Körper und Seele

Wir hatten wirklich Glück, dass wir uns Teströl és lélekröl, Körper und Seele, gleich zu Anfang der Berlinale ausgesucht hatten, und das gleich doppelt.

Ein etwas anderer Film

Denn erstens ist der Film hervorragend, eine völlig skurile und dabei doch wunderschöne Liebesgeschichte, einfühlsam erzählt mit viel psycholgischem Witz in einer martialischen Umgebung. Am schönsten fand ich die Andersartigkeit gegenüber den sonst üblichen filmischen Erzählstilen.

Ildikó Enyedi dreht meist mit ganz großer Blende, die Kamera-Augen weit aufgerissen sozusagen. Dadurch entsteht ein lustiges Spiel zwischen wenigen scharfen und vielen unscharfen Ebenen. Sie zeigt uns so viele überraschend neue Bilder in ganz alltäglichen und einigen auch nicht so alltäglichen Szenen.

Ebenso ist es in den Dialogen. Hier wird auch nicht jeder Zusammenhang so lange breitgewalzt und erklärt, bis auch der Letzte kapiert hat, wer gerade wen hochnimmt. Man muss schon hinschauen und hinhören.

Und schließlich die beiden Hauptfiguren. Wahrlich keine Abziehbilder und doch so sicher gespielt und verständlich in aller Fremdheit, dass man sie sehr schnell lieb gewinnt.

Körper und Seele geht an die Nieren, so sehr, dass gleich zwei Personen im Publikum schlapp machten. Der Film musste unterbrochen werden, Licht an, etwas Aufregung, Trage, Sanitäter, ein paar ungewisse Minuten, aber dann war wieder alles gut und es ging weiter.

Goldener Bär

Und natürlich ist es schön, den Siegertitel zu sehen, einfach, weil er es nun mal ist. Bei aller cineastischen Vorahnung, das hatten wir beim Kauf vor 10 Tagen wirklich nicht erwartet. Die Story klang einfach spannend und etwas schräg, darum hatten wir diesen Film ausgesucht.

Schwierige Sprache

Der Film wurde natürlich in der Originalsprache Ungarisch gezeigt, mit englischen und deutschen Untertiteln. Ich hab zur Sicherheit beide gelesen, dazwischen war mitunter ein ordentlicher Spannungsbogen.

Für eine deutsche Synchronisation dürfte der Film schon eine Herausforderung sein, lange Sätze wurden zum Teil extrem kurz übersetzt und ebenso umgekehrt. Es war ein wenig wie in der Studio-Szene in Lost in Translation.

Ob synchronisiert oder im Original: auf jeden Fall anschauen, wenn er in die Kinos kommt!

Il Trovatore im Kino

(cc) David Woo

Oper im Kino?

Seit einiger Zeit kann man Inszenierungen des Royal Opera House in London, Covent Garden, als Life-Stream in einem Kino “um die Ecke” sehen.

Solche Aufführungen werden dann zeitgleich in knapp 1.000 Kinos rund um die Welt gezeigt. (Das Bolschoi Ballett hat ein ähnliches Angebot).

Aktuell gesehen

Gestern, am 31.1.2017, war wieder so ein Tag. Gezeigt wurde Il Trovatore von Verdi.

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Die Blumen von gestern

Die Blumen von gestern” sollte man sich anschauen.

Der Plot ist zwar recht konstruiert und nimmt auch noch am Ende Wendungen, die “erzähltechnisch” oder vom Spannungsbogen her nicht notwendig sind. Doch für ein vollständiges Bild ist das durchaus korrekt.

Vollständiges Bild von was? Von unserer nicht abschüttelbaren schuldig-unschuldigen Verstrickung in die Sünden “unserer” Nazi-Deutschland-Großväter. Von unserer betroffenen Kultur des Bewältigens, Aufarbeitens, Abschüttelns, das-muss-auch-irgendwann-mal-ein-Ende habens, Leugnens.

