7 Gedanken zum Thema “Wulff”

  1. Es war eine lange Saure-Gurken-Zeit, sonst wär die völlig rundgelutschte Story früher wieder weg gewesen
  2. Er hat gelegentlich intellektuelle Aussetzer.
  3. Sie ist nicht klug genug, das zu verhindern. Oder er hört nicht auf sie, d.h. sie erreicht ihn nicht. Was uns wieder zum Ausgangspunkt bringt.
  4. Sein Temperament und sein Narzismus können ihn immer wieder in solche Situationen bringen.
  5. Alles an dem “Skandal” ist bieder, stoffelig und primär peinlich. Diese Aufregung für so ein Haus?
  6. Die BW Bank, Porsche, Piëch oder wer sonst stecken nicht verschwörungsmäßig dahinter.
  7. Journalisten brauchen manchmal einen, der sagt, wenns vorbei ist.

Und vorbei ist es offensichtlich, denn dieses wortklauberische Hick-Hack nach dem ARD-ZDF Interview ist ja nur noch lächerlich. Neue Fakten kommen da nicht mehr hoch. Es sei denn, er macht wieder was Halbgares…

Positionierungs-Vorschlag für die FDP

Wenn wir uns mal von den aktuellen Themen etwas befreien gedanklich und uns fragen: was sind die wirklich großen Entwicklungen? dann ist eine Antwort ziemlich klar: unser Populationswachstum. Es steckt hinter fast allen anderen nachhaltigen “Trends”. Viele spüren als eine Folge davon die sinkende “Macht” des Einzelnen gegenüber Organisationen oder positiv gesagt: die wachsende Stärke von Staat, Ämtern, Schulen, Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen. Es scheint, als wenn alles, was eine einflussreiche oder kaufkräftige Gruppe ist, zunehmend durchgesteuert oder durchmanipuliert wird mit immer weniger Raum und Rechten für das Individuum.

Hier wäre ein sicherer Positionierungs-Hafen für die FDP, er darf nur nicht durch Nebenscheinwerfer aus dem Fokus geraten. Genuine Themen wären dann engagierter Datenschutz, niedrige Steuern und wenn, dann eher dezentral, Förderung des Bildungswesen, engagierter Verbraucherschutz, Engagement für Minderheiten, Förderung von Kleinunternehmen, eher gegen Europa, eher gegen eine starke Bundeswehr.

Nicht nur die formelle Freiheit des Einzelnen wäre Ziel sondern auch die faktische Möglichkeit, diese auszuüben. Also auch mehr Verantwortung. Konkret z.B. weniger kollektive Sozialversicherung, mehr Raum (hier also weniger Abzüge) für eigene Gestaltung.

Eine Art schweizer Ansatz. Ich würde dann wohl nicht mehr FDP wählen (na ja, eh bald erledigt), aber das hätte Gesicht.

Das Hauptdilemma aktuell scheint mir die programmatische Beliebigkeit der Partei zu sein, keine Zwangsläufigkeiten. Zumindest bei Grünen und SPD weiß man ja meist vorher schon ungefähr, wie die zu Thema xyz stehen. Bei den Blaugelben flattert die Fahne, so sieht das aus.

CDU/CSU-Koalition

Was für eine merkwürdige Verbindung. Sie konkurrieren nirgends um die gleiche öffentliche Position und doch herrscht munterster Wettbewerb. Die CSU ist fast nur ein Landesverband einer nationalen Partei und will doch das zu allerletzt sein.
Und das schlimmste: dieses Konstrukt höhlt Prinzipien unseres Staates aus.
Denn der CSU Vorsitzende ist oft auch bayerischer Ministerpräsident und bringt damit regelmäßig bayerische Interessen sowohl in die Koalitionsverhandlungen bei der Regierungsbildung wie im Gesetzgebungsverfahren über den Bundesrat ein. Diese Macht hat kein anderer CxU-Landesverband.
Mein laienhaftes juristisches Gefühl sagt mir, dass das nicht verfassungskonform ist. Warum keiner klagt verstehe ich allerdings nicht.
Beispiel Atomendlager: der MP von Sachsen kann sich nur im Bundesrat und über sächsische Parlamentarier dazu einbringen. Seehofer kann bereits in den Koalitionsverträgen festmachen, dass es in Bayern kein Endlager geben wird. Funktioniert ja auch.

The Big Easy

Unvernünftige Griechen! Sie wissen es eigentlich selbst, wissen, dass es so nicht geht, nicht gehen kann, dass harte Einschnitte unumgänglich sind und sie auf vieles Liebgewonnene und bisher Selbstverständliche eigentlich längst hätten verzichten sollen und bald werden verzichten müssen.

Wie ist so viel Starrsinn und Uneinsichtigkeit nur möglich? Kennt man Vergleichbares von anderer Stelle?

Man kennt, bei uns zu Hause zum Beispiel in Sachen Ökologie. Nur gibt es hier keine EU, keinen IWF und keine Merkozy, die uns zu Veränderungen zwingen können. Hier müssen wir selbst einsichtig werden. Und wir werden es nicht – mit stoischer Ignoranz. Auch wir wissen doch ganz genau, dass es weniger werden muss mit dem CO2. Fahren wir weniger Auto, heizen weniger?

The Big Easy ist überall, wir sollten nicht so selbstgerecht sein.

Nachrichten aus Hollywood?

