Ist Obama wirklich ein Segen für Europa?

95% der Deutschen wollten Obama und sind nun glücklich. Zu recht?

Barack Obama ist uns verständlicher, verfolgt vertrautere Ideale, wirkt frischer, scheint Welt-strategisch besser aufgestellt als Mitt Romney und seine Republikaner. (Gerade die Tea Party mit der naiv-oberflächlichen Frau Palin war uns allen ja ein Graus).

Doch was können wir wirklich von Obama in den nächsten 4 Jahren erwarten? Es gibt 3 große Einflußbereiche für den US-Präsidenten, die für die Europäer wichtig sind:

  1. Umweltpolitik
  2. Sicherheitspolitik
  3. Weltwirtschaft

Von diesen wird Nummer 3 die anderen beiden Themen so überschatten, dass von den schönen Idealen vermutlich wenig überbleiben wird. Denn die USA haben „spanische“ Einschnitte nötig, so desolat ist ihre Haushalts- und Wirtschaftslage.

D.h. für industrieunfreundliche CO2-Beschlüsse o.ä. wird wenig Raum bleiben. Hier sind keine entscheidenden Durchbrüche demnächst zu erwarten.

Und den Weltpolizisten wird man verstärkt auf dem Rücken von Drohnen spielen wollen. In Sachen lokale, kostenintensive Präsenz werden die USA auf mehr Eigenverantwortlichkeit der großen regionalen Kräfte setzen, d.h. mehr europäische und deutsche Soldaten in Mali, Libanon oder Syrien.

Die Wirtschaftspolitik wird die nächsten 4 Jahre die dominante Musik spielen, und hier ist Obama eher Zentralist mit leicht linken Ansätzen. Er wird absehbar weniger die Märkte, das freie Unternehmertum, die Konzerne stützen sondern mehr auf die Nachfrage-Seite setzen – mehr jedenfalls als Romney. Er wird eher als Romney den amerikanischen Markt vor externem Wettbewerb schützen, z.B. durch ausufernde Prozesse gegen ausländische Konzerne. Vielleicht wird er protektionistisch sogar weitergehen. Er ist gelernter Anwalt, kein Betriebs- oder Volkswirt.

Die Prozessführung liegt eigentlich natürlich in der Hand der Gerichte, aber man kann mehr oder weniger Mittel für die Erkenntnis solcher „Vergehen“ bereitstellen. Obama wird hier mehr ausgeben, ebenso ganz generell im Bereich Business Intelligence, Industrie-Spionage. Denn er glaubt an solche „smart solutions“, verdeckte, pfiffige Methoden, die das Ziel unsichtbar aber effizient erreichen.

Generell stimme ich also Kevin Roberts von Saatchi&Saatchi heute in der WAMS zu:
4 Jahre Schmerz für die Europäer.

Doch es gibt auch Licht im Tunnel. Die Wirtschaftswoche (noch kein Link verfügbar) hat in der aktuelle Ausgabe #46 untersucht, welche großen deutschen Unternehmen von Obama profitieren werden und welche eher Nachteile gewärtigen müssen. Ergebnis: Deutscher Bank und Deutscher Telekom wird rauherer Wind entgegenblasen, Airbus, Automobil, Solarbranche, Siemens und Fresenius können sich zurücklehnen. Die Botschaft vernehm ich wohl, allein…

Aus meiner Sicht wichtiger: Es gibt keine dritte Legislaturperiode, 2016 ist Schluß für Obama! D.h. er kann brutaler sein, mehr Versprechen brechen, mehr Prinzipien verraten. Und die Republikaner werden die Lust an dem aufreibenden Fundamental-Kampf gegen ihn jetzt sehr schnell verlieren. Das bringt nichts mehr. Sie werden lieber das Feld vorbereiten, auf dem ihr nächster Präsident ab 2017 dann wird ernten können.

Wenn also unser Geist oder auch das Herz am Wahlabend erleichtert waren – unser Portemonnaie hat sich absehbar verkrampft…

Deutschland eine Social Media Wüste?