Dieser Kultur der in den letzten 50 Jahren didaktisch wertvoll geläuterten und mehr oder weniger immer noch reuigen Täter und ihrer Kinder und Enkel steht spiegelverkehrt gegenüber die der überlebenden Opfer und Opfer-Nachfahren. Sie ist nicht minder komplex verdreht, authentisch-unaufrichtig, neurotisch, aufgesetzt unbekümmert und ehrlich depressiv.

Mit einem Wort: Das ganze ist schlicht hochgradig pervers. So pervers, dass man schon dauernd aus der Haut fahren und Zähne einschlagen oder sich umbringen kann.

Und das genau zeigt uns Chris Kraus. Manchmal dürfen wir dabei sogar lachen, wie befreiend!

Ja, die Story ist etwas sehr konstruiert, aber die Schauspieler zeigen uns Personen, die in diesem künstlichen Raum durchaus folgerichtig handeln. So verhaltensauffällig, gestört und nervtötend exaltiert Lars Eidinger seinen Toto auch anlegt – es ist nur konsequent (und mitunter recht komisch dazu). So sprunghaft, launisch, mutwillig, manchmal zickig, manchmal depressiv Adéle Haenel auch ihre Zazie zeigt: so muss sie eben sein.

Im Übrigen sind die Stimmungswechsel, die Frau Haenel von einer Sekunde auf die andere in die Kamera zaubert, schon alleine ein Grund, den Film zu sehen.

Mein Fazit

Die Blumen von gestern ist ein schöner Film, ein sehenswerter Film, aber am Ende doch auch ein reiner Kopf-Film. Er verzaubert nicht, beschwingt oder verstört nicht und gibt nicht wirklich Einblick in unbekannte Lebenswelten oder realistische neue Gefühlsräume. Dazu sind alle Figuren ein wenig zu “over the top”, zu sehr aus Figurendruckerei.

Spaß macht der Film trotzdem, das ist doch schon mal was.

La La Land – nicht mein Film

Ich hatte mir wirklich fest vorgenommen, La La Land nicht schon aus Prinzip doof zu finden. Es ist so billig, Hoch-Gelobtes zu dissen! Aber sorry – es muss einfach.

Eigentlich geht’s ja schon beim Titel los. Mag sein, dass das auf Amerikanisch gut klingt, auf Deutsch kling es bescheiden, jetzt mal ehrlich. La-li-lu klang da ja sogar besser.

Dann die Story: wirklich die schlichteste Liebesgeschichte, die man sich denken kann. Nun muss ein Musikfilm natürlich auch nicht einen Anna-Karenina-Plot haben, schlicht und einfach darf es sein, muss es vielleicht sogar. Doch dann sollte man sich der Schlichtheit bewusst sein und nicht die trivialsten Probleme ausdehnen, bis die 120 Minuten gut voll sind. Oder anders gesagt: Das Teil hat massiv Längen.

Die Schauspieler sind auch nur 50% perfekt gewählt. Emma Stone passt gut, Ryan Gosling ist nicht ideal. Okay, er kann tanzen (sie auch!), insbesondere in der langen Szene weit am Anfang. Die ist wirklich klasse, mit viel Schwung und Herz getanzt. Hätte ich nicht gedacht, dass er es dermaßen drauf hat. Seine echten Schauspieler-Qualitäten darf er allerdings nur in der einen großen Streitszene zum Ende hin ausleben. Die übrige Zeit liegen seine Talente eher brach.

Das schlimmste ist: La La Land ist einfach langweilig. Die Musik begeistert nicht, beide können nicht singen und ihre seichten Dialoge sind eben – seicht. Es wird ein wenig über Hollywoods Kunst gefachsimpelt (auch über Jazz) und das Ganze spiegelt sich im Cine-Glamour von Los Angeles. Jeden Schauspieler oder irgend sonstwie am Filmemachen Beteiligten dürften Story wie lokale Atmosphäre im Herzen berühren. Man philosophiert über die eigene Zunft und leidet an den eigenen Daseinsbedingungen. Das kann vielleicht erklären, warum der Film so viele Golden Globes erhielt. La La Land hat die Jury nach allen Regeln der Kunst eingewickelt.

