Lieber Schornsteinfeger,

Weihnachtlicher Gruß

liebe Sparkasse, liebes Reisebüro, liebe Versicherungsagentin, liebe Friseurin, lieber Autoverkäufer, lieber Tischler, und all Ihr anderen lieben Firmen, Klein- wie Großunternehmer, die Ihr uns keine adventliche Grußkarte und keinen Weihnachtsbrief mehr schickt, in einem Wort:

lieber umsichtiger Lieferant!

Wir möchten, dass Ihr über eines Gewissheit habt:

Wir denken nicht, dass

  • Ihr uns vergessen habt,
  • wir keine wichtigen Kunden mehr für Euch sind,
  • Ihr Euch keine Weihnachtsgrüße mehr leisten könnt oder dass
  • Ihr das Weihnachtsfest einfach nicht achtet.

Das denken wir alles nicht! Vielmehr denken wir, dass

  • Ihr klug und umsichtig seid,
  • Ihr nachhaltig wirtschaftet,
  • Ihr Eure Kraft in Themen steckt, die uns wirklich wichtig sind und dass
  • wir froh sind, dass Ihr unser Lieferant seid.

Wir grüßen Sie und hoffen, dass sich viele andere Unternehmen Ihrem Vorbild anschließen.

Wir grüßen ebenso herzlich alle die Firmen, die noch eine Karte oder gar einen Brief geschickt haben. Wir wissen, welche Mühe das machte, von der Auswahl der Karte über die Zusammenstellung der Empfänger bis zur viel hundertfachen Unterschrift und Frankierung.

Danke für all diese Mühe! Wir haben uns darüber gefreut.

Vielleicht schließen Sie sich im nächsten Jahr aber doch der anderen Gruppe an. Wir würden uns darüber noch mehr freuen.

Fröhliche Weihnachten und erfolgreiches Neues Jahr Ihnen allen!

Regionalparteien schaden Deutschland

Eine Übertreibung

Manchmal muss man kräftig übertreiben, um eine Schieflage zu erkennen. Man muss die Lage noch deutlich schiefer machen.

Stellen wir uns also einmal vor, in jedem Bundesland gründeten sich in der nächsten Zeit reine Regionalparteien. Eine Partei nur für Baden-Württemberg, eine andere nur für Mecklenburg-Vorpommern, eine für Bremen und so fort. Und weil diese Parteien sich ganz und ausschließlich auf ihr jeweiliges Bundesland konzentrieren und gar nicht größer, gar nicht national sein wollen, gewinnen sie schnell das Vertrauen der Bürger („Sachsen den Sachsen!“).

Schritt für Schritt gewinnen sie in immer mehr Bundesländern die Landtagswahlen und stellen den Ministerpräsidenten oder Bürgermeister. Das klingt vielleicht spontan etwas eigenartig, ist aber im Prinzip ja möglich.

Diese 16 Parteien gehen nun noch einen Schritt weiter und vereinbaren untereinander, dass sie bei der Bundestagswahl eine Fraktionsgemeinschaft bilden wollen, alle zusammen. Das klingt noch etwas eigenartiger, aber dass es im Prinzip funktioniert, führen ja im verkleinerten Maßstab CDU und CSU seit Jahrzehnten vor. Unsere 16 Parteien hier machen im Grunde nichts Anderes.

Ich nennen das im Folgenden den Regionalparteien-Trick.

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Ist die CSU verfassungskonform?

Verfassungsgericht, wir haben ein Problem!

Es entspricht nicht dem Geist unserer Verfassung, wenn eine Partei – konkret die CSU – bei nationalen Wahlen nur regional begrenzt auftritt und zur Abdeckung der anderen Gebiete mit anderen, regional komplementär aufgestellten Parteien informelle Dauerpartnerschaften schließt.

Möglicherweise lässt das Grundgesetz so etwas formal zu, aber dann nur, weil man die möglichen Folgen dieser Offenheit bei der Formulierung vor vielen Jahren nicht erkannt hat.

Diese Folgen sind mittlerweile eingetreten. Die Zusammenarbeit von CDU und CSU hat in den letzten Jahren einen Charakter angenommen, der für die Bürger nicht mehr erträglich und für die Republik schädlich ist. Jetzt im Juni 2018 kann man das Dilemma sogar in jeder Nachrichtensendung besichtigen. Im aktuellen Konflikt geht es gerade um die Asylpolitik.

