Ab dem 3. Oktober im Kino: Rian Johnsons „Looper“

Der Name Bruce Willis steht für spannende Action und unterhaltsames Popcorn-Kino. Auch der Sci-Fi Thriller Looper unter der Regie von Rian Johnson verspricht spannende Unterhaltung mit einer interessanten Story und guten Darstellern.

In den 70er Jahren unseres Jahrhunderts sind Zeitreisen möglich, aber aufgrund der potentiellen Gefahren verboten. Verbote stören Kriminelle nur selten und so macht sich eine kriminelle Vereinigung in Shanghai die Zeitreise für ihre eigenen Zwecke zunutze: Unliebsame Zeitgenossen werden in die 40er Jahre zurückgeschickt, wo ein Auftragskiller sie bereits erwartet und ein für alle mal aus der Weltgeschichte verschwinden lässt.

Einer dieser Killer, die „Looper“ genannt werden, ist der 25jährige Joseph Simmons (Joseph Gordon-Levitt). Als Looper führt er ein gutes und angenehmes Leben, dennoch ist er letzten Endes nur eine Marionette der Mafiabosse und ist verpflichtet, niemals eines seiner Opfer

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Woody Allen in Rome

Ich mag sehr viele Filme von Woody Allen. “Der Stadtneurotiker” habe ich 4 mal gesehen. Auch seine Spätwerke können schön sein (besonders “Vicky Cristina Barcelona”). Aber schon in dem träumerisch-anregenden “Midnight in Paris” wurde eine Tendenz deutlich, die in seinem neuesten Film “To Rome With Love” weiter zunimmt: die Reduzierung der Stadt auf Kitsch-Postkarten.

Eine sehr amerikanische Sicht ist das, schöne Orte, schönes Licht und triviale Schulbuch-Sehenswürdigkeiten. Wir bauen den Eiffelturm in Las Vegas nach, und wers dahin nicht schafft, der geht wenigstens ins Kino. Mehr muss man von Paris bzw. Rom nicht kennen, der Rest ist ohnehin besser in Daten, Ohio.

Der Film hat 2 lustige Ideen, ein paar recht nette Woody Allen Gags (die der Meister alle selbst zur Punchline bringt) und viel Hollywood Standard-Programm. Mit Rom hat das nicht viel zu tun (ausgenommen die Kulisse). Da hilft es auch nichts, dass ein römischer Verkehrspolizist als Erzähler in den Film einführt, die Geschichte, die Bilder, die Texte – das kommt alles direkt aus Hollywood. Der Titel wird gar nicht mehr übersetzt, wir sind nicht in “Rom” oder gar “Roma”, die Welt ist und heißt so, wie Amerikaner sie kennen und nennen.

Für einen guten Film ist das Ganze etwas zu wenig, für einen Kinobesuch reicht es aber, Lacher und Schmunzler füllen die 112 Minuten.

Sollte Berlin einmal Drehort werden (in einem Interview hat Allen das angedeutet), dann wird es wohl ordentlich Lederhosen, blonde Zöpfe und Biergarten-Seeligkeit geben, vielleicht gestört von einigen herrisch-strengen Staatsvertretern, Modell Stasi-Gestapo-Kreuzung. Bin schon gespannt.

 

Beschneidung der Freiheit?

“Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.” (Mose 1/17, Luther 1912).

Das ist viele tausend Jahre her und seit dem praktizieren die Juden es so (Muslime und andere religöse Gruppen haben sich dem Ritus angeschlossen). Nun stellten Kölner Richter fest, dass es sich dabei um Körperverletzung handele und die Beschneidung von Neugeborenen also strafbar ist.

Die entstandene Diskussion ist kontrovers und geht quer durch die Parteienlandschaft. Der Bundestag hat eine baldige rechtliche Regelung mit dem Ziel einer Legalisierung angekündigt, aber es mehren sich Zweifel. Nun haben zudem noch einige Mediziner erkannt, dass der 6-8 Tage alte Knabe durch die Beschneidung erhebliche Schäden nehmen kann. D.h., dass das Urteil also nicht einfach das Durchsetzen eines etablierten Prinzips des säkularen Rechtsstaates in bisher ausgenommenen religösen “Sonderräumen” ist, sondern dass es sachlich-medizinisch auch geboten ist. Zur Sicherheit fügte man noch hinzu, dass man Wahrheiten auch in einem durch den Holocaust vorbelasteten Land nicht unterdrücken dürfe.