Aus einem Musikfilm muss man summend rausgehend, aus einem Tanzfilm tänzerisch. Nach La La Land summt und tanzt niemand. Wenn der Film irgendwann vielleicht im TV kommt, schau ich ihn mir jedenfalls bestimmt kein zweites Mal an.

 

Leinwand-Tagebuch: diese Filme habe ich gesehen

CC pixabay.com

Was ist das hier?

Ich gehe oft ins Kino, so ungefähr einmal in der Woche. Manchmal schreibe ich was darüber, in Freundesgruppen auf WhatsApp oder in diesem Blog. Das ist mir á la long aber zu rhapsodisch, zu zerfleddert.

Jetzt soll eine Tabelle her, in der ich die gesehenen Filme der Reihe nach eintrage, den frischesten immer zu oberst. Das nenne ich dann “Leinwand-Tagebuch”.

Wenn ich zu einem einzelnen Film außerdem noch ausführlicher was schreiben will – okay, muss nicht, aber kann. Ein Eintrag im Leinwand-Tagebuch ist Pflicht.

Noch ein paar Vorbemerkungen

  • Das Sortierkriterium ist das Datum, die Spalte “gesehen”. An dem Tag habe ich den Film gesehen.
  • Die Einträge in der Spalte “Seite / Link” verweisen jeweils auf eine Webseite zu dem Film, also mal die eigene Seite, mal Wikipedia, mitunter auch mal ein Beitrag in Movie Pilot.
  • In der Spalte “Urteil” steht meine Gesamtbewertung. So alles ab Note 7 aufwärts ist aus meiner Sicht sehenswert. Und alles ab Note 4 abwärts sollte man meiden.
  • Die Tabelle habe ich mit dem WP-Plugin “Tables by Subsystic” erstellt. Auswahlkriterium: viele gute Bewertungen und kompatibel mit meiner WP-Installation. Besonders begeistert bin ich aber nicht. Ich muss wohl noch etwas üben, damit umzugehen.
  • U.a. wird die Tabelle noch nicht richtig als Tabelle angezeigt, eigentlich soll sie quer mit nur einer Überschriftszeile. Möglicherweise muss ich dazu erst mein Theme “twenty-ten” anpassen. Immerhin: Lesbar ist es ja, nur nicht besonders schön.

Leinwand-Tagebuch

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Im fernen Osten: ein Lied vom Russisch-Japanischen Krieg

Als ich ein kleiner Junge war, sang mir meine Mutter gelegentlich Lieder vor. Meist waren es einfache Kinderlieder, aber ich erinnere auch ein schaurig-schönes, das ich besonders gern hatte. Es handelt von einem russisch-japanischen Liebespaar, das der Krieg zusammenführte und auch wieder trennte.

Ich habe dieses Lied nicht im Internet gefunden, nur Auszüge auf der Seite einer fränkischen Forschungsstelle für Volksmusik.

Hier stelle ich jetzt den mir bekannten vollständigeren Text vor und auch die Melodie, zu der meine Mutter das Lied gesungen hat.

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66. Berlinale 2016

IMG_0190Wir hatten 2015 viel Freude an der Berlinale. Dieses Jahr wollten wir diesen Spaß noch etwas steigern. Bisher hat’s geklappt.

Wenn Sie wissen wollen, wie wir uns durch das Programm erfolgreich durchgeschlängelt haben – hier steht es:

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Zero – ein Cyber-SciFi-Krimi

zero

Das Titel-Monstrum zeigt: es ist gar nicht so einfach, das Genre dieses Romans richtig zu beschreiben.