Doch die Themen sind austauschbar, es geht eigentlich um viel mehr, nämlich um einen systematischen Missbrauch der Parteien-Zusammenarbeit durch die CSU zu ihrem und zum bayerischen Nutzen und zum Schaden der Republik.

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Das Facebook-Dilemma und wie man es angehen kann

Die Facebook-Karawane führt nicht aus dem Facebook-DilemmaWir haben ein Problem

Das Facebook-Dilemma besteht vereinfacht gesagt darin, dass ein System in unsere Gesellschaft, unsere Kommunikation, unsere Köpfe und unser Miteinander eingezogen ist, das diese beschädigen kann, sie beschädigen wird und vielleicht schon beschädigt hat.

Warum Dilemma? Weil es sich bereits “ingenistet” hat. So mal eben entfernen können wir es nicht mehr. Um ein Bild zu benutzen: Wir haben die Pilze schon gegessen, die nicht nur lustig sondern auch krank machen.

Die Frage ist allerdings, ob radikales “Entfernen” der richtige Weg ist, selbst wenn er gangbar wäre.

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Die Facebook-Karawane zieht weiter…

Facebook-KarawaneFacebook-Gate

Mit “Facebook-Karawane” bezeichne ich das Heer der vielen, vielen kleinen und großen Unternehmen, die irgendwie an Facebook hängen, durch Facebook Geld verdienen oder mit Facebook groß geworden sind. Der Begriff ist nicht abfällig gemeint, ich bin sozusagen selbst eins dieser Karawanentiere.

Wir alle haben derzeit Angst, dass das “Facebook-Gate”, der Skandal um Cambridge Analytica und die 50 Millionen gemopsten Daten, das eigene Geschäftsmodell beschädigen, gefährden oder gar vernichten könnte. Es sieht derzeit ja wirklich bedrohlich aus.

Ich frage mich allerdings: Ist diese Sorge das einzige, was uns in diesem Zusammenhang bewegen sollte?

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Facebook Bad News

Facebook Bad News
Bad News sind der Hauptinhalt einer Zeitung.

Gestern ist hier der Beitrag “Facebook News – Sonnenseite” erschienen. Ich berichte darin von den wichtigsten Veränderungen bei Facebook aus dem Januar und Februar 2018 – soweit sie den normalen Nutzer betreffen.

Auf der Business-Ebene, das heißt für Fanseiten-Betreiber und Marken-Bewerber ist Facebook natürlich ebenfalls sehr aktiv – aber das ist nicht mein Thema.

Bad News, das Gegenstück zur Sonnenseite, ist allerdings mein Thema. Und hier gabe es in den letzten zwei Monaten eine ganze Reihe von Ereignissen, Urteilen und Entwicklungen, die alle nicht erfreulich für Facebook waren.

Starker Gegenwind

Die Liste der öffentlich diskutierten, aktuellen Bad News rund um Facebook beginnt mit relativ harmlosen Problemen.

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Digitale Ignoranz oder digitales Ausbremsen?

Zwei Artikel sind mir diese Woche besonders unangenehm aufgefallen.

Die Ignoranten

Meinen Ärger über die digitale Ignoranz in unserem Land habe ich schon früher Ausdruck verliehen. Nun konnte man hier lesen, dass nicht mal die Hälfte aller DAX-Vorstände irgendein Social-Media-Konto hat.

Ach so, Vorstände großer Gesellschaften haben Anderes zu tun? Das scheint man im Ausland allerdings anders zu sehen, da sind die Damen und Herren anscheinend weiter.

Die Damen sind es übrigens in Deutschland auch, es ist gerade der männliche C-Level, der durch fehlendes digitales Engagement unangenehm auffällt.

Die Ausbremser

In dem anderen Beitrag ging es, so mein erster Eindruck, um etwas Ähnliches: golem berichtete, dass die Kommunen die vom Bund für den Breitband-Ausbau bereitgestellten Millionen praktisch gar nicht abrufen. 690 Mio € lagen 2017 bereit, 2% davon wurden abgerufen.  Aha, dachte ich spontan, ignorante Bürgermeister auch noch! Aber so scheint es nicht zu sein.

Vielmehr sind es zu viele bürokratische Hürden, die einer sinnvollen und umfassenden Verwendung im Wege stehen. Für Bürokratie ist ja bekanntlich niemand direkt verantwortlich. Sie ergibt sich eher “irgendwie” so, schleicht sich ein, über Jahre.