Nach einer neuen BITKOM Studie sind immer noch über die Hälfte der deutschen Unternehmen nicht aktiv im Bereich Social Media. Dabei gibt es nur geringe Unterschiede zwischen kleinen und großen  Unternehmen (die klein-groß-Grenze verläuft an der 500-Mitarbeiter-Linie).

Die 3 wichtigsten Ablehnungsgründe sind nach dieser Studie:

  1. Zielgruppe wird nicht via SM erreicht: 61%
  2. Rechtliche Unsicherheit (Datenschutz, Arbeitsrecht, Urheberrecht): 50%
  3. Passt nicht zur Unternehmenskultur: 45%

Kein prominentes Argument sind hingegen die Kosten: nur 14% nannten dies als Grund, sich gegen Social Media zu entscheiden.

Ist Deutschland also eine Social Media Wüste?

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Verrat an der Demokratie

Thilo Bode hat einen guten Kommentar in der FAZ veröffentlicht. Titel: Eurorettung – Wir sollten die Wahl haben dürfen.

Wie wahr. Darauf haben wir hier schon vor einiger Zeit hingewiesen.

An einem Punkt hätte ich mir von Herrn Bode aber mehr Schärfe und Klarheit gewünscht. Es stimmt schon: der Widerstand gegen die diversen Maßnahmen zur Eurorettung findet keinen institutionalisierten Rahmen, keine Plattform, denn alle geeigneten Kandidaten haben ihre Individual-Interessen: Die Regierung, die Opposition, die Banken, die Wirtschaft. Opportunismus wohin man schaut.

Doch manchen dieser Parteien wird man das nachsehen müssen. Zu allererst der Regierung und der sie tragenden Parteien. Aber auch Banken und generell die Wirtschaft müssen halt ihr Schäfchen ins Trockene bringen. Einen gesellschaftlichen Auftrag haben sie nicht.

Einzig die Opposition und hier allen voran die SPD. Sie müßte und muss den anderen Entwurf zeigen. Sie müßte Alternativen entwicklen, nicht Varianten oder Sozialverlängerungen á la Habermas-Papier. Sie müßte die Regierung mit bohrenden Fragen quälen zu aufgegebenen Prinzipien, unverantwortlichen Schuldenlasten, mangelnder Perspektive, erodiertem Einfluss.

Sie tut es nicht – aus Opportunismus. Man muss es darum klar sagen: die SPD begeht Verrat an Deutschland und an der Demokratie!

Wissenschaftlich interessant ist dabei, dass auch in einer recht gefestigt wirkenden Demokratie wie unserer diese Aushöhlung der elementarsten demokratischen Prinzipien stattfinden kann – zu einem Thema, dass essentieller und staatstragender kaum sein könnte.

Durch die SPD lernen wir, dass Demokratie, wenn es ernst wird, nicht funktioniert.

Verrat in der Schuldenkrise

Ist das eigentlich normal für eine Demokratie, dass nahezu allen großen Parteien zu einem Thema, konkret: in der aktuellen europäischen Schuldenkrise, grosso modo die gleiche Meinung („Durchhalten“, „Retten“, „Finanzieren“ etc.) haben und dieses Thema andererseits in der Öffentlichkeit sehr kontrovers mit tendenziell gegenläufiger Ausrichtung diskutiert wird? Das kennt man doch sonst nur aus Diktaturen.

Oder umgekehrt gefragt:
Ist es nicht eigentlich Verrat am Wähler, dass keine ernsthaft wählbare Partei seine Sorgen aufnimmt und abbildet? Wenn diesen August Bundestagswahl wäre, wählt dann die Mehrheit Piraten oder die Linke um den aktuellen Kurs zu beenden? Toll.

Und wer hat uns verraten? Na, die Antwort kennt man ja schon.

