Bürokratie und Flüchtlingshilfe

FlchtlingeNun war ich schon einige Male in meinem Rathaus Wilmersdorf um die Ecke, ich habe es wirklich nicht weit, mit dem Fahrrad 4 Minuten. Aber mein Ziel, irgendwie mit Familien und Kindern zusammen zu arbeiten oder besser: diese zu unterstützen, da bin ich noch nicht angekommen.

Doch das liegt an mir. Denn wenn ich mir die möglichen Einsatzbereiche anschaue auf der wirklich guten Seite Volunteer-Planner (Besuch zu empfehlen, viele Standorte aufgeführt. Man muss sich nur einmal kurz registrieren, geht ganz schnell) – also wenn ich mir da anschaue, was aktuell gebraucht wird, dann fällt schon mal ganz viel weg, weil ich nicht Kurdisch oder Farsi oder oder kann.

Und dann geht’s weiter: Für die Kantine brauche ich die weiße Karte des Gesundheitsamts (das ist die normale rote Karte für die Beachtung der Lebensmittelhygiene, nur gebührenbefreit für Ehrenamtliche). Und für die Arbeit mit Kindern muss ich das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis vorweisen. “Erweitert”, weil dann nicht nur im Vorstrafen-Register geschaut wird ob was vorliegt, sondern noch in irgendeiner anderen Datei, die kritische Vorfälle mit Kindern enthält. Keine Frage, “erweitert” macht nur Sinn, muss sein.

Und so lange ich beides nicht habe und keine interessante Sprache spreche, bleibt eigentlich nur Spenden-Management.

Aber nun habe ich beide Dokumente, hurra! und der Weg dahin war interessant. Vielleicht geht den ja nochmal jemand, dann kann er sich unter anderem hier orientieren.

Weiße Karte vom Gesundheitsamt

In Wilmersdorf folgt man diesem Link. Darüber bucht man einen Termin (ohne geht das nicht). Das ist eine ganz einfach Kalender-Anwendung. KalenderDen Termin kriegt man dann nochmal per E-Mail bestätigt. Es gibt sogar einen Storno-Code, wenn man plötzlich doch nicht kann. Man sollte etwa 10-15 Minuten vorher kommen. Am Tresen muss man gleich sagen, dass das ehrenamtlich ist, dann kostet der Spaß nichts und die Karte ist am Ende weiß und nicht rot. Die rote Karte kriegen die Brötchenverkäuferin und Currywurstmann.

Dann geht’s in einen Raum mit 50-60 Plätzen, der ist recht voll (darum nur Terminkunden und darum etwas früher kommen). Man sieht zusammen einen Film von ca. 25 Minuten zum Thema hygienischer Umgang mit Lebensmitteln aber auch und zuerst mit sich selbst. Die Kernbotschaften waren für mich:

  • oft, lange und gründlich Hände waschen und
  • wer Magen-Darm-krank ist, geht nicht zur Arbeit sondern zum Arzt

Dann wird jeder aufgerufen und erhält seinen Schein, den Empfang muss man kurz quittieren. Das läuft alles in freundlicher und ziemlich lockerer Atmosphäre.

Also bis jetzt war nicht viel mit Bürokratie. Aber ich hab ja noch ein Thema.

Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis

Das epFz (meine Abkürzung) erhält man auf Antrag. Den kann man online stellen, doch wenn man liest, was dazu notwendig ist, hofft man auf einen Alternativweg. Den gibt es: persönliche Vorsprache im Rathaus. Dazu muss man laut Internet einen Termin machen. Aber das funktioniert bei mir irgendwie nicht. Der Kalender dafür ist nicht buchbar.

Ich bin dann einfach mal zum Bürgeramt gegangen (Hohenzollerndamm 177, da, wo auch das Gesundheitsamt ist). Es war grad überhaupt keine Schlange, ich kam sofort ran. Perso hatte ich dabei, aber nicht das Schreiben von der anfordernden Stelle. Das wird aber gebraucht, also war erst mal nix, blöd.

