Verloren auf der Suche in der ZEIT

Ich habe mich vor einer langen Zugfahrt zu einem Gratistestabo von 4 Ausgaben DIE ZEIT überreden lassen, die erste Ausgabe kriegte man gleich mit. Aber nach nun 3 Anläufen: nicht meine Zeitung! Am meisten nervt, dass auch dann viele kluge Worte gemacht werden, wenn es kaum etwas zu sagen gibt. Zum Glück merkt man das meist schon an Titel und Untertitel – ich blättere eindeutig mehr als dass ich lese. Und auch das fällt ärgerlich schwer, Beilagen in Beilagen, wie früher schlimmstes Direktmarketing: zahlreich, bunt und uneinheitliche Formate, so musste es im guten Werbebrief aussehen, so ist es bei der ZEIT noch jetzt.
Und die Obernerve: manche Deckblätter sind nur halb, wenn man das Teil normal links und rechts am Rand hält kann man die erste Seite links nicht halten. Mich stört sowas kolossal, wenn die Zeitung einem so seitenweise wegrutscht.
Nein, keine Freude, weder vom Content (die Ausnahmen sind eben welche, das Gros der Beiträge ist mir hohl) noch vom Format. Zu denen, die die Mängel ignorieren und den wortreichen Stil gut finden will ich auch nicht gehören. Also morgen gleich kündigen. Nr. 4 wird gleich entsorgt.

To liken or not to liken – that is the question.

Was das heißen soll? Ich glaube, mit “liken” bezeichnet der gemeine deutsche Sozialmediale das Anklicken des Daumenhochsymbols. Und nun hat facebook zugegeben, dass wenn man so ein Symbol (nur das Symbol, den fb-Daumen!!!) auf seiner Webseite plaziert, die Daten jedes Besuchers an fb gehen, automatisch. Und darum droht man in Schleswig Holstein jedem Webseitenbetreiber mit bis 50 Riesen Strafgeld, wenn der liken-Button auf der homepage ist. Wenn ich ein Kieler wär, könnt das also teuer für mich werden. Unser hessischer DSB, Dr. Ronellenfitsch, ist nicht so streng, aber jeder kann plötzlich katholisch werden. Also was tun? Ich finde das ehrlich gesagt auch nicht so toll mit der Weiterleitung, wohin auch immer und werde wohl den fb-liken-Button (blau, von links nach rechts) demnächst entfernen. Das soll Euch aber nicht daran hindern, den einfachen like-button (grau, von rechts nach links) ohne facebook-Optik beherzt zu drücken, wenn Ihr hier was leidlich Vernünftiges oder Schmunzelauslösendes lest.

Golf am Sonntag

18 Löcher, Bad Homburg New Course, beide nach langer Pause (5 Wochen), bei milden Temperaturen und nur seltenen Einzeltropfen. Recht genau von 11 bis 15 Uhr. Der Platz wirkt gut aber ist weiterhin mörderisch eng. Auf den ersten 5 Löchern habe ich 5 Bälle verloren, danach gings. Ich habe 26 Punkte gespielt, Brigitte 34. Nicht berauschend (meins), aber aktuell kein Wunder. Es war trotzdem schön.

Im befreundeten Ausland

Wir haben wieder eine Woche in Frankreich verbracht, eine schöne Woche. Und doch kann ich nicht umhin, Franzosen immer wieder ein wenig eigenartig zu finden.
Das erstaunt mich, denn ich kenne recht viele recht gut. Trotzdem “reibe” ich mich an einigen Eigenheiten. Besonders auffällig finde ich, was ich versuchsweise “passive Rücksichtslosigkeit” nennen will, ein Nicht-Berücksichtigen der Bedarfe anderer. “Passiv”, weil es eher eine Bequemlichkeit, ein “Nicht-darüber-Nachdenken” ist und nicht ein bewußtes oder gar aktives Bedarfs-Ignorieren. Kein praktizierter Zynismus sondern eher en-passant. Wird ein impliziterer Bedarf plötzlich explizit, wird er aktiv geäußert, ist man in Frankreich außerordentlich hilfsbereit, die Menschen sind nicht kalt, sie sind nur stark mit anderen Dingen (sich selbst?) beschäftigt.
Manche impliziten Bedarfe scheinen mir sehr offensichtlich, etwa die 6-köpfige Familie, die über die stark befahrene Straße gehen will. Niemand hält an. Ich halte an – und man ist erstaunt über den Fakt. Dann Blick aufs Kennzeichen, ach so, danke, okay.
Das gibt es auch im Großen: Im Kern stammt ja Marketing aus der Erkenntnis, dass mir unbekannte Menschen vor einer Entscheidung stehen und ich diese Entscheidung in eine bestimmte Richtung, in die meines Produktes lenken will. Ich muss überlegen, was in der konkreten Situation für den potenziellen Kunden entscheidungsrelevant ist, sachlich oder emotional; implizite Bedarfe und auch mögliche Störungen muss ich antizipieren. Die Fähigkeit hierfür scheint mir in F schwächer ausgeprägt zu sein als z.B. in D oder UK oder USA. Wer unser Produkt nicht gut findet, hat selbst Schuld – das scheint in Frankreich oft die Sicht zu sein.
Schade, das Land hat so viele so tolle Produkte (u.a. auch das Land selbst), man könnte da wirklich was draus machen. Beispiel Cognac: Wieviele Marken kennt man? 3? Maximal. Und wieviele Whisky-Marken mit unaussprechlichen Namen? Vermutlich mehr als 10, von Dimple, Chivas, Johnny Walker & Co. ganz zu schweigen. Dabei bietet Cognac mit Sicherheit eine mindestens ebeneso breite Aromen-Vielfalt wie Scotch Single-Malts.
Eine aktive Bedarfs-Anzipiation würde indessen in Frankreich selbst sehr gut ankommen – man wäre allerdings erstaunt und würde auf den Absender schauen: ist das wirklich ein französisches Produkt? So umsichtig? Erstaunlich!
Ich denke auch, dass die deutschen Exporterfolge zu einem großen Teil eben auf der Fähigkeit des Erkennens impliziter Bedarfe beruhen und auch, dass dann bei der Umsetzung nationale Botschaften oder Prinzipien hintenangestellt werden. Hingegen der jahrelange Renault-Slogan: “Createure d’Automobile”, schön französisch ausgesprochen, ist eben zwar sehr brav und 1a korrekt für den französischen Direktor, aber schlecht fürs deutsche Publikum.

Biken im Regen

Endlich morgens die Kurve gekriegt und nicht mit dem Auto sondern dem Fahrrad ins Büro gefahren. Viel Besser. Und man fühlt sich so “world-compliant”. Nur ein leichtes Hemdchen und eine dünne Hose, die Sonne scheint, herrlich.
Beschwingt gearbeitet.
Und abends innherhalb von 15 Minuten zieht so ein Mega-Sauwetter auf, dass ich nach Hause schwimmen muss. Dämliche Idee das mit dem Fahhrad. Mach ich nie wieder.