Eurokrise und Sarrazin Artikel

Am 17.Juli 12 veröffentlichte Die FAZ einen Artikel von Thilo Sarrazin: „Geburtsfehler Maastricht“ zum Dauerbrennerthema Eurokrise. Mir gefiel die Sichtweise und Argumentation und ich leitete ihn an meinen Freund Jan Moolenaar weiter in der Annahme, er würde ggf. hier weitergehende Aspekte ergänzen, da er sich mit dem Thema „Eurokrise“ schon länger und profunder auseinandersetzt.

Er antwortete in der Tat, seinen  Beitrag per Mail bringe ich hier ungekürzt. Jan Moolenaar schreibt mir am 22.7.2012:
Zitat Anfang

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Beschneidung der Freiheit?

„Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.“ (Mose 1/17, Luther 1912).

Das ist viele tausend Jahre her und seit dem praktizieren die Juden es so (Muslime und andere religöse Gruppen haben sich dem Ritus angeschlossen). Nun stellten Kölner Richter fest, dass es sich dabei um Körperverletzung handele und die Beschneidung von Neugeborenen also strafbar ist.

Die entstandene Diskussion ist kontrovers und geht quer durch die Parteienlandschaft. Der Bundestag hat eine baldige rechtliche Regelung mit dem Ziel einer Legalisierung angekündigt, aber es mehren sich Zweifel. Nun haben zudem noch einige Mediziner erkannt, dass der 6-8 Tage alte Knabe durch die Beschneidung erhebliche Schäden nehmen kann. D.h., dass das Urteil also nicht einfach das Durchsetzen eines etablierten Prinzips des säkularen Rechtsstaates in bisher ausgenommenen religösen „Sonderräumen“ ist, sondern dass es sachlich-medizinisch auch geboten ist. Zur Sicherheit fügte man noch hinzu, dass man Wahrheiten auch in einem durch den Holocaust vorbelasteten Land nicht unterdrücken dürfe.

Diese gleich mitgelieferte Immunisierung erschien wohl erforderlich, denn in der Tat hatten jüdische Organisiationen schon von einem zweiten Holocaust (eben durch das Urteil) gesprochen.

Mir fallen dazu 4 Punkte ein

  1. Grundsätzlich müssen alle religiösen und weltanschaulichen Bräuche, Riten etc., egal wie lange sie schon bestehen oder wie sie innerhalb der jeweiligen Gruppe legitimiert sind, mit unseren Gesetzen übereinstimmen. Im Konflikt hat stets das Gesetz den Vorrang. Einen anderen Staat als einen säkularen wünsche ich mir keinesfalls!
  2. Welches objektive Leid wird aber hier wirklich gemildert? Lassen wir die Kirche und die Synagoge im Dorf! Wer will ernsthaft messen können, welches Trauma die Beschneidung auslöst angesichts der übrigen massiven körperlichen Traumata der ersten Lebenstage; zuallererst die Geburt, die Kälte draußen, das Abtrennen der Nabelschnur, der Klaps auf den Po (damit das Kind schreit), Erstimpfungen etc.
    Die Juden haben sich in den letzten Jahrtausenden indessen nicht erkennbar ausgezeichnet durch überproportionale Anteile von Verhaltensmustern, die diese besondere, zusätzliche frühkindliche Schädigung, wenn sie denn stattfand, hätte auslösen müssen.
    Dieser längste Life-Versuch der Welt (mit Muslimen und Christen als Kontrollgruppen) hat schon lange die Null-Hypothese bestätigt: Kein Unterschied erkennbar, kein nachhaltger Zusatz-Schaden. Die 100 Ärzte – das wirkt doch sehr rassistisch motiviert, pre-empting hin oder her.
  3. Bei den Juden handelt es sich nicht um irgendeine Religion und bei der Beschneidung nicht um irgendeinen Brauch. Diese monotheistische Religion ist fundamental für das Christentum und den Islam, und die Beschneidung fundamental für das Judentum. Abrahams Beschneidung ist, wenn man so will, die erste jüdische Handlung überhaupt. Juristisch ist so eine Ausnahme problematisch wegen der Gleichbehandlung („Dann gilt das auch für Scientology-Bräuche!“). Aber ich hätte mir gewünscht, die Richter aus Köln hätten ihre prinzipienfeste Erkenntnis den Kollegen aus Lüttich oder Straßburg überlassen. Muss das unbedingt in Deutschland exemplifiziert werden? Es wäre jedenfalls schön, wenn die deutsche Legislative das Thema ohne, dass man gleich nach Karlsruhe muss, lösen könnte – für diesen Sonderfall ohne Verallgemeinerungs-Option.
  4. Das Zeigen von Leichen in der Presse wird vermieden, denn es verletzt die Würde des Menschen (auch nach dem Tod!), die vom Grundgesetz ganz besonders und ohne Ansehen von Nationalität oder Religion geschützt ist. Hat dann nicht auch Jesus Christus Anspruch auf diesen Schutz? Seine Leiche wird zum Teil in den erniedrigsten Posen, zum Teil mit ausgeprägten Folterverletzungen (schon das Kreuz selbst ist ja Folter) an mindestens so vielen Stellen öffentlich gezeigt, wie Juden im Jahr beschnitten werden. Die Menschenwürde von Jesus Christus wird in jeder christlichen Kirche und bei jeder christlichen Andacht verletzt. Christliche Kirchen sind also verfassungswidrig. (Mit der Brille der sturen Rechtsstaat-Prinzipienreiterei auf der Nase sieht es jedenfalls so aus.)
    Sind die Argumente gegen diesen Einwand nicht letztlich genauso kulturgeschichtlich begründet wie die der Juden gegen das Beschneidungsurteil?

