ZERO – keine Nullnummer

Bis zum 8.6.2015 kann man die Ausstellung ZERO im Martin-Gropius-Bau in Berlin noch besuchen. Das ist nur zu empfehlen, diese Stunden sind gut angelegt.

Der Untertitel “Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre” erscheint spontan etwas hoch und sogar daneben gegriffen – doch das ist er nicht. Spätestens beim Lesen im umfangreichen Katalog wird klar, wie einflussreich ZERO, diese Initiative dreier deutscher Künstler in den späten 50ern, der sich nach kurzer Zeit viele andere aus der ganzen Welt anschlossen, war. Von Mark Rothko wird berichtet, er habe sich nachträglich selbst für eine Art ZERO-Künstler gehalten – ohne zu dieser Gruppe gehört zu haben

Allererste Eindrücke zu den Exponaten erhält man hier, hier und hier, doch das sind wirklich nur Krumen: Die Ausstellung überschüttet den Besucher mit ihrer Objektmenge, fast verschüttet sie ihn.

Interessant und erhellend sind einige Ausschnitte aus einer hr-Produktion zu ZERO von Gerd Winkler aus dem Jahr 1962 mit dem etwas süffisanten Titel “0 x 0 = Kunst”.

In dem Film werden u.a. die drei Gründer von ZERO vorgestellt. Sie sind gerade beim Kunstschaffen, das der Off-Sprecher wohlwollend-ironisierend kommentiert und dabei auch einige Merkmale und Gestaltungs-Prinzipien der ZERO-Kunst vorstellt – gesehen mit den Augen der 60er Jahre.

Die drei Künstler mit Vimeo-Clip sind:

Das hat mir besonders an der Ausstellung gefallen:

  • Die völlige Bezuglosigkeit der Objekte zu irgendetwas Fremdem außer ihnen. Keine Landschaft, kein Körper, kein Akt und ebenso weder Erregung noch Problemlage oder Stimmung des Künstlers werden hier “wiedergegeben”.
  • Die Objekte sind für sich und den Betrachter. Sie laden ein zum drumherum gehen, zum Abstand suchen, nahe Herantreten, Warten. Zur Frage: wie wurde das geschaffen, in welcher zeitlichen Abfolge der Materialbehandlungen?
  • Die scheinbar unbefangene Zukunftsbejahung, der Glaube an die Weiterentwicklung durch Technik. Auch wenn ZERO viele Künstler in irgendeiner Form beeinflusst hat – es ist doch ganz eine Form der frühen 60er Jahre.
  • Die begleitende Literatur im inneren Lichthof und im Katalog. Sie macht bekannt mit neuen Sichtweisen und Begriffen, wie etwa Tachismus (ZERO ist gegen Tachismus).
  • Die Ausstellung hilft, Gegenwartskunst besser zu verstehen.

Vitré – hübsches Städtchen

DSC_5418Etwa 30 km östlich von Rennes, der Hauptstadt der Bretagne liegt Vitré. Der Ort hat keine 20.000 Einwohner und ist auf der Karte unscheinbar. Doch er ist durchaus eine Besichtigung wert. Vor vielen Jahren nannte er sich sogar das Tor zur Bretagne.

Besonders beeindruckend sind hier die große Burg aus dem 11. Jahrhundert, die noch intensiv das Stadtbild bestimmt, die gut erhaltene Altstadt sowie generell der Umstand, dass diese Kleinstadt zu prosperieren scheint. Dabei ist es eher nicht der Tourismus (sooo viele Reisebusse halten hier nicht) und auch keine erkennbare Groß-Industrie.

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All Is Lost – der alte Mann und das Meer

All is LostDas Format ist nicht wirklich neu und doch beeindruckt, wie spannend und ausdrucksstark ein Film sein kann, in dem außer einem Intro-Text, ein-zweimal “Scheiße” und ein paar Hilferufen kein Wort fällt.

Auch dass Schauspielerei nicht einfach Minenspiel ist, sondern wahrlich eine Ganzkörper-Veranstaltung ist hier sehr schön zu besichtigen – gerade weil praktisch nie gesprochen wird.

Der Film “All Is Lost” ist erbarmungslos ehrlich – und das überrascht. Denn eigentlich spendet uns Hollywood stets zuverlässig Trost, uns, die wir mit dem Helden leiden und ihm endlich die verdiente Befreiung aus allen aufgetürmten Kalamitäten wünschen. Der Trost in diesem Film ist aus einem neuen Stoff.

