und hat bereits 2 Michelin Sterne – mit dem Koch Daniel Achilles erworben. Wir waren Mitte Mai da und haben ein Sechs-Gänge Menü aus dem Angebot “weiterdraußen” ausgewählt.

Das ist schon mal ungewöhnlich: Es gibt nur zwei große Menüs, eben “weiterdraußen” und “ganznah” mit 9 bzw. 7 Gängen, und aus einem von beiden pickt man sich seine 5 oder 6 Lieblinge zusammen – oder bestellt eben alles von A bis Z. Hinzukommt: Die Auswahl eines der beiden Menü-Angebote muss man mit frau abstimmen – das geht nämlich nur tischweise.

Hier ist unsere Wahl, das kleine Erinnerungskärtchen bekommt man am Ende noch überreicht, eine sehr nette Idee.

150521 Reinstoff Menü 001No. 1, 4 und 7 hatten wir nicht, so wurden aus 9 Gängen 6.

Nicht aufgeführt sind diverse “Tapas”, die als Küchengruß vor, bei und nach dem Menü serviert werden.

Alles, Bestelltes wie Überraschendes tanzt im Mund auf den Zehenspitzen, ist geschmacklich in feinste Winkel ausgereizt, liefert unbekannte und spannende Aromen-Kombinationen. Es ist wahrlich ein Erlebnis!

Notwendige Folge: IMG_2464Reizüberflutung. So ein intensives Menü ist anstrengend! 9 Gänge hätten wir gar nicht geschafft.

Dabei sind die Portionen im besten Sinne übersichtlich, hier sind nacheinander

  • die Spitzmorcheln mit Wasserkastanien,
  • der Ostseeschnäpel (eine Lachsverwandter),
  • der Kalbsbries (ein Happen fehlt da schon) und
  • die Wachtel. Sie kommt als Hauptgang IMG_2465als einzige etwas mächtiger daher.IMG_2466IMG_2467

Der anschließende Ziegenkäse mit Erdbeeren hing etwas durch, fanden wir, der karamellisierte Spargel ++ hingegen war wieder zum Niederknien – wir waren nur schon so platt, dass das Foto vergessen wurde.

Weinbegleitung mögen wir recht gerne, darum haben wir diese Option gewählt. Hier gab es mehr Höhen und Tiefen. Wirklich herausragend waren nur der Harslevelu (?), so etwas haben wir noch nie getrunken, sehr spezielle Traube, und die abschließenden Süßweine.

Das Bier zum Schnäpel haben wir gegen ein weiteres Glas Harslevelu getauscht, ging gut.

Der Service war sehr bemüht und dauerpräsent – da klingt auch ein wenig Kritik mit: hier steuert nicht der Gast den Ablauf sondern klar das Personal.

Man sitzt noch nicht richtig und kriegt schon die Karte unter die Nase gehalten. Und noch beim Aufstippen der Soße (wir sind solche Banausen) wird wieder abgeräumt – da würde etwas mehr Ruhe, Muße und Umsicht, etwas mehr Slow-Food-Umgang dem durchweg jungen Personal nicht schlecht anstehen.

Aber Gejammere auf hohem Niveau, unser Fazit ist eindeutig positiv.

Beim Preis werden viele sicher die Augenbrauen hochziehen, knappe 500€ haben wir zu zweit verspiesen und versoffen. Doch für ein derart extraordinäres Erlebnis, die Teilnahme an einem Life-Kunstwerk, ein weltweit kaum noch überbietbares Geschmackshappening erscheint uns dies letztlich – sagen wir: akzeptabel.