Ich bin gespannt, wie die Diskussion weitergeht und ob manche Verfechter der strengen Trennung Staat-Kirche, der man diese Entschiedung nun mal schulde, nicht bei längerer Debatte doch erkennen lassen, dass diese Trennung im Falle des Christentums weniger strikt, im Falle von Judentum und Islam aber sehr grundsätzlich gesehen wird.

Nach langjähriger Schlamperei bis Einseitigkeit bei den Sicherheitsdiensten könnte hier der nächste staatliche Sündenfall am rechten Rand deutlich werden. Zu befürchten wäre dann eine sehr viel dramatischere Beschneidung – die der Freiheit.

Ausland fühlt sich komisch an

Nun bin ich zum x-ten Male in Frankreich und dieses Land ist mir auf viele Weisen gut vertraut. Zudem ist es uns Deutschen nah, rein räumlich wie auch kulturell, wirtschaftlich, historisch. USA, England oder die Türkei sind uns ferner, fremder.
Und doch: wie wundere ich mich ein ums andere Mal über die Sonderbarkeiten hier – und wähne mich auch durchaus arrogant darüber stehend. Der Hurra-Patriotismus des Fernsehens, der Chauvinismus in Sachen eigene Lebensart und auch Sprache, die Rücksichtslosigkeit auf der Straße und Vieles mehr – Manches würde ich hier gerne ändern.

Meine Sorge: Das geht sehr Vielen so, Ausland fühlt sich für jeden komisch bis fremd an. Aber wenn es so ist – welche Chancen haben wir dann, Europa noch enger werden zu lassen?

Mir scheint, viele dieser „Merkwürdigkeiten“ im Ausland sind eher Soft-Facts, Ussancen, Stilfragen, mitunter sogar Missverständnis-basiert. Kommt es zu normalen „Geschäftsprozessen der Gesellschaft“ (Einkauf, Arztbesuch, Studium, Immobilienkauf, Erbschaft etc.), dann ist das weitgehend vertraut und nur nuanciell verschieden.

Trotzdem „reibe ich mich“ an Mancherlei. Sind es nicht gerade die Stilfragen, die darüber entscheiden, ob und wieweit man sich vertraut? Kann also noch mehr Integration in Europa gut gehen, die doch auf noch mehr Vetrauen fußen muss?

Eine sehr einfache Frage hilft, dass alles zu relativieren: Könnte ich in diesem Land alt werden? Dauerhaft hinziehen, dorthin, wo es warm ist und als Rentner Tomaten züchten?