Cast Away” mit Tom Hanks hat formal eine ähnliches Story wie “All is Lost”: unglückliche Umstände, einsame Person, lange, existentielle Fahrt auf dem großen Meer. Doch Redford ist nicht Hanks, der Sextant ist nicht Wilson, statt Walen erscheinen Haie.

“All is Lost” geht eine neuen Weg und findet einen anderen, so selten gezeigten Ausgang. Robert Redford spielt einen alten Mann in einem weiten, einsamen Meer. Genau darum geht es und genau das beeindruckt stark.

Oscars 2014 – Gewinner schon bekannt?

OscarAm frühen Morgen des 3. März 2014 (MEZ) werden die Gewinner für die Oscars 2014 vorgestellt. Die meisten von uns werden dann schlafen und die Ergebnisse den morgendlichen Nachrichten entnehmen.

Wer seiner Zeit voraus sein will, kann die Prognosen hierzu verfolgen und sich schon vor der Verleihung ein Bild über die wahrscheinlichen Gewinner machen. Es gibt “old-school” predictions, die sich meist orientieren an den Auszeichnungen, die bisher schon abgeräumt wurden und modernere, die Suchworte und den sogenannten “Buzz” zu Rate ziehen, sozusagen Vorhersage 2.0.

Interessant ist nun, dass diese Prognosen durchaus nicht alle zum gleichen Ergebnis kommen – was ihre Qualität schon vor Bekanntwerden des wirklichen Gewinners deutlich relativiert. Wir haben hier einige aktuelle Glaskugel-Findings zusammengestellt.

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Social Media pusht das Kino-Geschäft

twitter-movieEin schönes Beispiel für den unmittelbaren Einfluss des mobile (social) networking auf den Business-Case hat jetzt das Marktforschungsunternehmen Nielsen geliefert.

Nach einem Bericht von MarketingDaily besagt der NRG 2012 American Moviegoing Report:

  • Bei den Vorinformationen zu einem Film, die online eingeholt werden, liegen Previews eindeutig an der Spitze.
  • Generell kann ein klarer Zusammenhang zwischen dem Besitz mobiler Endgeräte und dem Kinobesuch erkannt werden: Smartphone-Benutzer gehen mit 9% höherer Wahrscheinlichkeit ins Kino, Tablet-Besitzer sogar mit 20% höherer Wahrscheinlichkeit.
  • Kinobesucher mit mobilem Endgerät sind generell stärker engagiert in Sachen Kino: sie konsumieren mehr entsprechenden Content online, aber sie bringen auch selbst mehr ein in Form von Bewertungen und Kommentaren.
  • Für rd. 30% der Kinobesucher haben die Kommentare in den sozialen Netzwerken starken ein Einfluss auf die Filmauswahl
  • Junge Besucher (18-24) sind besonders aktiv, nach dem Kinobesuch Kommentare zu posten, ältere (35-44) hingegen hören verstärkt auf solche Kommentare.

Kino-Marketing kann hiernach also sehr gezielt den Empfehlungspfad für die entsprechenden Zielgruppen modellieren.

trickr-erwartung: Für TV wird das ebenfalls praktiziert werden, Stichwort “Dual-Screening“.

 

The Master – ein schwieriger Film

Wir hatten früher so einen Vergleich, der manchmal ganz angemessen war: Wenn jemand ein Auto waschen soll und als Beleg seiner Arbeit die Mengen Wasser und Seife aufführt, die er verbraucht hat, dann geht das am Ziel vorbei. Die einzig interessante Frage ist: ist das Auto sauber?

Hervorragende Schauspieler in Best-Form, ein Kult-Regisseur, ein feinfühliger Kameramann, alte Aufnahmetechniken perfekt angewendet – all dies sind gute Indizien für einen ausgezeichneten Film. Aber in meinen Augen war das Auto nicht sauber.

Dass einen die Story von The Master immer wieder überrascht, manchmal Kapitel einfach zu überspringen scheint und stets unerwartete Wendungen nimmt, dass sie keinem bekannten Erzählfaden folgt, ja gar keinen zu haben scheint – das mag ja ein aus künstlerischer Sicht interessantes Stilmittel sein, aber macht es gutes Kino?

Ich habe 3 Rezensionen zum Film gelesen (Zeit, Spiegel, Cargo) – sie alle trauen sich nicht recht aus der Ecke und verstecken hinter verkopften Theorien und Hintergrund-Details, die Antwort auf die eigentliche Frage: Soll man reingehen?

