Cloud Atlas muss man sehen! Muss man?

Der Film Cloud Atlas ist wie Becks Bier, in Deutschland gebraut und doch eher international zu Hause. Drehort Babelsberg, Regie und Buch Tykwer + Wachowski Geschwister, Schauspieler Wuttke (allerdings mit einer so kleinen Rolle, dass er nicht mal im grossen Abspann erwähnt wird), also irgendwie deutscher Film, auch wenn die großen Rollen mit anderen, internationalen Stars besetzt sind.

Und darum sollte man ihn sehen: um sich ein Bild zu machen, was hier grad ganz vorne ist. Das ist ja schon was. Technisch absolut auf aktueller Ballhöhe, nicht nur Effekte, sondern auch so altmodische Kunstfertigkeiten wie Ton, Kamera, Schnitt. Die Schauspieler gut geführt, die Story verwickelt, aber nicht zu schwer erzählt, die Bilder beeindruckend, keine Durchhänger.

Und Höhepunkte? Echte Überraschungen? Da wirds schon dünner. Schauspielerische Glanzlichter? Dazu gabs kaum Gelegenheit, so hektisch wurden Maske und Kostüm gewechselt. Große Gefühle, Gedanken, Visionen? Wahrheit, Liebe, Idealismus sind das, was die Menschheit groß macht, nachdem Gier und Unvernunft fast alles zerstört haben, immer wieder neu. Da hat man schon anspruchsvollere Generalbässe gehört.

Ein Film ohne Herz und Tiefe, zu eifrig erzählt und verschachtelt, als dass irgendeine Szene Eigenleben entwickeln könnte oder wirklich fesselt. Nicht wirklich spannend, nicht wirklich rührend, bedrohlich oder erhebend, keine Lacher, kein Taschentuch, keine Augen zu halten. Ein bißchen SF, ein wenig Historienfilm, etwas Abenteuer, etwas Enthüllungs-Thriller, eine Prise Phantasy, Liebe kommt vor und auch braver Sex – aber wie rasant man es auch zusammenschneidet, ein großer Film entsteht so nicht. Angeblich heißt das Genre “Slipstream“, aber in Cloud Atlas ist dieser Stil zum Demo-Projekt verkommen.

Hollywood liefert Vermarktungsprodukte mit klaren Leistungen und Zielgruppen. Cloud Atlas hat keine Zielgruppe und versteht sich darum vielleicht als Kunstwerk. Doch selbst wenn es nur modernes Popcorn Kino ist und sein will: auch das hat Zielgruppen. In Cloud Atlas ist niemand zu Hause. 

Ich konnte jedenfalls keine Kunst und nur recht “übersichtliche” Unterhaltung erkennen und war recht enttäuscht. Ein wenig Erinnerung kam auf an Magnolia, an Total Recall, Soylent Green (wird sogar zitiert), Matrix natürlich, aber alle sind diesem hier weit voraus. Schade.

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