Ausland fühlt sich komisch an

Nun bin ich zum x-ten Male in Frankreich und dieses Land ist mir auf viele Weisen gut vertraut. Zudem ist es uns Deutschen nah, rein räumlich wie auch kulturell, wirtschaftlich, historisch. USA, England oder die Türkei sind uns ferner, fremder.
Und doch: wie wundere ich mich ein ums andere Mal über die Sonderbarkeiten hier – und wähne mich auch durchaus arrogant darüber stehend. Der Hurra-Patriotismus des Fernsehens, der Chauvinismus in Sachen eigene Lebensart und auch Sprache, die Rücksichtslosigkeit auf der Straße und Vieles mehr – Manches würde ich hier gerne ändern.

Meine Sorge: Das geht sehr Vielen so, Ausland fühlt sich für jeden komisch bis fremd an. Aber wenn es so ist – welche Chancen haben wir dann, Europa noch enger werden zu lassen?

Mir scheint, viele dieser “Merkwürdigkeiten” im Ausland sind eher Soft-Facts, Ussancen, Stilfragen, mitunter sogar Missverständnis-basiert. Kommt es zu normalen “Geschäftsprozessen der Gesellschaft” (Einkauf, Arztbesuch, Studium, Immobilienkauf, Erbschaft etc.), dann ist das weitgehend vertraut und nur nuanciell verschieden.

Trotzdem “reibe ich mich” an Mancherlei. Sind es nicht gerade die Stilfragen, die darüber entscheiden, ob und wieweit man sich vertraut? Kann also noch mehr Integration in Europa gut gehen, die doch auf noch mehr Vetrauen fußen muss?

Eine sehr einfache Frage hilft, dass alles zu relativieren: Könnte ich in diesem Land alt werden? Dauerhaft hinziehen, dorthin, wo es warm ist und als Rentner Tomaten züchten?

Antwort: Nach Stuttgart oder München würde ich nicht wollen, nach Aix-en-Provence oder Montpellier schon. Diese Erkenntnis hat mich selbst verblüfft. So schlimm kann es mit der fremden Kultur wohl doch nicht sein.

Vielleicht ist diese Frage ein ganz guter individueller Lackmus-Test auf gefühlte Fremdheit eines Landes. Ob wir so auch das Maß unserer bevorstehenden Integrationslast abschätzen können, steht auf einem anderen Blatt.

Schreibe einen Kommentar