  • Krimi – denn Menschen werden in dem Roman aus ausgesprochen niedrigen Beweggründen getötet. Und alle suchen den Täter, aber niemand kann glauben, wer’s wirklich war.
  • SciFi – denn manches ist dann doch zu abgefahren, als dass es schon in einigen Ecken des Silicon Valley Realität sein könnte. Auch gut ein Jahr nach Erscheinen dudelt immer noch Zukunftsmusik im Hintergrund.
  • Cyber – denn es geht ums Internet, die Macht der Apps, ihre alles kontrollierende Präsenz und die Schwächen unserer Datensicherheit und unseres Datenschutzes.

Man könnte Zero aber auch durchaus einen politischen Roman nennen. Eine Kampfschrift gegen übermächtige Datenkraken und einen Appell an uns, kritisch und wehrhaft zu bleiben.

Dafür spricht unter anderem, dass der Autor eine zwar marketing-technisch voll aufgebrezelte, aber letztlich doch recht engagierte Seite betreibt: www.marcelsberg.de. Hier findet man mehr rund um private Transparenz und möglichen Schutz vor zu viel Intimitätsverlust, als auf manchen offiziellen Seiten zu dem Thema.

Worum es in Zero geht

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“The Revenant” oscarverdächtig?

Schöne Bilder und ein guter Schauspieler, das ist schon viel. Und “The Revenant – Der Rückkehrer” bietet das, keine Frage.

Doch dann kommen die Abers, leider:

  • Die Story ist recht platt und sehr vorhersehbar
  • Die Bilder sind toll, aber das sind die bei National Geographic auch
  • Regie und Drehbuch sind nachlässig, als ob es auf Details nicht mehr ankäme:
    • an völlig unberührten Orten ist der Schnee bereits zertrampelt, wer war da denn schon?
    • ein über Wochen völlig ausgehungerter Mann steht danach nackt vorm Doktor und ist wohl genährt
    • er stürzt in reißendes Eiswasser und wird kilometerweit mitgerissen, dann krabbelt er aus dem Wasser, schüttelt sich und macht Feuer. Doch nirgends hätte er trockenes Gras o.ä. finden können und eigentlich ist man nach 10 Minuten bei 0°C ja sowieso tot.
    • er stürzt verletzt eine hohe Klippe runter, landet in einer Tanne und steht dann einfach wieder auf.
    • er schläft in der Wildnis neben toten Tieren und kein Wolf und keine Wildkatze bedrohen ihn.

Ja, Di Caprio spielt gut und es war sicher sehr anstrengend für ihn. Doch in weniger effekthascherigen Umgebungen kommt sein Können besser raus. Er braucht keine tiefen Wunden, großen Schmerzen und die Weite Kanadas im Hintergrund, um zu überzeugen.

Es ist ein Film über das Leiden. Denn viel Brutalität und schweres Leid muss der Mensch hier aushalten, von der Natur zugefügt wie auch von anderen Menschen. Und zwischen all die Grausamkeiten werden dann ein paar Sinnfetzen zum Nachdenken geworfen. Eine zu kurze Klagerede eines alten Indianers über weißes Unrecht. Und immer wieder vieldeutige Flüsterworte einer verstorbenen Frau, die manchmal über dem Schnee schwebt. Als wenn beim Schnitt einer gerufen hätte: “Wir müssen noch ein wenig Anspruch für die Möchtegern-Philosophen reinbringen!”

Mit viel Mühe gemacht, aber nicht zu Ende gedacht. Ein guter Film braucht nicht nur gute Leute und viel Anstrengung, er muss auch als Werk begeistern. “The Revenant” begeistert nicht.

Mein Recht im Netz – die komplette Inhaltsübersicht

Im Herbst 2015 ist “Mein Recht im Netz” bei der Stiftung Warentest erschienen. Der Titel klingt interessant, aber um was es genau darin geht, ist vermutlich gar nicht so leicht zu erkennen.

Auf der entsprechenden Webseite von test.de findet man immerhin eine Kurzbeschreibung zum Inhalt mit einigen weiteren Stichworten sowie der Möglichkeit, einige Seiten des Buchs zu besichtigen. amazon.de und thalia.de haben Teile dieser Informationen übernommen.

Wir werfen hier jetzt einen ausführlichen Blick ins Buch.

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