Hallo! Braucht jemand Mobile SEO?

Social NetworkBisweilen tauchen Begriffe im Online-Marketing geradezu kometenhaft auf und werden vielfach diskutiert, wobei man sich fragt, welche Wichtigkeit das Diskutierte nun tatsächlich besitzt. Mobile SEO ist so ein Fall. Nahezu täglich stößt man auf Zahlen zur mobilen Internetnutzung. Sie machen deutlich, dass es stetig lukrativer wird, als Betreiber einer kommerziellen Website auch mobile Internetnutzer im Blick zu halten und gezielt um sie zu werben. Aber welche Rolle spielt Mobile SEO? Ist es eine eigenständige Onlinemarketing-Disziplin oder praktisch genau dasselbe wie SEO (Suchmaschinenoptimierung) für klassische Websites, weshalb man gar nicht über Mobile SEO reden muss? Versuchen wir uns an einer Antwort.

Warum Mobile wichtig ist

Klären wir zunächst vielleicht kurz, warum mobiles Internet für viele Betreiber kommerzieller Internetseiten stetig wichtiger wird. In der Studie „Mobile Internetnutzung“ von TNS Infratest im Auftrag der Initiative D21 gaben 2012 insgesamt 27 Prozent der Befragten an, (auch) mobil ins Internet zu gehen. In der 2013-Version der Studie waren es bereits 40 Prozent. Mobile Internet-Nutzung wächst rasant und das auch in der Gruppe der Silver Surfer ab einem Alter von 50.

„In der Altersklasse der 50 bis 64-Jährigen ist der Anteil der Smartphone-Besitzer allein in den vergangenen gut sechs Monaten um die Hälfte gestiegen – von 26 auf 39 Prozent“, berichtete zum Beispiel der Hightech-Verband BITKOM im Juni 2013. Und die Wirtschaftsprüfer von Deloitte sahen Ende 2012 ein Potenzial von 26 Millionen möglichen Kunden in der Gruppe 55+ in Deutschland.

Letztlich bedeutet das: Auch für Anbieter im Internet, die Senioren als ihre Zielgruppe definiert haben, wird es zunehmend wichtiger, sich auf mobiles Internet einzustellen und Surfern mit Mobile-Geräten passende Seiten anzubieten. Anders ausgedrückt: Es gibt keine Altersgruppe mehr, für die mobiles Internet keine Bedeutung mehr hat. Und das steigert auch die Bedeutung der Frage, wie man Internetauftritte für mobile Internetnutzer optimiert und wie man bei passenden Suchanfragen mobiler Suchmaschinennutzer prominent in der Ergebnisliste auftaucht. Hier kommt dann (möglicherweise) Mobile SEO ins Spiel.

Ist Mobile SEO eine eigenständige Disziplin?

Definiert man eine eigenständige Onlinemarketing-Disziplin als etwas, was Maßnahmen beinhaltet, die sich substantiell von denen anderer Onlinemarketing-Disziplinen unterscheiden, handelt es sich bei Mobile SEO wohl eher nicht um eine eigenständige Disziplin. Bei Mobile SEO existieren wie bei SEO für die Nutzer stationärer Computer die Maßnahmen-Kategorien „Onsite“ (z.B. mit Keywords in Texten) und „Offsite“ (mit Linkbuilding) und die Benutzerfreundlichkeit von Websites spielt fürs Ranking in Google ebenfalls eine Rolle. Insofern ist Mobile SEO im Prinzip dasselbe wie „SEO“ und letztlich nichts, worüber gesondert diskutiert werden müsste: „Mobile SEO“ ist ein überflüssiger Begriff. Stimmt das? Das nun wieder eher nicht.

Mobile SEO: Braucht keiner?

Nehmen wir als Grundlage für mögliche Antworten einmal eine Website mit Responsive Webdesign, weil Google Responsive Webdesign als Möglichkeit empfiehlt, Internetauftritte an die jeweiligen Bedürfnisse von Internetnutzern mit Geräten, die verschiedene Displaygrößen besitzen, anzupassen. Responsive Webdesign sorgt dafür, dass – abhängig von der Displaygröße – unterschiedliche Varianten ein- und derselben Website angezeigt werden. Das Prinzip unterscheidet sich damit beispielsweise von Weiterleitungen, bei denen Mobile-Nutzer auf spezielle Mobile-Seiten umgeleitet werden.

Nimmt man SEO für Websites mit Responsive Webdesign, so ist Linkbuilding beim Mobile SEO praktisch identisch mit dem Linkbuilding für die Website ohne eine Variante für Mobile-Nutzer. Hier macht es also eher wenig Sinn, von einem separaten Mobile SEO zu sprechen. Etwas anders kann das bei Keywords in Texten und Kategorie-Namen etc. aussehen, weil bei mobiler Suche – vor allem mit Smartphones – schwerpunktmäßig möglicherweise andere Keywords verwendet werden als bei der Suchmaschinen-Nutzung am PC.

So veröffentlichte etwa das Magazin Suchradar 2011 einen Artikel über Unterschiede zwischen Keywords für mobile und stationäre Suche auf der Basis des heute nicht mehr existierenden Google AdWords Keyword Tools. Zwei der damaligen Erkenntnisse: Mobil sind Suchen nach Kontaktmöglichkeiten wie etwa „adac hotline“ sowie Suchen mit der Struktur „Branche + Stadt“ (z.B. „Restaurant + Köln“) häufiger als bei der Suche mit dem PC. Das sind Indizien dafür, dass die Seitenvariante fürs mobile Internet mit etwas anderen Keywords optimiert werden sollte als die PC-Website.

Thema „Benutzerfreundlichkeit“ und ein Fazit

Für Google wie für andere Suchmaschinen ist Benutzerfreundlichkeit der Websites, die weit oben in Suchergebnislisten aufgeführt sind, nahezu ebenso wichtig wie für die Website-Besucher selbst. Listen Suchmaschinen überwiegend Seiten auf, die den Nutzer aufgrund mangelnder Benutzerfreundlichkeit verärgern, fällt das auch auf die Suchmaschine zurück und könnte sie mittelfristig Marktanteile kosten.

Mobile SEO ist ein gutes Stück weit auch ein Streben nach Benutzerfreundlichkeit mobiler Websites, weil benutzerfreundliche Websites auch Google gefallen und hohe Benutzerfreundlichkeit zumindest indirekt ein zusätzliches Instrument ist, um das Google-Ranking von Websites zu verbessern.

Und hier offenbaren sich vielleicht die größten Unterschiede zu klassischem SEO, weil Benutzerfreundlichkeit bei Mobile-Seiten teils etwas anderes bedeutet als bei Websites für PC-Bildschirme:

  • Website-Elemente mit hoher Datenmenge können mobil nach wie vor eher zu längeren und damit nachteiligen Ladezeiten führen
  • mobile Websites wirken auf den kleineren Bildschirmen tendenziell schneller überfrachtet und
  • Elemente wie klickbare Telefonnummern gewinnen an Bedeutung.

All das macht Unterschiede deutlich, wegen denen es durchaus Sinn macht, Mobile SEO als eigenständigen Unterbereich von SEO zu sehen, der teils andere Schwerpunkte als klassisches SEO setzt. Aufgrund dieser Unterschiede hat der Begriff „Mobile SEO“ seine Berechtigung, wenn auch nicht als eigenständige Onlinemarketing-Disziplin. Sieht es jemand anders?

Über den Gast-Autor

ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Lokalisierung spezialisiert. Lingo24 ist auch auf Twitter: @l24de.