Vitré – hübsches Städtchen

DSC_5418Etwa 30 km östlich von Rennes, der Hauptstadt der Bretagne liegt Vitré. Der Ort hat keine 20.000 Einwohner und ist auf der Karte unscheinbar. Doch er ist durchaus eine Besichtigung wert. Vor vielen Jahren nannte er sich sogar das Tor zur Bretagne.

Besonders beeindruckend sind hier die große Burg aus dem 11. Jahrhundert, die noch intensiv das Stadtbild bestimmt, die gut erhaltene Altstadt sowie generell der Umstand, dass diese Kleinstadt zu prosperieren scheint. Dabei ist es eher nicht der Tourismus (sooo viele Reisebusse halten hier nicht) und auch keine erkennbare Groß-Industrie.

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Saint Pierre Quiberon – einen Besuch wert

Port Haliguen heißt der kleine Ort mit dem großen Yachthafen an der ruhigen, den Atlantik-Winden abgewandten Südost-Seite von Quiberon. Nur wenige Kilometer nördlich von hier und noch ruhiger mit noch mehr Wattstrand liegt Saint Pierre Quiberon.

Dabei ist die Nachbarschaft rein räumlich zwar korrekt aber kommunal-organisatorisch ein Afront: Port Haliguen ist einfach ein Dorf in der Gemeinde Quiberon, Saint Pierre aber ist selbst Gemeinde, die “andere” Gemeinde eben auf der Halbinsel.

Saint Pierre leidet darunter, nur für einen kleinen Vorort und Abklatsch des richtigen und großen Quiberon im Süden gehalten zu werden. Man hat durchaus Pfunde, mit denen man wuchern möchte: Die Nationale Segelschule, die angesehenere Kirche (hier ging sogar schon Jacque Chirac zur Ostermesse), der schönere Wochenmarkt, die (angeblich) wertvolleren Künstler, das ruhigere Bade-Meer, die wildere Cote Sauvage, all dies findet man in der Gemeinde Saint Pierre.

Wilde Küste
Wilde Küste

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Quiberon Küste: eine Foto-Tour

Die kleine Foto-Tour entlang der Küste von Quiberon beginnne ich in Port Haliguen mit Blick auf die Marina.

Port Haliguen

Gut 1.100 Boote haben hier Platz – und jeder Platz ist belegt, die Warteliste ist lang.

Marina Port Haliguen
Marina Port Haliguen

Der Hafen liegt an der dem Wetter abgewandten Ost-Seite der Halbinsel und war bis ins frühe 20. Jahrhundert auch Handelshafen. Heute liegen hier nur noch einige kleine Fischerboote.
Die Schutzmauern des Hafens begrenzen auf der anderen Seite den Badestrand Le Porigo, an dessen Südende auch die Segelschule von Quiberon liegt. Hier wird auf Jollen (Laser, 470er), kleinen Katamaranen und Optimisten unterrichtet.

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Abwechslungsreiches Quiberon

Land am Meer (armor) und Land im Wald (argoat) – so haben die Kelten die Bretagne sprachlich geordnet und das macht immer noch Sinn.

Vielleicht sollte man die Küsten weiter unterscheiden, die romantische rote Küste im Norden: Armoricaine, die wilde Küste im Westen: Finisterre und die wärmere, mildere Küste im Süden: Morbihan.

Wir sind meist in Morbihan, genauer in Quiberon. Das ist eine kleine Halbinsel, die nur über eine sehr schmale Straße und Bahnlinie mit dem Festland verbunden ist. Eine erste Orientierung gibt die Karte. Quiberon ist der Ausschnitt unten links.

Südbretagne
Unten Mitte sieht man Quiberon auch – im Verbund mit den Inselchen Huoat und Hoedic und der etwas vorgelagerten großen Insel Belle Ile.

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Auch im Winter ist die Bretagne schön

Morgens ist es nahe Null Grad, aber die Sonne wärmt alles schnell bis zu 10 und man kann mittags in warmen Jacken draußen sitzen.
Das Meer ist silbergrau und sieht kalt aus.

La Teignuse

Meer und Wind und Felsen spielen ihr Spiel im Winter wie im Sommer.