Antwort: Nach Stuttgart oder München würde ich nicht wollen, nach Aix-en-Provence oder Montpellier schon. Diese Erkenntnis hat mich selbst verblüfft. So schlimm kann es mit der fremden Kultur wohl doch nicht sein.

Vielleicht ist diese Frage ein ganz guter individueller Lackmus-Test auf gefühlte Fremdheit eines Landes. Ob wir so auch das Maß unserer bevorstehenden Integrationslast abschätzen können, steht auf einem anderen Blatt.

Wieviel Social Media geht am Arbeitsplatz?

Justitia mit Social Icons

Ich bin kein Jurist, darum habe ich sehr gerne eine Einladung der Societät AC-Tischendorf („ACT“) zu einem „Knowledge Breakfast“ mit dem Titel „‚Social Media am Arbeitsplatz‘ – Die Umsetzung“ angenommen.
Das Frühstück fand in der schönen Villa der Societät im Frankfurter Westend statt, alles fein. Den ca. 10 „Externen“ standen die 2 Referenten von ACT, die Fachjuristen Dr. Block und Dr. Wäßle gegenüber.
Die beiden führten durch das Handout Social Media am Arbeitsplatz, das hier mit der Genehmigung von ACT anhängt.
Es ist lesenswert für den, der dieses Thema in seinem Unternehmen regeln muss, eher also für den Chef, als für den Mitarbeiter.

Es versteht sich von selbst, dass so eine Präsentation keine Beratung durch den Fachjuristen ersetzt. Aber sie gibt wertvolle Hinweise und Tips und weist auf Problemzonen hin, die die meisten Laien wie auch mancher fachfremde Jurist vermutlich übersehen hätten.
Deutlich wurde mir bei dem Event:

  • Es sind viele verschiedene Gesetze und Verordungsrahmen zu beachten, u.a. Datenschutzrecht, Wettbewerbsrecht, Fernmelderecht, Arbeitsrecht. Die haben unterschiedliche Ziele, aber auch unterschiedliche „Reife“, Ausgewogenheit, Angemessenheit, Klarheit. Widerspruchsfrei ist die Rechtslage also nicht.
  • Das Thema ist fachlich dynamisch, Vieles ist noch unklar oder ungenügend geregelt, Kreativität und technische Entwicklung überholen rechtliche Regelungen schneller, als diese verabschiedet werden. Auf hoher See ist man sicherer.

Aspekte, die ich als juristischer Laie vermutlich übersehen hätte, waren u.a.:

  1. Der Arbeitgeber kann anscheinend nicht einfach von seinem Mitarbeitern eine bestimmte Art der Selbstdarstellung im Netz (z.B. in XING) verlangen.Was er darf und was nicht sollte geregelt sein.
  2. Auch wenn der Mitarbeiter in seiner Freizeit einem Kunden z.B. in einem Forum fachlichen Rat gibt (z.B. als kompetenter Dachdecker der Firma „Ruhfkings“) und eine Pfanne fällt dann dem Nachbarn auf den Kopf, kann ggf. Ruhfkings haftbar sein.
  3. Da zunehmend mobile Endgeräte Social Media fähig sind und generell mit Servern und Cloud-Daten via UMTS, WLAN &Co interagieren, sollte jedes dieser Endgeräte auf angemessene Sicherheit im IT-Verbund überprüft werden. Welche Geräte auf welche Weise von wem genutzt werden dürfen, erfordert also entsprechende interne Regelungen.
  4. Interne Regelungen zur Nutzung von Social Media (und generell von IT) sollte in separaten Dokumenten definiert und vereinbart werden. Der Arbeitsvertrag scheint hierfür eher ungeeignet zu sein.
  5. Wie IT und insbesondere Social Media im Unternehmen eingesetzt werden dürfen und müssen, sollte möglichst klar und transparent formuliert sein. Voraussetzung dafür ist, dass die Unternehmensleitung in dieser Sache selbst einen klaren Plan hat. Das sollte der Startpunkt des Handelns sein.