Diese gleich mitgelieferte Immunisierung erschien wohl erforderlich, denn in der Tat hatten jüdische Organisiationen schon von einem zweiten Holocaust (eben durch das Urteil) gesprochen.

Mir fallen dazu 4 Punkte ein

  1. Grundsätzlich müssen alle religiösen und weltanschaulichen Bräuche, Riten etc., egal wie lange sie schon bestehen oder wie sie innerhalb der jeweiligen Gruppe legitimiert sind, mit unseren Gesetzen übereinstimmen. Im Konflikt hat stets das Gesetz den Vorrang. Einen anderen Staat als einen säkularen wünsche ich mir keinesfalls!
  2. Welches objektive Leid wird aber hier wirklich gemildert? Lassen wir die Kirche und die Synagoge im Dorf! Wer will ernsthaft messen können, welches Trauma die Beschneidung auslöst angesichts der übrigen massiven körperlichen Traumata der ersten Lebenstage; zuallererst die Geburt, die Kälte draußen, das Abtrennen der Nabelschnur, der Klaps auf den Po (damit das Kind schreit), Erstimpfungen etc.
    Die Juden haben sich in den letzten Jahrtausenden indessen nicht erkennbar ausgezeichnet durch überproportionale Anteile von Verhaltensmustern, die diese besondere, zusätzliche frühkindliche Schädigung, wenn sie denn stattfand, hätte auslösen müssen.
    Dieser längste Life-Versuch der Welt (mit Muslimen und Christen als Kontrollgruppen) hat schon lange die Null-Hypothese bestätigt: Kein Unterschied erkennbar, kein nachhaltger Zusatz-Schaden. Die 100 Ärzte – das wirkt doch sehr rassistisch motiviert, pre-empting hin oder her.
  3. Bei den Juden handelt es sich nicht um irgendeine Religion und bei der Beschneidung nicht um irgendeinen Brauch. Diese monotheistische Religion ist fundamental für das Christentum und den Islam, und die Beschneidung fundamental für das Judentum. Abrahams Beschneidung ist, wenn man so will, die erste jüdische Handlung überhaupt. Juristisch ist so eine Ausnahme problematisch wegen der Gleichbehandlung (“Dann gilt das auch für Scientology-Bräuche!”). Aber ich hätte mir gewünscht, die Richter aus Köln hätten ihre prinzipienfeste Erkenntnis den Kollegen aus Lüttich oder Straßburg überlassen. Muss das unbedingt in Deutschland exemplifiziert werden? Es wäre jedenfalls schön, wenn die deutsche Legislative das Thema ohne, dass man gleich nach Karlsruhe muss, lösen könnte – für diesen Sonderfall ohne Verallgemeinerungs-Option.
  4. Das Zeigen von Leichen in der Presse wird vermieden, denn es verletzt die Würde des Menschen (auch nach dem Tod!), die vom Grundgesetz ganz besonders und ohne Ansehen von Nationalität oder Religion geschützt ist. Hat dann nicht auch Jesus Christus Anspruch auf diesen Schutz? Seine Leiche wird zum Teil in den erniedrigsten Posen, zum Teil mit ausgeprägten Folterverletzungen (schon das Kreuz selbst ist ja Folter) an mindestens so vielen Stellen öffentlich gezeigt, wie Juden im Jahr beschnitten werden. Die Menschenwürde von Jesus Christus wird in jeder christlichen Kirche und bei jeder christlichen Andacht verletzt. Christliche Kirchen sind also verfassungswidrig. (Mit der Brille der sturen Rechtsstaat-Prinzipienreiterei auf der Nase sieht es jedenfalls so aus.)
    Sind die Argumente gegen diesen Einwand nicht letztlich genauso kulturgeschichtlich begründet wie die der Juden gegen das Beschneidungsurteil?

Ich bin gespannt, wie die Diskussion weitergeht und ob manche Verfechter der strengen Trennung Staat-Kirche, der man diese Entschiedung nun mal schulde, nicht bei längerer Debatte doch erkennen lassen, dass diese Trennung im Falle des Christentums weniger strikt, im Falle von Judentum und Islam aber sehr grundsätzlich gesehen wird.

Nach langjähriger Schlamperei bis Einseitigkeit bei den Sicherheitsdiensten könnte hier der nächste staatliche Sündenfall am rechten Rand deutlich werden. Zu befürchten wäre dann eine sehr viel dramatischere Beschneidung – die der Freiheit.

