Schöne alte Fledermaus

Operette von Johann Strauss, gestern in der Frankfurter Oper, wird generell gern in der Faschingszeit gegeben. Das Haus war voll.

Die Musik so oft gehört weil 1000 mal ausgekoppelt, dass man mitsingen kann, die Stimmen weit über Operetten Niveau, auch Chor und Orchester erste Sahne.

Gibts ein Aber? Allerdings, denn die Story selbst ist auch bei hohen Gaben von Klassiker-Toleranz-Pulver schlicht gaga, so voller unplausibler Camouflagen und Verwechselungen, die Gags sind sehr spärlich verstreut. Längere Passagen wird nur Unfug gesprochen, hier würde man sich einen beherzten Cutter wünsche. Auch Bühne und Kostüme sind vermutlich werktreu, auch hier hätte man vielleicht aktuelle Gefälligkeit vor Authentizität stellen sollen. Nee, altogether nicht meins.

Aber die Mukke ist gut, wenn man denn Walzer etc. mag.

Edgar ist gut

Großes Kino! 1a Darsteller, gutes Casting und Kamera, Licht, Ton, Schnitt, alles sehr fein. Dass Dirty Harry noch so ein Kunstwerk abliefert ist bemerkenswert. Und DiCaprio ist einsame Spitze.
Fachlich ist dann auch interessant, dass in den USA in den 20igern so eine Art Baader-Meinhoff-Stimmung herrschte, wie armselig das FBI damals startete und wie kleinkariert die einzelnen Bundesstaaten ihre Polizei-Hoheit mit Zähnen und Klauen verteidigten.

Verloren auf der Suche in der ZEIT

Ich habe mich vor einer langen Zugfahrt zu einem Gratistestabo von 4 Ausgaben DIE ZEIT überreden lassen, die erste Ausgabe kriegte man gleich mit. Aber nach nun 3 Anläufen: nicht meine Zeitung! Am meisten nervt, dass auch dann viele kluge Worte gemacht werden, wenn es kaum etwas zu sagen gibt. Zum Glück merkt man das meist schon an Titel und Untertitel – ich blättere eindeutig mehr als dass ich lese. Und auch das fällt ärgerlich schwer, Beilagen in Beilagen, wie früher schlimmstes Direktmarketing: zahlreich, bunt und uneinheitliche Formate, so musste es im guten Werbebrief aussehen, so ist es bei der ZEIT noch jetzt.
Und die Obernerve: manche Deckblätter sind nur halb, wenn man das Teil normal links und rechts am Rand hält kann man die erste Seite links nicht halten. Mich stört sowas kolossal, wenn die Zeitung einem so seitenweise wegrutscht.
Nein, keine Freude, weder vom Content (die Ausnahmen sind eben welche, das Gros der Beiträge ist mir hohl) noch vom Format. Zu denen, die die Mängel ignorieren und den wortreichen Stil gut finden will ich auch nicht gehören. Also morgen gleich kündigen. Nr. 4 wird gleich entsorgt.