Die Tage drauf war da dann immer eine Riesenschlange. Und so hab ich mir die Seite mit den Online-Anforderungen doch nochmal genauer angeschaut.

Das muss man alles haben bzw. sich besorgen:

Neuer Personalausweis mit eID-Funktion

Hab ich zum Glück schon, ich hatte mir damals auch den selbstgewählten Pincode notiert.

Kartenlesegerät

Hab ich nicht. Über “Kartenlesegerät für Personalausweis” finde ich aber diverse Geräte im Internet.

Ein zuverlässige Information, welche davon auch unter Win 10 laufen, entdecke ich allerdings nicht, nur ein paar widersprüchliche Forendiskussionen dazu aus dem Sommer 2015.

Ich denke mir: es kann nicht sein, dass bei Windows 8 Schluss ist und entscheide mich mutig für den “ReinerSCT cyberJack RFID Basis” (knapp 30€).

Der kommt schon am nächsten Tag und ist sehr unscheinbar und leicht, ganz kurze Schnur mit USB Anschluss. Beim Reinstecken blinkt er einmal kurz grün, dann Stille.

Bei ReinerSCT finde ich nach längerem Rumgeklicke dann tatsächlich einen Treiber für Windows 10 zum Downloaden. Das könnten die Reiner-Leute mal etwas prominenter rausstellen, finde ich, ist wirklich gut versteckt.

Ob das Gerät nach dem Treiber-Update nun ordnungsgemäß funktioniert, kann ich nicht erkennen. Dazu gibt es keine Dialoge. Und beim Support kann ich mich auch nicht anmelden, weil deren Webseite meine E-Mail-domain @apel.berlin für unzulässig hält. Naja, das ist ja auch erst 18 Monate Jahre her, dass es so was gibt, da kann man sich sicher noch ein paar Jahre Zeit lassen…

AusweisApp2

Dann braucht man noch die Lesesoftware AusweisApp2, die kann man sich auch downloaden. Google findet sogar “AusweisApp2 für Windows 10”, supi! – doch zu früh gefreut. Über Windows 10 steht auf der Trefferseite gar nichts, nur dass es die App für Win 7 und 8 gibt und in 2016 dann auch für iOS. Toll.

Gibt man “Windows 10” im Suchfeld ein, kommt ein unbeantworteter Hilferuf eines Kunden mit Hinweis auf Fehlermeldungen, die bei ihm erscheinen, sonst nichts.

Ich verlier meinen Optimismus aber nicht und lade die Version für Windows 8 runter.

Das war wohl nicht so schlau, denn bei der anschließenden Installation raucht mein Rechner komplett ab mit bisher unbekanntem vernebeltem Bildschirm. Au Backe. Ich schalt ihn aus und kurz darauf wieder an – wie, war was?

Die App ist da, das Gerät wird erkannt, keine Fehlermeldung, und wenn ich meinen Perso da drauf lege, leuchtet die Diode grün. Na, wer sagt’s denn! Ganz koscher ist die Sache zwar nicht, AusweisApp2 ist weiterhin der Ansicht, mein Rechner würde unter Windows 8 laufen, na soll sie das eben glauben, so lange sie sonst spurt. Und das tut sie.

Digitales Erfassungsgerät

Gemeint ist wohl ein Scanner, ja, hab ich. Keine Ahnung, wozu ich den noch brauchen soll.

Den Antrag online stellen

Jetzt geht es also los, ich folge den Links:

Portal

  • Und von da ab geht es eigentlich immer geradeaus

ProzessMit der Zeit hat man eine ganze Reihe von Fenstern vom BfJ geöffnet.

Ganz zu Anfang kommt jetzt die Technik zum Einsatz. Man legt den Perso ins Lesegerät, die Diode leuchtet und das BfJ bzw. die App verlangt den Pincode. Das wird kurz geprüft, dann kann der Perso schon wieder entnommen werden.