Wie im Bereich Marketing und Sales gilt also auch hier: Social Media ist ein Thema für die Chefetage!

Fazit: der Event war sehr informativ, die Anlage hier ist es ebenfalls.

 

Was die Piraten Partei mit Coca Cola zu tun hat

Seit einigen Wochen begegnet mir der Begriff „liquid“ häufiger.

  • Liquid Feedback System der Piraten Partei
  • Liquid Content, z.B. von Coca Cola

In der aktuellen brandeins ist ein Report über die Synaxon AG, die zur internen Abstimmung mit den Mitarbeitern ebenfalls das LiquidFeedback System verwenden.

Und im letzten Beitrag in diesem Blog wurde Content gefordert, der „liquid and contageous“ ist, wörtlich also flüssig und ansteckend.

Es wird Zeit zu fragen: In welchem Sinne wird hier eigentlich „liquid“ verwendet?

Bei Wikipedia erhält man die bekannten Definitionen und das Projekt „Deutscher Wortschatz“ der Uni Leipzig hilft auf den ersten Blick auch nicht weiter. Immerhin finden wir hier die Interpretation „verfügbar“.

Überraschendes Fundstück am Wegesrand: in der Phonetik sind „Liquide“ solche Konsonanten, die nicht nasal ausgesprochen werden, im Deutschen die Buchstaben „r“ und „l“ (hier nicht weiter relevant, aber gut für die 500.000€-Frage bei Wer wird Millionär?)

Bei der Suche auf englischen Seiten gibt es weitere interessante Objekte für die Botanisiertrommel, eine Werbeagentur, die einfach „liquid“ heißt, ein Musiklabel sowie eine markup-language für eCommerce Shops. Nichts davon hilfreich für unsere Frage, aber immerhin: „liquid“ ist ein beliebtes Wort mit vielen Interpretationen.

Doch was macht das Feedback System der Piraten und von Synaxon so „liquid“? Was bedeutet es, dass Content von Marken wie Coca Cola „liquid“ ist?

Nach einiger Webrecherche kristallisiert sich heraus:

Die Begriffe werden ähnlich verwandt, ganz deckungsgleich sind sie nicht. Ihnen gemeinsam ist die „Interaktion und Kommunikation in asymmetrischen Beziehungen“.

Das LF ist das interaktive Kommunikationssystem für die „Liquide Demokratie“, durch LF wird ein neuer Kommunikationskanal zwischen Abstimmenden und Repräsentanten geöffnet (für mehr Details einfach dem Link unter „LF“ folgen). Was das für eine AG bedeutet und wo man die Grenzen als Vorstandsvorsitzender ziehen muss, ist in dem brandeins-Artikel interessant zu lesen.

Um den Begriff „liquid content“, der aktuell im Social Media an Bedeutung gewinnt, besser zu verstehen, ist das Video von Coca Cola „Content 2020“ sehr anschaulich. Es macht zudem Spaß zuzuschauen. Auch hier geht es um einen neue Kommunikationsqualität, diesmal zwischen Marke einerseits und Markt und Konsumenten andererseits. Der technische „Kanal“ scheint etabliert zu sein, das Internet mit seinen (Social Media-) Portalen – und was bis 2020 an Interaktions-Möglichkeiten noch entstehen mag. Darum geht es im liquid der Marketiers nicht. Für sie ist „liquid“ eine fachliche Qualität, keine technische, „liquid“ steht auf der gleichen Stufe wie „kreativ“.

Jeff Bullas hat es in einem Beitrag sehr schön formuliert: „Das ultimative Marketing Ziel ist es, Content und “Ideen” zu erzeugen, die so ansteckend und sich ausbreitend sind, dass sie nicht kontrolliert werden können. Das ist liquid Content“.

Ich freue mich auf weiteren input von Ihnen zu diesem Thema zu erhalten. Sicher sind wir hier noch nicht am Ende der Bedeutungsklärung angekommen.