The Big Easy

Unvernünftige Griechen! Sie wissen es eigentlich selbst, wissen, dass es so nicht geht, nicht gehen kann, dass harte Einschnitte unumgänglich sind und sie auf vieles Liebgewonnene und bisher Selbstverständliche eigentlich längst hätten verzichten sollen und bald werden verzichten müssen.

Wie ist so viel Starrsinn und Uneinsichtigkeit nur möglich? Kennt man Vergleichbares von anderer Stelle?

Man kennt, bei uns zu Hause zum Beispiel in Sachen Ökologie. Nur gibt es hier keine EU, keinen IWF und keine Merkozy, die uns zu Veränderungen zwingen können. Hier müssen wir selbst einsichtig werden. Und wir werden es nicht – mit stoischer Ignoranz. Auch wir wissen doch ganz genau, dass es weniger werden muss mit dem CO2. Fahren wir weniger Auto, heizen weniger?

The Big Easy ist überall, wir sollten nicht so selbstgerecht sein.

Nachrichten aus Hollywood?

Noch ist der 11.9.11 nicht rum, in USA ohnehin später, aber ich wage die Prognose, dass all die großen Bedrohungen für diesen Tag um Mitternacht aus der Möglichkeit in die Nichtexistenz gleiten.
Zunehmend werden wir in die existentiellen und apokalyptischen Hypes der Amerikaner reingezogen, auch die Tagesschau wird schon zu großen Teilen in Hollywood produziert.

Mein Eindruck: Wenn der Amerikaner nicht mindestens 2 mal im Jahr am Rand der ganz großen Auslöschung, der ultimativen Bedrohung steht, dann “fühlt er sich nicht”. Einfaches Leben genügt nicht mehr, eine wirkliche Führungsnation führt auch bei den Bedrohungen.

Natürlich sind alle diese Katastrophen für sich schrecklich, die natürlichen, die terroristischen, auch die kriegerischen. Doch von solchen Events ist die Welt voll (okay, 9/11 war besonders). In Ostaufrika geht es jedenfalls grad um sehr viel mehr Menschenleben als in allen USA-Katastrophen der letzten 10 Jahre zusammen…

Weil praktisch alle Katastrophenfilme aus den USA kommen, ist nun auch die mediale Abdeckung realer Katastrophen, das echte “Produkt” anscheinend fest in der Hand der großen Entertainer. Wie lange wollen sich unsere Nachrichtenredakteure noch von diesen mit allen News-Marketing-Mitteln perfekt gehypten Stories betören lassen? Oder sind wir selbst schon längst treue Konsumenten der Droge “schreckliche Nachricht” und kaufen halt einfach am liebsten beim Premium-Lieferanten?

All diese Ereignisse kann man natürlich nicht “quantitativ vergleichen”. Und natürlich sind Ängste und Trauer legitim, überall, für jedes Leid und jeden Tod. Aber es geht auch leiser. Es muss nicht immer gleich zur Show ausarten. Und wir sollten nicht mitmachen und uns wohlig-real angruseln lassen. Mir jedenfalls reichts mit amerikanischen bad news von früh bis spät.

Aber im Kalender hab ich mir schon mal notiert: August 2015 großer Katrina-Gedenktag.

Bigger than life!

Neulich in Hollywood am Nachbartisch: “Was war 9-11 doch für ein toller Event! Diese weltweite Mediacoverage, Tage, Wochen, Monate! Herrliche Bilder! Katrina war auch nicht schlecht, aus dem Stadion-Ding hätte man aber noch mehr machen können. Mist das mit Fukushima, wie konnten uns das die Japse wegschnappen? Der St. Andreas-Graben wird uns doch nicht im Stich lassen. Bis dahin müssen wir noch ein bißchen Hurricane Budenzauber etc. machen. Mit diesem Rehstreichler-Präsident kann man sich ja ein ordentliches Shootout (Afrika wär mal cool!) komplett abschminken, da war Bush ein anderes Kaliber…”

Todesattentäter in Norwegen

Zwei Dinge werden mir in diesem Kontext deutlich:
1. das vermeintliche Info-Bedürfnis der Öffentlichkeit noch Tage nach der Tat ist doch nur virtueller Katastrophentourisms. Zu Tage wird nichts mehr gefördert als grenzenlose Gestörtheit, wenn dieser Kotzbrocken zu Wort kommt. Er darf keinen Raum für noch mehr Debilität erhalten!
2. Gesetze weisen in die Zukunft. Unvorhersehbares können sie nicht antizipieren, auch im Strafmaß nicht. Dieser Irre konnte sich darum gut auf das kleine Karo der demokratisch-korrekten Strafen einstellen, konnte seine Anhörung und was noch alles so kommt, mit in die Tat einplanen. In gewisser Weise machen sich Strafverfolgung und Justiz der Beihilfe schuldig, wenn sie ihm medialen Raum zubilligen – die Propaganda ist schließlich Teil der Tat. Was tun also? Beruhigend eigentlich, dass in einem Rechtsstaat die Würde des Menschen nicht angetastet wird – und bedauerlich in diesem Fall.

Warum der Euro unbedingt gerettet wird

Es werden aktuell sehr viele Erklärungen gehandelt, warum die Regierenden etwas offensichtlich Unsinniges tun und um jeden Preis, so scheint es, die Griechen (und Portugiesen und Iren und Spanier und Italiener) finanziell unterstützen. u.a.:
– Sie glauben, dass sonst der Euro stirbt und auch die eigene Volkswirtschaft Schaden nimmt
– Sie verstecken dahinter eine weitergehende Strategie, nämlich die der großen europäischen Wirtschaftsregierung
– Sie sind ratlos und wollen nicht die falsche, irreversible Entscheidung treffen, sie wollen es aussitzen und hoffen, dass es irgendwie schon wieder besser wird.

Noch nicht gehört habe ich diese Erklärung, sie erscheint mir aber sehr plausibel: Sie verstehen sich als Demokraten und sind in diesem Sinne von höchster Stelle legitimiert, eine höhere Instanz gibt es in ihrem Land nicht. Alle so legitimierten europäischen Regierungen zusammen entscheiden, was in Europa abgeht – und niemand sonst. De facto aber sind sie den Rating Agenturen ausgeliefert, die bestimmen, welche Maßnahmen greifen und welche nicht. Und das dürfen sie nicht zulassen. Das würde sie selbst delegitimieren und die Macht des Wählers unterwandern. Sie sehen sich als Demokratieschützer. Der Euro wird um jeden Preis gerettet, damit die europäischen Länder nicht de facto und a la long von S&P und den zwei anderen Agenturen regiert werden.