Ich habe mich so gerade im Internet ausgewiesen, eine Art Ident-Service, nur ohne Post.

Doch dann gleich Schreck: Das BfJ stellt fest, dass mein Geburtsname auf dem Perso  fehlt!

Wie – Geburtsname? Ich bin doch männlich. Na, ist ja eigentlich klar, dass das kein reines Mädels-Thema mehr sein kann, Jungs haben auch einen Geburtsnamen. In Bad Homburg hat die ausgebende Stelle wohl nur versäumt das Feld zu pflegen.

Welchen Geburtsnamen habe ich? Das sagt die Geburtsurkunde. Zum Glück ist die zur Hand. Scannen (dazu also der Scanner), Datei hochladen, erledigt.

Nachdem ich mich vollständig ausgewiesen habe (mit Geburtsnamen!), kann ich auswählen, was ich eigentlich will. Das ist eine recht lange Liste, beeindruckend, was man alles schon Online beantragen kann. Wenn hier noch mehr Prozesse zusammenkommen, ist die reine Listendarstellung allerdings nicht mehr sinnvoll. Das Ganze ist schon jetzt grenzwertig.

Irgendwo in der Liste ist jedenfalls auch “Führungszeugnis”. Da klicke ich drauf.

Die Online Anwendung will nun wissen, wie schon die Dame im Bürgeramt, wer denn das epFz von mir haben will. Ein Anforderungsbeleg muss eingereicht werden. Ich lade das entsprechende E-Mail und meinen Erfassungsbogen “Schulpatenschaft” hoch. Den Scanner braucht man also wirklich.

Jetzt geht’s ans Bezahlen. Da das ehrenamtlich ist, bin ich von den Kosten befreit. Doch ich muss das irgendwie nachweisen. Zur Sicherheit lade ich nochmal die beiden Doks hoch, man weiß ja nie, ob die prüfende Stelle von alleine den Zusammenhang herstellen kann. Immerhin, den Schritt “Bezahlen” scheine ich damit hinter mir gelassen zu haben.

Fertig? Nee. Nun muss noch eine eidesstattliche Versicherung downgeloaded, unterschrieben und wieder hochgeladen werden. Darin steht, dass ich alles wahrheitsgemäß angegeben habe und alle Doks nach meinem Wissen echt und korrekt sind. Inhaltlich kein Akt, nur technisch wieder Gefummele. Irgendwann ist auch das erledigt.

Und dann ist es geschafft. Alles zusammen habe ich daran vier Stunden gesessen, aber mit Abstand die längste Zeit ging für den Spaß mit Hard- und Software drauf. Wenn man alles sicher beherrscht, keine Fragen hat, jeden Link gleich findet, alle Doks zusammen hat, dann braucht man für den Hard- und Software-Setup vielleicht 15 Minuten und für den Antrag selbst auch nochmal 15.

Und ob man’s nun glaubt oder nicht: Das war vor vier Tagen, und gestern kam das Zeugnis, schön, auf grünem hoheitlichen Papier mit Bundesadler.  Wow! Die persönlichen Daten sind korrekt und bei “Einträge” steht lapidar: Keine. So soll’s sein.

Graue Haare kriegt man hier also nicht wegen der Bürokratie, sondern, wenn überhaupt, wegen der verbesserungsfähigen Kundenorientierung bei den Hard- und Software-Providern. Das nervt etwas. Windows 10 noch nie gehört? Kein Hinweis für die unsicheren Kunden? Aber die haben vermutlich auch alle genug zu tun.

Also Ende vom Lied: alles gut, schneller als gedacht.

Nachtrag aus dem Dezember 2015: Vor einigen Tagen wurde er Prozess rund um das epFz für Ehrenamtliche anscheinend deutlich vereinfacht, wie dieser Beitrag hier zeigt. Sehr schön, vielleicht hat mein Bericht ja auch etwas dazu beigetragen.