Grass-Mücke

Und was ist nun so speziell an dem Gedicht?
Es ist nicht besonders gut.
Es ist eine Meinungsäußerung zur aktuellen Politik.
Sie ist einseitig.
Der, der sie äußert ist Nobelpreisträger.
Er ist Deutscher.
Seine Umtriebe und Sorgen richten sich auf und gegen die Politik der israelischen Regierung.
Diese Sorgen teilen Viele, ich auch.
SO WHAT?

There are no letters in the mailbox

120225 Content of my Snailmailbox So wie bei mir vor der Tür sieht es vielleicht in vielen “klassischen” Briefkasten aus, den snailmailboxen also. Viel Post aber keine Briefe, keine schönen zumindest. Die Box hat sich in eine Mischung aus Mülleimer und Gruselkabinett verwandelt. Schade, denn Brief schreiben macht eigentlich Spaß, so richtig mit Tinte und Papier, doch, das geht! Mein persönliches Ziel: ein handgeschriebener Brief pro Monat. Bis jetzt bin ich über Soll. Man darf nur nicht erwarten, dass da auch gleich Waschkörbe zurückkommen. Sehen wir es also mit Tolstoi so: “Man liebt die Menschen um des Guten willen, was man ihnen tut, nicht was sie uns tun.” Ist was dran. Gilt erstaunlicherweise auch umgekehrt.

Schwedische Krimis…

… sind ja sehr beliebt, allgemein und gerade in D. Henning Mankell hat neben Wallander auch z.B. für Tatort Drehbuch-Grundlagen geliefert. Und Stieg Larssons Roman “Verblendung” ist so beliebt, dass er gleich zweimal verfilmt wurde.

Ich habe im Urlaub erst “Die fünfte Frau” von Mankell gelesen und dann “Verdammnis” von Larsson, es schließt an Verblendung an, Mikael Blomquist, Lisbeth Salander etc.. Zusammen über 1.000 Seiten.

Durch die Wallander-Story wanderte ich mit einem guten Gefühl, seine Sorgen, Ahnungen, Irrtümer konnte ich nachvollziehen, und auch der Täter hatte ein extremes aber doch plausibles Profil. Menschen lebten in dem Buch, 37°-Wesen.

Dagegen scheinen mir die Figuren von Larsson alle im Eigenschaften-Fachgeschäft mit eher auf den Effekt denn auf Glaubwürdigkeit ausgerichtetem Geschmack zusammengestellt worden zu sein. Es liest sich irgendwie ganz spannend – aber auch McDonalds ist gelegentlich okay, dass da gut gekocht wird, behauptet ja niemand.

In “Verblendung” wurde die ganz junge Harriett Vanger zunächst von ihrem Vater und dann auch von ihrem Bruder vergewaltigt und gequält, sie sah später zu, als der Bruder den Vater umbrachte. In Verdammnis ist sie dann eine ganz normale, sinnliche, auf erfüllende erotische Erlebnisse mit Mikael Blomquist ausgerichtete Frau. Da ist kein Trauma, keine Macke geblieben? Einfach abgeschüttelt?

Oder Lisbeth Salander, Kettenraucherin, ernährt sich nur von TK-Pizza, hängt aber bei Bedarf im Sprint jeden Killer ab. Nebenbei ist sie die weltbeste Hackerin, sie kommt in jedes System, so hat sie sich auch ein Vermögen von mehreren 100 Millionen ergaunert, wird aber nicht gesucht. Sie liest die die kompliziertesten Werke der Mathematik wie andere Comics und kann lautlos einbrechen und Wohnungen durchsuchen, während der Bewohner im gleichen Zimmer schläft. Sie ist ebenfalls früh mehrfach vergewaltigt worden und hat nun auch ein sehr aktives, unverkrampftes, buntes Sexualleben (von dem der Leser viel erfährt). Es sei ihr gegönnt, aber geht das?

Vielleicht liefert Larsson ja einen neuen Stil des Krimis, auf “Konsistenz”, psychologische Dichte der Personen kommt es nicht an, das sind alles schwarz-weiß Comic-Helden, holzschnittartig, grob gezeichnet. Hauptsache, es ist immer eine kräftige Portion Sex dabei, ein Teil zum Gruseln, ein Teil zum Anmachen. So schafft man zwei fast zeitgleiche Verfilmungen aus einem Roman. Hut ab. Aber meine Art Krimi ist das nicht.

Dame, König, As, Spion – zu hoch

Mir fallen 4 Sichtweisen zu dem Film ein:

1. ich hab ihn nicht kapiert, Story zu verworren, vielleicht soll man das Buch erst lesen oder den Zweiteiler aus den 70ern (Smileys Leute) sehen. Und Sachen, die man nicht kapiert, soll man nicht beurteilen. Sichtweise gefällt mir nicht besonders.

