7 Thesen zum Stand von Social Media 2012

Auf die Frage: „Wie steht es um Social Media?“ bekommt man vermutlich so viele Antworten wie man Menschen fragt.

Ein recht kompetenter Mensch, Brain Solis, wurde Anfang Februar 2012 von intervistato befragt. Die Fragen stellte Maria Petrescu, Direktor von intervistato. Aufmerksam wurde ich auf das Interview erst durch einen Beitrag von Jeff Bullas in diesen Tagen, die intervistato-Leute veröffentlichen selbst in italienischer Sprache.

Das Interview (26 Minuten) ist in englischer Sprache (gut verständlich) und auch nach 3 Monaten noch aktuell, hier der link.

Für einen ersten Eindruck habe ich 7 Kernaussagen aus dem Interview herausgehört und hier kursiv zusammengestellt:

  1. Content Curation hat bereits eine enorme Entwicklung hinter sich und wird sie in 2012 fortsetzen, mit besseren, beeindruckenderen Tools. Das Thema hat profunde Bedeutung für Social Media, wird immer wichtiger.
    Anm. trickr: Was ist Content Curation? Hier eine ganz gute Definition.
  2. Keines der aktuellen SM Monitoring Tools kann den Einfluß von Social Media messen, weil Einfluß bedeutet, dass Verhalten geändert wird, ideal: gekauft wird. Und diese Verhaltensänderung liegt in der Regel außerhalb der Messwelt dieser Tools. Aber Einfluß ist wichtig. Will man ihn messen, bedarf es weitergehender Verfahren als nur den Einsatz von SM Tools. Man muss herausbekommen, was alles zu der Marke gesagt und geteilt wird, von wem und auf wen es wirkt.
  3. Die Trennung Content vs. Advertising ist in den meisten Social Media Marketing Ansätzen noch zu ausgeprägt. Gutes Advertising ist so in den Content integriert, dass man hineingesogen wird und davon noch anderen berichtet (Bsp. Old Spice).
  4. Manche Manager verstehen den Sinn von Social Media immer noch nicht, halten das für das Medium von Kindern. Von CNN wurde berichtet, dass jede Sekunde einer ihrer Beiträge getweetet wird. Da werden völlig kostenfrei neue Zielgruppen erreicht, die man sonst nie erreichen würde. Hier liegen die große Potenziale. So eine Position setzt leadership voraus, und die muss man sich verdienen durch guten Content und Content Curation.
  5. Es geht weniger darum, die Fans und Follower und Klicker, die man hat, zu analysieren. SM Monitoring schaut zu sehr nach hinten. Interessant ist und immer interessanter wird SM Intelligence, z.B. die Frage, was und wen  hat man nicht? Was wird über meine Marke nicht gesagt? Diese Menge ist viel größer und sehr aufschlußreich. Es gibt eine Starbucks-Studie aus 2011, die hier neue Analyse-Dimensionen aufzeigt.
  6. Viele Unternehmen haben SM nicht wirklich integriert, sie haben sein Wesen nicht verstanden sondern es als eine mediale Abteilung z.B. bei Marketing angesiedelt. Eine Beschwerde z.B. via twitter wird da zwar erkannt / gesehen, aber man hat nicht die Kompetenz, diese angemessen zu bearbeiten, das macht ganz woanders die Beschwerdeabteilung. Das konnte man 100 Jahre lang so machen, aber nun ist es anders. SM verlangt, dass die ganze Marke zum Kunden als einer, mit einer Stimme, mit einem Gesicht spricht.
  7. Social Media wird immer noch zu sehr medial gesehen, als technische Marketing Disziplin. Viel interessanter sind die Veränderungs-Impulse, die es im Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft, der Politik, in der Kultur auslöst. Die Zunft der Zukunft gehört weniger den SM Ingenieuren als den Change Agents, die technischen Entwicklungen in neue Lebenswelten umsetzen.

Alle 7 Thesen sind Auszüge aus dem Interview, so wie ich sie verstanden habe. Den meisten Thesen stimme ich voll zu, Nr. 2 ist mir ein wenig zu streng. Ein Thermometer oder Luftdruckmesser macht auch keine Wettervorhersage, aber liefert wichtigen input dafür. Ohne ginge es nicht. Die Frage ist nur, ob man bei den Ergebnissen dieser Tools stehen bliebt oder weiter schaut. Vor diesem Problem stehen Kommunikation und „Werbung“ ja generell. 1000er Kontaktchancen sind auch nicht das Gleiche wie Einfluß.

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