Noch ist der 11.9.11 nicht rum, in USA ohnehin später, aber ich wage die Prognose, dass all die großen Bedrohungen für diesen Tag um Mitternacht aus der Möglichkeit in die Nichtexistenz gleiten.
Zunehmend werden wir in die existentiellen und apokalyptischen Hypes der Amerikaner reingezogen, auch die Tagesschau wird schon zu großen Teilen in Hollywood produziert.

Mein Eindruck: Wenn der Amerikaner nicht mindestens 2 mal im Jahr am Rand der ganz großen Auslöschung, der ultimativen Bedrohung steht, dann “fühlt er sich nicht”. Einfaches Leben genügt nicht mehr, eine wirkliche Führungsnation führt auch bei den Bedrohungen.

Natürlich sind alle diese Katastrophen für sich schrecklich, die natürlichen, die terroristischen, auch die kriegerischen. Doch von solchen Events ist die Welt voll (okay, 9/11 war besonders). In Ostaufrika geht es jedenfalls grad um sehr viel mehr Menschenleben als in allen USA-Katastrophen der letzten 10 Jahre zusammen…

Weil praktisch alle Katastrophenfilme aus den USA kommen, ist nun auch die mediale Abdeckung realer Katastrophen, das echte “Produkt” anscheinend fest in der Hand der großen Entertainer. Wie lange wollen sich unsere Nachrichtenredakteure noch von diesen mit allen News-Marketing-Mitteln perfekt gehypten Stories betören lassen? Oder sind wir selbst schon längst treue Konsumenten der Droge “schreckliche Nachricht” und kaufen halt einfach am liebsten beim Premium-Lieferanten?

All diese Ereignisse kann man natürlich nicht “quantitativ vergleichen”. Und natürlich sind Ängste und Trauer legitim, überall, für jedes Leid und jeden Tod. Aber es geht auch leiser. Es muss nicht immer gleich zur Show ausarten. Und wir sollten nicht mitmachen und uns wohlig-real angruseln lassen. Mir jedenfalls reichts mit amerikanischen bad news von früh bis spät.

Aber im Kalender hab ich mir schon mal notiert: August 2015 großer Katrina-Gedenktag.

Bigger than life!

Neulich in Hollywood am Nachbartisch: “Was war 9-11 doch für ein toller Event! Diese weltweite Mediacoverage, Tage, Wochen, Monate! Herrliche Bilder! Katrina war auch nicht schlecht, aus dem Stadion-Ding hätte man aber noch mehr machen können. Mist das mit Fukushima, wie konnten uns das die Japse wegschnappen? Der St. Andreas-Graben wird uns doch nicht im Stich lassen. Bis dahin müssen wir noch ein bißchen Hurricane Budenzauber etc. machen. Mit diesem Rehstreichler-Präsident kann man sich ja ein ordentliches Shootout (Afrika wär mal cool!) komplett abschminken, da war Bush ein anderes Kaliber…”

Todesattentäter in Norwegen

Zwei Dinge werden mir in diesem Kontext deutlich:
1. das vermeintliche Info-Bedürfnis der Öffentlichkeit noch Tage nach der Tat ist doch nur virtueller Katastrophentourisms. Zu Tage wird nichts mehr gefördert als grenzenlose Gestörtheit, wenn dieser Kotzbrocken zu Wort kommt. Er darf keinen Raum für noch mehr Debilität erhalten!
2. Gesetze weisen in die Zukunft. Unvorhersehbares können sie nicht antizipieren, auch im Strafmaß nicht. Dieser Irre konnte sich darum gut auf das kleine Karo der demokratisch-korrekten Strafen einstellen, konnte seine Anhörung und was noch alles so kommt, mit in die Tat einplanen. In gewisser Weise machen sich Strafverfolgung und Justiz der Beihilfe schuldig, wenn sie ihm medialen Raum zubilligen – die Propaganda ist schließlich Teil der Tat. Was tun also? Beruhigend eigentlich, dass in einem Rechtsstaat die Würde des Menschen nicht angetastet wird – und bedauerlich in diesem Fall.

Warum der Euro unbedingt gerettet wird

Es werden aktuell sehr viele Erklärungen gehandelt, warum die Regierenden etwas offensichtlich Unsinniges tun und um jeden Preis, so scheint es, die Griechen (und Portugiesen und Iren und Spanier und Italiener) finanziell unterstützen. u.a.:
– Sie glauben, dass sonst der Euro stirbt und auch die eigene Volkswirtschaft Schaden nimmt
– Sie verstecken dahinter eine weitergehende Strategie, nämlich die der großen europäischen Wirtschaftsregierung
– Sie sind ratlos und wollen nicht die falsche, irreversible Entscheidung treffen, sie wollen es aussitzen und hoffen, dass es irgendwie schon wieder besser wird.

Noch nicht gehört habe ich diese Erklärung, sie erscheint mir aber sehr plausibel: Sie verstehen sich als Demokraten und sind in diesem Sinne von höchster Stelle legitimiert, eine höhere Instanz gibt es in ihrem Land nicht. Alle so legitimierten europäischen Regierungen zusammen entscheiden, was in Europa abgeht – und niemand sonst. De facto aber sind sie den Rating Agenturen ausgeliefert, die bestimmen, welche Maßnahmen greifen und welche nicht. Und das dürfen sie nicht zulassen. Das würde sie selbst delegitimieren und die Macht des Wählers unterwandern. Sie sehen sich als Demokratieschützer. Der Euro wird um jeden Preis gerettet, damit die europäischen Länder nicht de facto und a la long von S&P und den zwei anderen Agenturen regiert werden.