Einige Nordmeer-Vögel überwintern hier. Auf dem Bild ist die graue Ringelgans zu sehen, etwa entengroß und recht scheu, man kommt nicht wirklich dicht ran. Sie lebt sommers am Polarkeis.

Graue Ringelgänse

Der weiße Seidenreiher, Egretta Garcetta, ist das ganze Jahr hier.

Seidenreiher

Und die eher zutraulichen schwarzen Kormorane auch. Einige haben einen weißen Bauch, was laut Wikipedia eigentlich eher auf der Südhalbkugel vorkommt und deshalb hier anscheinend eine Rarität ist

Kormorane

Alle Fotos habe ich auf der Halbinsel Quiberon im Süden der Bretagne gemacht. Wer sich hiervon etwas downloaden will: nur zu! Es gibt keinerlei Einschränkungen, CC0.

Die Ebbstrandsandbilder eignen sich z.B. recht gut als Wallpaper.

Im befreundeten Ausland

Wir haben wieder eine Woche in Frankreich verbracht, eine schöne Woche. Und doch kann ich nicht umhin, Franzosen immer wieder ein wenig eigenartig zu finden.
Das erstaunt mich, denn ich kenne recht viele recht gut. Trotzdem “reibe” ich mich an einigen Eigenheiten. Besonders auffällig finde ich, was ich versuchsweise “passive Rücksichtslosigkeit” nennen will, ein Nicht-Berücksichtigen der Bedarfe anderer. “Passiv”, weil es eher eine Bequemlichkeit, ein “Nicht-darüber-Nachdenken” ist und nicht ein bewußtes oder gar aktives Bedarfs-Ignorieren. Kein praktizierter Zynismus sondern eher en-passant. Wird ein impliziterer Bedarf plötzlich explizit, wird er aktiv geäußert, ist man in Frankreich außerordentlich hilfsbereit, die Menschen sind nicht kalt, sie sind nur stark mit anderen Dingen (sich selbst?) beschäftigt.
Manche impliziten Bedarfe scheinen mir sehr offensichtlich, etwa die 6-köpfige Familie, die über die stark befahrene Straße gehen will. Niemand hält an. Ich halte an – und man ist erstaunt über den Fakt. Dann Blick aufs Kennzeichen, ach so, danke, okay.
Das gibt es auch im Großen: Im Kern stammt ja Marketing aus der Erkenntnis, dass mir unbekannte Menschen vor einer Entscheidung stehen und ich diese Entscheidung in eine bestimmte Richtung, in die meines Produktes lenken will. Ich muss überlegen, was in der konkreten Situation für den potenziellen Kunden entscheidungsrelevant ist, sachlich oder emotional; implizite Bedarfe und auch mögliche Störungen muss ich antizipieren. Die Fähigkeit hierfür scheint mir in F schwächer ausgeprägt zu sein als z.B. in D oder UK oder USA. Wer unser Produkt nicht gut findet, hat selbst Schuld – das scheint in Frankreich oft die Sicht zu sein.
Schade, das Land hat so viele so tolle Produkte (u.a. auch das Land selbst), man könnte da wirklich was draus machen. Beispiel Cognac: Wieviele Marken kennt man? 3? Maximal. Und wieviele Whisky-Marken mit unaussprechlichen Namen? Vermutlich mehr als 10, von Dimple, Chivas, Johnny Walker & Co. ganz zu schweigen. Dabei bietet Cognac mit Sicherheit eine mindestens ebeneso breite Aromen-Vielfalt wie Scotch Single-Malts.
Eine aktive Bedarfs-Anzipiation würde indessen in Frankreich selbst sehr gut ankommen – man wäre allerdings erstaunt und würde auf den Absender schauen: ist das wirklich ein französisches Produkt? So umsichtig? Erstaunlich!
Ich denke auch, dass die deutschen Exporterfolge zu einem großen Teil eben auf der Fähigkeit des Erkennens impliziter Bedarfe beruhen und auch, dass dann bei der Umsetzung nationale Botschaften oder Prinzipien hintenangestellt werden. Hingegen der jahrelange Renault-Slogan: “Createure d’Automobile”, schön französisch ausgesprochen, ist eben zwar sehr brav und 1a korrekt für den französischen Direktor, aber schlecht fürs deutsche Publikum.