Der große Crash kommt leise

Margin Call
Viel Neues erfährt man nicht in dem Film, schon gar nicht, wie denn nun diese komplizierten Finanzprodukte funktionieren und woran sie scheitern, es ist keine Dokumentation! Aber ein Aspekt war originell: die zwei, die das gigantische Dilemma früh erkennen (und damit ironischerwese die Katastrophe erst auslösen) sind ein Flugzeug Ingenieur und ein Hochbau Ingenieur. Sie haben den Finanzjob angenommen, weil Wall Street mehr zahlt und schließlich gehts da doch auch nur um Zahlen. Der Film deutet so an, dass eine der Krisenursachen die Zahlenjongleure sind, die von den Märkten selbst nichts verstehen. Ob und wann und wie Hypotheken von Privatleuten zurückgezahlt werden, dazu haben sie keine Ansichten, dafür kein Gespür. Auch ihre eigenen Finanzen haben sie eher schlecht im Griff, kaum etwas von den vielen 100,000$ zurückgelegt.
Wie Steuermänner auf einem Schiff, das auf einen Fels läuft und die dann beim Sinken verblüfft sind, wie salzig richtiges Meerwasser ist. Auf dem fast klinisch separierten Finanzholodeck der Wall Street laufen keine real people rum. Nur einmal stehen sie mit einer Putzfrau im Fahrstuhl – und können vor Irritation kaum sprechen. Und ganz zum Schluss trifft Kevin Spacey seine geschiedene Frau. Aber auch in dieser surrealistischen Szene geht man berührungsfrei auseinander, beide Seiten haben sich nichts zu sagen oder zu geben. Das ist eine ganz lustige Deutung des Ganzen.
Die Schauspieler sind 1a, allen voran Irons und Spacey. Quotenfrau Demi Moore spielt genau die Quotenfrau. Der Mentalist braucht ein paar Minuten, um sein Serienimage abzulegen, dann gehts. Und die Story ist okay, kein Langweiler, aber auch kein Aufreger.
Ich gebe 3+, mehr nicht.

Tagesgruß vom Murmeltier

Kinoeinstellungen und -plots, grad amerikanische, haben ein paar rules, die schon drollig sind. Zum Beispiel genügt das Erwähnen einer Bombe oder von ein paar Stangen Dynamit, dass man schon mal das Oropax rausholt, das Zeug explodiert auf jeden Fall. Dennis Hopper hat das am Ende von Speed im U-Bahn Schacht auch sehr schön ausgeführt.

Eine junge Frau, die rum macht oder ihren Pflichten aus Vergnügungslust nicht nachkommt, muss sterben, im Horrorfilm sowieso, aber auch sonst.

Und ein Plan, den sich jemand zur Überwindung großer Hindernisse ausdenkt, ein Trick gar, klappt immer, er kann noch so blöd sein.

Mehr als 1 Polizeiwagen im Bild? Die knallen dann gleich alle aufs Dämlichste zusammen!

Strenge, wasserdichte, hautenge Schutzüberwachung der Kronzeugin angesagt: “Der Mistkerl kommt keine 100 Meter an Sie dran, Miss, ohne dass wir ihn nicht schnappen, machen Sie sich keine Sorgen!” Natürlich fällt das Licht aus, die Funkübertragung verrauscht und die kleine Tochter des Kommissars ruft genau in dem Moment an, in dem der böse Mann zuschlägt.

Das haben sicher schon Viele bemerkt, so, wie jeder auch weiß, daß man im deutschen Krimi meist schon von der Berühmtheit des Schauspielers auf seine Rolle als Mörder schließen kann. Aber vermutlich nicht so Vielen ist schon aufgefallen, dass die allermeisten amerikanischen Filme ihre erste Einstellung auf der Straße haben, meist mit Rädern im Bild. Das ist eine Art Zunftgruß an Griffith, der hier früh optische Parallelen zog, drehendes Rad, drehende Filmrolle. Kino wollte schon früh raus, wollte den Muff des Theaters ablegen und Autos und Postkutschen zeigen, wie sie rasen und sausen und in voller Fahrt umkippen. Wenn Sie den nächsten Film sehen achten Sie mal drauf, wo fängt er an? Ich wette: 4 von 5 auf der Straße.

Selbst ist der Senior

Nach dem Golf und einer Runde Sauna habe wir uns ein leckeres Dinner gemacht: Es gab gedünstete Pfifferlinge mit Rührei und Pellkartoffeln, dazu ein Salat aus eigenen Tomaten und selbstgekochten Rote Beeten. Das Dressing war eine Himbeeressig Vinaigrette mit Basilikum, Petersilie und Knoblauch.
Dazu gabs einen 2005er Fitou.
Wirklich lecker und sehr bunt (dominant rot).