2. es geht gar nicht um die Story, die kann man ohne Vorinfo (s.o.) auch überhaupt nicht voll kapieren beim ersten Mal, es geht um die zynische Hohlheit im Agenten-Milieu, und das ist a) ein Kontrapunkt zu den idealistischen Helden a la Bourne oder Ethan Hunt und b) eine Metapher auf die Filmschaffenden, die auch permanent vorgeben, jemand anders zu sein und darüber ihr Ich verlieren. Schon besser.

3. es geht um Entertainment, für das ich 8€ gezahlt habe. Ich bin einmal am Anfang eingeschlafen, Brigitte in der Mitte, und der Typ neben mir fing am Schluss ein Gespräch mit seiner Freundin an. Der Film fesselt nicht, man kriegt nicht die bezahlte Leistung, Daumen runter. So seh ich das.

4. Das Drehbuch ist krank weil schlecht. Der Roman mag ja toll sein, aber die filmische Umsetzung der Story absolut misslungen. Gefühlte 60% des Films gehen Leute von a nach b oder schauen aus dem Fenster ohne jede Bedeutung für die Handlung. Schauspieler sehr gut (aber kein Oskar für Oldman), Schnitt, Ton, Licht: keine Vorwürfe, aber es wird eine riesige wichtigtuerische Bedeutungsschwangerschaft in jede Szene gelegt, die dann einfach nicht niederkommt, das bedeutet ja alles nichts – oder 1 trifft zu.

Schöne alte Fledermaus

Operette von Johann Strauss, gestern in der Frankfurter Oper, wird generell gern in der Faschingszeit gegeben. Das Haus war voll.

Die Musik so oft gehört weil 1000 mal ausgekoppelt, dass man mitsingen kann, die Stimmen weit über Operetten Niveau, auch Chor und Orchester erste Sahne.

Gibts ein Aber? Allerdings, denn die Story selbst ist auch bei hohen Gaben von Klassiker-Toleranz-Pulver schlicht gaga, so voller unplausibler Camouflagen und Verwechselungen, die Gags sind sehr spärlich verstreut. Längere Passagen wird nur Unfug gesprochen, hier würde man sich einen beherzten Cutter wünsche. Auch Bühne und Kostüme sind vermutlich werktreu, auch hier hätte man vielleicht aktuelle Gefälligkeit vor Authentizität stellen sollen. Nee, altogether nicht meins.

Aber die Mukke ist gut, wenn man denn Walzer etc. mag.

Edgar ist gut

Großes Kino! 1a Darsteller, gutes Casting und Kamera, Licht, Ton, Schnitt, alles sehr fein. Dass Dirty Harry noch so ein Kunstwerk abliefert ist bemerkenswert. Und DiCaprio ist einsame Spitze.
Fachlich ist dann auch interessant, dass in den USA in den 20igern so eine Art Baader-Meinhoff-Stimmung herrschte, wie armselig das FBI damals startete und wie kleinkariert die einzelnen Bundesstaaten ihre Polizei-Hoheit mit Zähnen und Klauen verteidigten.

Verloren auf der Suche in der ZEIT

Ich habe mich vor einer langen Zugfahrt zu einem Gratistestabo von 4 Ausgaben DIE ZEIT überreden lassen, die erste Ausgabe kriegte man gleich mit. Aber nach nun 3 Anläufen: nicht meine Zeitung! Am meisten nervt, dass auch dann viele kluge Worte gemacht werden, wenn es kaum etwas zu sagen gibt. Zum Glück merkt man das meist schon an Titel und Untertitel – ich blättere eindeutig mehr als dass ich lese. Und auch das fällt ärgerlich schwer, Beilagen in Beilagen, wie früher schlimmstes Direktmarketing: zahlreich, bunt und uneinheitliche Formate, so musste es im guten Werbebrief aussehen, so ist es bei der ZEIT noch jetzt.
Und die Obernerve: manche Deckblätter sind nur halb, wenn man das Teil normal links und rechts am Rand hält kann man die erste Seite links nicht halten. Mich stört sowas kolossal, wenn die Zeitung einem so seitenweise wegrutscht.
Nein, keine Freude, weder vom Content (die Ausnahmen sind eben welche, das Gros der Beiträge ist mir hohl) noch vom Format. Zu denen, die die Mängel ignorieren und den wortreichen Stil gut finden will ich auch nicht gehören. Also morgen gleich kündigen. Nr. 4 wird gleich entsorgt.