Lincoln von Spielberg

130202 LincolnAufwendig inszenierter Geschichtsunterricht für Amerikaner. Für europäische Augen ein wenig flach mit einem zweifelhaften Fazit. Gesamtnote 3-.

Ein paar ausführlichere Stichworte:

Das Gesamturteil klingt ein wenig arrogant bis diskriminierend, aber so muss man es nicht lesen. In den USA ist die Kultur der tiefergehenden politischen Dokumentation für Film und Fernsehen nun mal weitaus schwächer ausgeprägt bzw. erreicht sehr viel weniger Zuschauer als in Europa.

Hier mit einem Kino-Film etwas bewegen zu wollen, ist lobenswert. Aber für mich heißt das dann auch: Wir Europäer sind nicht die Hauptzielgruppe.

Will man wirklich viele Amerikaner (und weniger wäre nicht Spielbergs Ding) zu politischen Themen erreichen, muss man für eine Dokumentation anscheindend eine andere Film-Sprache sprechen, als hier zu Lande.

Wenig cineastische Effekte, kaum Action, lange Diskussions-Szenen, das allein macht für mich jedenfalls noch keine interessante Dokumentation aus. Ich erwarte „Aufklärung“, mehr Geschichts-Aufarbeitung der Hintergründe und nicht nur ein Wühlen im Allzu-Menschlichen.

Um was wird denn diskutiert? Es wird doch eher beleidigt als wirklich politische These gegen Antithese gehalten. Überzeugungsarbeit verkommt zu Stimmenkauf und offener Korruption, Strategie wird zu Manipulation und Falschaussage. Es mag unter anderem so gewesen sein und ist es sicher immer irgendwie, aber ist das alles?

Liegen hinter den Positionen und ihren Räumungen keine weitergehenden politischen Interessen sondern immer nur einfache persönliche Vorteilsnahme und Opportunismus?

Selbst der erfrischend spielende Tommy Lee Jones, bzw. der von ihm verkörperte nicht minder erfrischende, lebendige Thaddeus Stevens, hat am Ende sehr private Gründe für seine so ingrimmig ertrotzte Haltung.

Die Schauspieler? Alle recht gut. Daniel Day-Lewis (Lincoln) hätte vielleicht ein wenig mehr die Motive und Überzeugungen, die ihn treiben, zeigen können. Und für das Ehepaar Lincoln (Mrs Lincoln: Sally Fields) wären etwas weniger Bilderbuch-Geschlechter-Rollen wünschenswert gewesen: Sie ganz mütterliche Emotion für ihre Kinder, er seine Gefühle leidend unterdrückender, visionärer Mann, der Aufgaben hat, die eine Frau nicht versteht. Das Abziehbild ist leicht konsumierbar, ob es authentisch ist, weiß man nicht.

Echte schauspielerische Lichtblicke: James Spader, David Strathaim und eben Tommy Lee Jones.

Es ist nichts dagegen zu sagen, sehr vielen Menschen ein wenig Geschichte nahezubringen. Je mehr Menschen man erreichen will, desto mehr Kompromisse bzgl. Komplexität und Differenziertheit muss man machen, keine Frage.

Doch was bleibt unterm Strich hängen? Von „Lincoln“ vermutlich dies:

  • Alle machen in der Politik nur, was ihnen persönlich nützt.
  • Ein visionärer Führer muss sich unseriöser Trcks bedienen, um diesen Widerstand aus Egoismen zu überwinden.
  • Auf diesem Weg wird er selten verstanden, auch von seiner nächsten Umgebung nicht

Ich mag diese Botschaft nicht besonders.

Soll man rein gehen? Wenn Sie nicht gerade ein Amerikanistik Seminar besuchen, dann rate ich ab. Allerdings wird er wohl recht gut angenommen, um mitreden zu können, muss man dann ggf. doch…

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