Das mag an vielen Stellen so sein, bei einem so jungen Thema aber vermutlich doch nicht. Es gibt ja auch eine klar und eindeutig zuständige Stelle, das BMVI, das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Das “I” ist zwar erste Ende 2013 dazu gekommen, aber das Thema hat das Haus schon länger betreut, es passt ja auch unter den Hut “Verkehr”.

In diesem Ministerium dürfte ein Großteil der Verantwortung für die diversen Malaisen des digitalen Ausbaus in Deutschland zu finden sein. Und wenn man sich das ein wenig auf der Zunge zergehen läßt, dann fallen ein paar weiter Dinge auf.

  • Das Ministerium ist seit 2009 unter CSU-Führung – und wird es für die kommenden 4 Jahre wohl wieder sein.
  • Bayern unter CSU-Führung gilt seit langem als Musterland der digitalen Entwicklung. Ist es nicht komisch, dass die Republik von dieser besonderen Kompetenz so gar nicht profitiert?
  • Im Bereich Verkehr ist es längst bekannt, dass Verkehrs-Prioritäten schon lange sehr speziell gesetzt werden – aus bayerischer Sicht eben. Die seit vielen Jahren überfällige Erneuerung des Nord-Ostsee-Kanals etwa ist ein gutes Beispiel. Könnte es sein, dass auch die digitale Verkarstung der Republik – mit Ausnahme von Bayern! – sozusagen “mit Fleiß” erfolgt?

Ist es wirklich nur digitale Ignoranz, was uns bremst? Wie national ist die CSU wirklich aufgestellt? Betont nicht jeder führende CSU-Kopf, zu allererst Bayer zu sein, und erst danach Deutscher? Und liefert die explizite CSU-Polititk, das, was in die Mikros so getextet wird, nicht laufend Belege dafür, dass das Wohl der Republik bei den CSU-Politikern immer nur an zweiter Stelle steht?

Nicht verfassungskonform

Ich plädiere jedenfalls schon lange dafür, dass eine Partei, deren Vertreter ihre Pläne, ihre Karriere-Chancen, ihren Lebensentwurf, ihre Identität einzig durch die bayerische Brille sehen und sehen müssen, kein nationales Ministerium führen dürfen. Alle Gremien, die diese Politiker fördern, stützen und auffangen, werden doch immer nur eine Frage stellen: was tut er für Bayern? In Bayern werden die Herren Dobrindt und Scheuer gewählt – nirgendwo sonst.

Regionale Interessen sind zudem völlig ausreichend im Bundesrat abgebildet, für alle Bundesländer gleich. In der Exekutive haben sie nichts zu suchen! Nur die Bayern dürfen hier zweigleisig fahren, exekutiv und legislativ.

Dass die Vertreter des CSU entsprechend denken und handeln, ist normal, Menschen sind so, überall. Es wäre bei jeder anderen Partei genauso. Es ist auch kein bayerisches Thema, Hamburger oder Sachsen wären ebenfalls genauso. Aber sie sind nun mal nicht in der Situation.

Das Problem ist, dass wir die CSU ihren Bärendienst leisten lassen, dass sie es dürfen. Das Problem ist, dass wir Vertretern eines einzigen Bundeslandes die Zukunfts-Chancen der ganzen Republik in den Schoss legen. Aus meiner Sicht ist das verfassungswidrig. Vielleicht nicht den Worten nach, aber auf jeden Fall dem Geiste nach.

Was müßte man darum tun? Ganz generell einer Partei, die nicht national antritt, den Zugang zu Minsterämtern verbieten. Nur Vertreter bundesweit aufgestellter Parteien sollten in die Bundesregierung dürfen.

Diese Regel gesetzlich zu etablieren erfordert eine Verfassungsänderung – und bedeutete für die betroffenen Parteien, CDU und CSU, erhebliche Kosten. Wäre sie also mehrheitsfähig? Wohl kaum. Sehr bedauerlich.

Ist nun langsam Schluss mit Hassreden?

Um es gleich ganz klar zu sagen: nein, Hassreden gibt es weiterhin im bekannten Umfang.

Das Lieblingsmedium der Hassredner ist immer noch Twitter. Gute 70% all dieser unerfreulichen Beiträge finden sich im Zeichen des kleinen niedlichen Vogels. Beim großen Standard-Bösewicht Facebook sind es nur gute 10%, der Rest verteilt sich auf Foren und Blogs.

