Eurokrise und Sarrazin Artikel

Am 17.Juli 12 veröffentlichte Die FAZ einen Artikel von Thilo Sarrazin: “Geburtsfehler Maastricht” zum Dauerbrennerthema Eurokrise. Mir gefiel die Sichtweise und Argumentation und ich leitete ihn an meinen Freund Jan Moolenaar weiter in der Annahme, er würde ggf. hier weitergehende Aspekte ergänzen, da er sich mit dem Thema “Eurokrise” schon länger und profunder auseinandersetzt.

Er antwortete in der Tat, seinen  Beitrag per Mail bringe ich hier ungekürzt. Jan Moolenaar schreibt mir am 22.7.2012:
Zitat Anfang

vielen Dank für die Info. In der Tat ist dieser Aufsatz Sarrazins eine sehr gute Antwort auf den schlimmen Artikel Ulrich Wilhelms ” Gebt Souveränität ab! ” (Zwischen 2005 und 2010 war der Journalist Sprecher der Bundesregierung, Chef des Bundespresseamtes und einer der engsten politischen Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel)
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-zukunft/ulrich-wilhelm-zur-zukunft-europas-gebt-souveraenitaet-ab-11812592.html
Sarrazins Aufsatz wird aber wohl kaum etwas ändern können, genausowenig wie die Äusserungen der anderen unabhängigen klugen Köpfe, von denen vielleicht 100 Artikel in den letzten 2 Jahren erschienen,  wirkungslos verpufften. Parteiübergreifend  erkennen Politiker nicht die grundsätzliche Problematik und die langfristigen Wirkungen Ihres Tuns (einzelne werden durch Fraktionszwang entmündigt) bzw. sind aufgrund der ununterbrochen notwendigen Notlösungen entnervt (jetzt soll ja ausgerechnet eine euröpäische Zentralgewalt das erreichen, was Angie nicht hinbekommt – Wie aber soll eine solche Zentralgewalt z. Bsp. den Mezzogiorno revolutionieren, was Norditalien nicht schaffte, aber sich dieser Aufgabe mit Vernügen entledigen würde). Kurioserweise unterliegen Politiker außerdem am liebsten den interesse-geprägten Einflüsterungen der Banker, obwohl diese gleichzeitig für Ihre eigenen Versäumnisse als Sündenböcke herhalten müssen. Getrieben von den Ereignissen fehlt der Politik die Ruhe und Souveränität, die es erlaubten noch irgendwelche Reserven zu mobilisieren, etwa erstens dem Problem mit allen Konsequenzen an die Wurzel zu gehen und/oder zweitens die Banken wirksam zu regulieren und in diesem Zuge außerdem die der Realwirtschaft dienenden Teile der Banken zu entflechten (wie es ausgerechnet allein die Briten anscheinend planen). Und der Souverän, “die Menschen”,  begreifen in der Mehrzahl nicht, was vor sich geht, sondern allerhöchstens, dass ihre Ersparnisse und Renten in Gefahr sein könnten. Wählbare Alternativen gibt es auch nicht. Manchmal zuckt noch das Bundesverfassungsgericht oder deren ehem. Richter mit formaldemokratischen Bedenken. Paul Kirchhoff habe ich allerdings schon immer geschätzt, wiewohl sein folgendes Statement – “Die EU steckt in der Krise, weil Recht missachtet wurde. Und wir spielen weiter mit dem Feuer: Eine Instabilität des Rechts wiegt schwerer als eine Instabilität der Finanzen. Wer das nicht begreift, dem hilft auch keine Zentralgewalt mehr.”- nicht ganz korrekt ist, denn wäre ein Ausstieg aus der Nichtbeistandsklausel rechtmäßig gewesen oder hätte es diese Klausel gar nicht gegeben, wäre die EU ebenso in die Krise geraten, gleiche Handlungen der Politik vorausgesetzt.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-zukunft/paul-kirchhof-zur-krise-der-eu-verfassungsnot-11817188.html

Allein der Sog in die falsche Richtung ist zu stark. Ich komme immer leicht in Rage bei dem Thema, höre aber jetzt besser auf.

Viele Grüße, Jan

Zitat-Ende
So sehr nach Rage klingt das doch gar nicht, eher überlegt. Mir gefiels.

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