Zero – ein Cyber-SciFi-Krimi

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Das Titel-Monstrum zeigt: es ist gar nicht so einfach, das Genre dieses Romans richtig zu beschreiben.

  • Krimi – denn Menschen werden in dem Roman aus ausgesprochen niedrigen Beweggründen getötet. Und alle suchen den Täter, aber niemand kann glauben, wer’s wirklich war.
  • SciFi – denn manches ist dann doch zu abgefahren, als dass es schon in einigen Ecken des Silicon Valley Realität sein könnte. Auch gut ein Jahr nach Erscheinen dudelt immer noch Zukunftsmusik im Hintergrund.
  • Cyber – denn es geht ums Internet, die Macht der Apps, ihre alles kontrollierende Präsenz und die Schwächen unserer Datensicherheit und unseres Datenschutzes.

Man könnte Zero aber auch durchaus einen politischen Roman nennen. Eine Kampfschrift gegen übermächtige Datenkraken und einen Appell an uns, kritisch und wehrhaft zu bleiben.

Dafür spricht unter anderem, dass der Autor eine zwar marketing-technisch voll aufgebrezelte, aber letztlich doch recht engagierte Seite betreibt: www.marcelsberg.de. Hier findet man mehr rund um private Transparenz und möglichen Schutz vor zu viel Intimitätsverlust, als auf manchen offiziellen Seiten zu dem Thema.

Worum es in Zero geht

Eine Old-School-Reporterin wird von ihrer 16-jährige Tochter, deren Freunden sowie einigen jüngeren Kollegen in die Welt der sozialen Netze und persönlichen Support-Apps eingeführt. Internet und e-Mail sind ihr natürlich bekannt, aber dann ist auch schon bald Schluss. Viel ungläubig-ablehnendes Staunen begleiten ihren Entwicklungsprozess der ersten Kapitel. Die meisten Leser werden so genau da abgeholt, wo auch die Hauptfigur zu Beginn steht.

Recht geschickt werden dabei bereits etablierte Techniken (Datenbrille, Gesichtserkennung), mit solchen in der Versuchsphase (zum Beispiel das predictive buying von Amazon) und weiteren, die wohl erst in einigen Jahren bereitstehen werden (erfolgreiche Lebensratgeber-Apps), vermengt. An keiner Stelle entsteht dabei der Eindruck: das wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Ganz klar: Zero richtet sich an uns, jetzt.

Ob Cyber-Technik von morgen oder schon von heute, der Heldin ist davon praktisch alles neu. Alles muss sie jetzt ganz hurtig im Schnelldurchgang verstehen und zu nutzen lernen, Crashkurs passt gut. Denn durch einige nicht allzu plumpe Zufälle gerät sie sofort in den Mittelpunkt einer recht dramatischen Verfolgungsjagd mit zahlreichen aggressiven Jägern. Sie kommt in große Gefahr, ein Freund ihrer Tochter sowie zwei Kollegen werden sogar getötet.

Dann ist da auch noch ihr Chef, der sie permanent bedrängt, eine brandheiße Story zu dem um sie tobenden IT-Krieg zu liefern. Ganz verstanden hat er, der Chef, die neue Welt nicht, aber seine Dollarwitterung (ver)führt ihn.

Nicht so unsere Heldin:  sie lernt fix und mit ihrem neu erworbenen Wissen wird sie bald zur selbstbewussten, klug handelnden, nicht korrumpierbaren Akteurin. Sie ahnt eine große Daten-Manipulation hinter all den Apps und Datenbrillen. Um die große Verschwörung aufzuklären, geht sie neue Risiken ein – und lässt Chef und Job links liegen.

Ganz alleine kämpft sie indessen nicht. Da ist einmal eine Art militante IT-Greenpeace Organisation („Zero“), die die ganze Story sogar zunächst ins Rollen gebracht hatte mit einem Foto-Drohnen-Angriff auf den amerikanischen Präsidenten. Die Heldin unterstützt nach kurzer Zeit Zeros Ziele und erhält so umgekehrt auch Unterstützung.

Und da sind die mächtigen sozialen Medien mit ihrer Crowd-Kommunikationsmacht, die altmodische News-Formate, wie Zeitungen oder TV-Sendungen zunehmend in den Hintergrund drücken. So kommen Wahrheiten ans Licht, die die Verschwörer mit viel Manipulations-Tricks unbedingt vertuschen wollten.

Ist Zero lesenswert?

Ja, ich finde schon, denn Zero ist recht spannend geschrieben.

Schwaches Kriterium: „spannend geschrieben“, zumal für einen Krimi? Stimmt. Mir ist es hier aber doch wichtig. Denn die kritischen Botschaften des Romans sind:

  • Wir werden alle laufend und zunehmend im Internet überwacht. Nicht nur von Behörden und Diensten sondern primär von unkontrollierbaren Unternehmungen. Sie wissen schon jetzt mehr über uns, als sich die meisten vorstellen können.
  • Mit den eigenen Daten und der eigenen digitalen Privatsphäre darf man nicht unbefangen umgehen. Apps, die umsonst sind, sollte man misstrauen. Sie verdienen ihr Geld mit und durch unsere Daten.
  • Man muss die Techniken kennen (lernen), wie man seine Privatsphäre vor zu viel Transparenz und Info-Ausplünderung schützen kann.

Das sind trockene und unbequeme Wahrheiten. Schon jetzt stimmt das ja alles – aber wer setzt sich damit wirklich auseinander? Einige wenige. Darum ist es gut, dass hier diese Erkenntnisse auf plausible Weise anschaulich gemacht werden, eingebettet in einen gut lesbaren, spannenden Krimi.

Das Buch gibt es gebunden, als eBook und auch als Hörbuch. Der Link hier führt zur Kindle-Ausgabe von Amazon.

Und wenn Sie nicht so auf Krimi und Fiction stehen: Die aktuellen Bedrohungen sowie private Möglichkeiten sich zu schützen, stelle ich auch in meinem Buch „Mein Recht im Netz“ vor.

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