Aus meiner Sicht nicht, wenn man mehr haben will, als die Summe der eingangs genannten “Zutaten”. Das ist ja schon was, da kann man 10€ durchaus investieren, so oft gibt es das nicht. Phoenix ist immer eine Freude zu sehen, und Seymour Hoffman auch. Die Bilder sind schön, die Stimmungen dicht und es kommt nie so, wie man denkt.

Mehr habe ich aber nicht darin erkannt. Vielleicht ist das die Botschaft: Geschichte hat keine Standard-Plot, keinen Walt-Disney-Erzählstrang, keinen theatralischen Spannungsbogen. Sie bietet Höhepunkte hier und da, aber sie sind von anderer Natur und anders eingefädelt, als wir das von Hollywood gelernt habe. Es kommt eben so, wie es eben kommt – und das ist mitunter interessant bis spannend.

Django unchained

130202 DjangoUnchainedNett, unterhaltend, ordentlich Action, Szenen mit Kultpotenzial, kein Geniestreich, phasenweise etwas in den eigenen Stil verliebt, Note 2-3.

Etwas mehr Stichworte zu Stärken und Schwächen:

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Cloud Atlas muss man sehen! Muss man?

Der Film Cloud Atlas ist wie Becks Bier, in Deutschland gebraut und doch eher international zu Hause. Drehort Babelsberg, Regie und Buch Tykwer + Wachowski Geschwister, Schauspieler Wuttke (allerdings mit einer so kleinen Rolle, dass er nicht mal im grossen Abspann erwähnt wird), also irgendwie deutscher Film, auch wenn die großen Rollen mit anderen, internationalen Stars besetzt sind.

Und darum sollte man ihn sehen: um sich ein Bild zu machen, was hier grad ganz vorne ist. Das ist ja schon was. Technisch absolut auf aktueller Ballhöhe, nicht nur Effekte, sondern auch so altmodische Kunstfertigkeiten wie Ton, Kamera, Schnitt. Die Schauspieler gut geführt, die Story verwickelt, aber nicht zu schwer erzählt, die Bilder beeindruckend, keine Durchhänger.

Und Höhepunkte? Echte Überraschungen? Da wirds schon dünner. Schauspielerische Glanzlichter? Dazu gabs kaum Gelegenheit, so hektisch wurden Maske und Kostüm gewechselt. Große Gefühle, Gedanken, Visionen? Wahrheit, Liebe, Idealismus sind das, was die Menschheit groß macht, nachdem Gier und Unvernunft fast alles zerstört haben, immer wieder neu. Da hat man schon anspruchsvollere Generalbässe gehört.

Ein Film ohne Herz und Tiefe, zu eifrig erzählt und verschachtelt, als dass irgendeine Szene Eigenleben entwickeln könnte oder wirklich fesselt. Nicht wirklich spannend, nicht wirklich rührend, bedrohlich oder erhebend, keine Lacher, kein Taschentuch, keine Augen zu halten. Ein bißchen SF, ein wenig Historienfilm, etwas Abenteuer, etwas Enthüllungs-Thriller, eine Prise Phantasy, Liebe kommt vor und auch braver Sex – aber wie rasant man es auch zusammenschneidet, ein großer Film entsteht so nicht. Angeblich heißt das Genre “Slipstream“, aber in Cloud Atlas ist dieser Stil zum Demo-Projekt verkommen.

Hollywood liefert Vermarktungsprodukte mit klaren Leistungen und Zielgruppen. Cloud Atlas hat keine Zielgruppe und versteht sich darum vielleicht als Kunstwerk. Doch selbst wenn es nur modernes Popcorn Kino ist und sein will: auch das hat Zielgruppen. In Cloud Atlas ist niemand zu Hause. 

Ich konnte jedenfalls keine Kunst und nur recht “übersichtliche” Unterhaltung erkennen und war recht enttäuscht. Ein wenig Erinnerung kam auf an Magnolia, an Total Recall, Soylent Green (wird sogar zitiert), Matrix natürlich, aber alle sind diesem hier weit voraus. Schade.

Mord und Totschlag am Wegesrand

Eigentlich prüfe ich gerade, was das Social Media Monitoring Tool talkwalker so kann – und bin recht angetan. Nächste Woche werde ich dazu genauer berichten. Heute zum Wochenausklang ist das Thema etwas lockerer.

Als Test-Szenario nehme ich gern deutsche Krimiserien, vorzugsweise Tatort – an irgendwas muss man ja die Funktionalitäten ausprobieren. Und Kunden-Themen sind ungeeignet, wenn man darüber auch noch schreiben will.

Also diesmal “Tatort” und “Polizeiruf 110”: Was hat die deutschsprechende Community denn im Oktober 2012 dazu so alles gesagt?

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