Bei keinem dieser Seitentypen konnte ich einen nennenswerten Rückgang innerhalb der letzten 6 Monate (Mai-Oktober 2017) feststellen. Einen irgendwie stetigen Anstieg allerdings auch nicht.

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Digitale Reife

Abstract

Die mangelnde digitale Reife in Deutschland ist Ursache für seine international zweitklassige IT-Position. Aber digitale Reife hat nichts mit modernen Geräten und üppiger Bandbreite zu tun. Die Ursachen des Mangels stecken in unseren Köpfen.

Die folgenden drei Beispiel zeigen einmal mehr: die wichtigste Zukunfstinvestition in Deutschland muss der digitalen Reife gelten.

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Software-Schwachstellen gehen zurück, yippie!?

Gute Nachricht?

Anfang des Jahres erreichte uns diese tolle Nachricht: Gegenüber 2015 ist die Anzahl der registrierten Software-Schwachstellen weltweit von 6.400 auf 5.600 zurückgegangen, über 10% minus! Die Quelle ist das Hasso-Plattner-Insititut in Potsdam.

Die Nachricht ist aus dem Januar 2017, jetzt, einen Monat später sind wohl doch noch ein paar Bugs nachgemeldet worden, jetzt sieht es doch wieder nach Anstieg aus. (gelb = geringer Schweregrad, rot = hoher Schweregrad). Schade, zu früh gefreut.

Software-Schwachstellen laut Hasso-Plattner-Institut am 18.2.17

Ein Armutszeugnis

Doch es ist eigentlich gar nicht so wichtig, ob die Werte nun noch ein wenig gestiegen oder womöglich wirklich ein kleines bisschen gesunken sind. Viel wichtiger ist mir ihre absolute Höhe. 6.500 Schwachstellen sind einfach zu viele. Diese Zahlen sind darum für mich ein Armutszeugnis für eine ganze Branche.

Es gab alleine knapp 2.500 schwere Software-Schwachstellen – so groß ist der rote Balken. Wenn das Autos wären, dann würden in all den betroffenen Modellen die Bremsen oder die Lenkung nicht funktionieren. Kühlschränke würden über Nacht abtauen. Atomkraftwerke würden unerlaubte Mengen Strahlung abgeben.

Seit 30 Jahren haben wir uns aber daran gewöhnt, dass das gute alte Prinzip der 0-Fehler-Auslieferung für Software einfach nicht gilt. Hier herrscht statt dessen das Multi-Fehler-Prinzip, ganz hemmungslos. Die spätere Fehlerbehebung ist ja bereits Teil des initialen Roll-Out-Plans, sie ist Teil der Marketing Strategie.

Zugegeben: es klappt auch bei den Autos, Kühlschränken und Atommeilern nicht immer. Wir kennen aufwendige Rückrufaktionen und wir kennen auch Tschernobyl. Aber in diesen Branchen wird es zumindest angestrebt. Im IT-Bereich ist grüne Banane das Geschäftsprinzip.

Ebenfalls zugegeben: Eine Ursache der Malaise ist der massive Preisdruck – und dafür sind am Ende ja wir selbst verantwortlich. Aber andererseits: bei Autos und Kühlschränken sind wir doch nicht wirklich großzügiger.

Dabei misst dieser Index (es ist der CVSS-Index) nur die Sicherheits-Schwachstellen, die Angreifbarkeit. Die reine Funktionalität (tut es, was es verspricht?) steht dabei noch gar nicht zur Debatte. Vermutlich könnte man alle Werte verdoppeln oder verdreifachen, wenn die Qualität in diesem Sinne ganzheitlich bewertet würde.

Die wirkliche Ursache

Aus meiner Sicht ist die wirkliche Ursache, dass Software keinen ernst zu nehmenden Zulassungsbedingungen unterliegt. Jeder, der sich für einen Entwickler hält, kann entwickeln und dann vermarkten. Angesichts der IT-Abhängigkeit von immer mehr Lebensbereichen ist diese Situation wirklich absurd fahrlässig. Doch welche (semi-)staatliche Stelle traut sich an eine solche Aufgabe heran?

Die schwierigen Deutschen gelten nicht gerade als Digitalisierungs-Fans. Sie sind eben Qualitäts-Fans, schon immer gewesen. Ein Grund für ihre Zurückhaltung ist darum sicher in dieser Multi-Fehler-Kultur zu suchen.