Wie Unternehmen Google Street View nutzen

Der Start von Google Street View in Deutschland eröffnet werbetreibenden Unternehmen zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten. Lokale Einträge bei Google Maps oder auch virtuelle Plakate sind denkbar. Besser als Push-Marketing ist es jedoch, den Usern einen tatsächlichen Mehrwert zu bieten – etwa gesponserte Tipps zu Sehenswürdigkeiten oder Wanderrouten. Immobilienportale und Makler können ebenfalls bei Google Street View Hinweise und Informationen zu ihren Objekten integrieren.

Google Street View zwingt damit zu Ehrlichkeit – je nachdem kann dies ein Vorteil oder ein Nachteil sein. Wer gute Angebote hat, kann deren Vorteile besser in Szene setzen. Beispielsweise kann ein Hotel auf seine sensationelle Panorama-Terrasse aufmerksam machen, ein Club die tolle Lage mitten im Szeneviertel eindrucksvoll belegen oder ein Makler auf die noble Umgebung der inserierten Wohnung hinweisen.

Folgende Beispiele (gefunden bei horinzont.net) zeigen, wie deutsche Unternehmen Street View bereits nutzen:

Immobilienscout24 hat die Karten von Street View schon in die Immobilienexposés und Wohnfeldinformationen integriert. So können sich Wohnungssuchende schon vor der eigentlichen Besichtigung die Wohngegend virtuell ansehen und überflüssige und enttäuschende Besichtigungen vermeiden. Ein weiteres Feature ist die Street View-Betasuche von Immobilienscout24, mit welcher dem Nutzer alle frei verfügbaren Wohnungen in der Umgebung angezeigt werden und er beim „Schlendern“ neue Immobilien entdecken kann. Makler und Anbieter profitieren ebenfalls davon: Sie sparen Zeit und Geld, wenn ihre Interessenten besser informiert sind und nur zu Besichtigungsterminen kommen, die wirklich nötig sind.

Das InternetBranchenverzeichnis Go Yellow hat seine Brancheninformationen mit Googles Street View-Funktion verknüpft. Nutzer, die jetzt bei Go Yellow ein Geschäft suchen, können sich gleichzeitig ein Bild davon machen, welche weiteren Läden sich in der Straße befinden und so ihre Einkaufstour online planen. Auch die Frage, ob sich der Behindertenparkplatz wie beschrieben direkt vor dem Restaurant befindet oder ob die Panoramafenster des Hotels tatsächlich wie gewünscht nach Westen zeigen, können dank Street View jetzt schnell und zuverlässig beantwortet werden.

HRS hat Street View in seine mobile Hotelbuchungs-App für Android-Smartphones integriert. Wählt der Nutzer auf seinem Smartphone ein Hotel aus der Liste mit Street View Markierung aus, so kann er auf der Detailseite über den Link zu Street View direkt in Google Maps springen und sich dort ein Bild vom Hotel und seiner Umgebung machen. Für Kunden bietet der Dienst also einen praktischen Mehrwert. Wer sich für ein Hotel entschieden hat, kann dieses auch über die HRS-App von unterwegs direkt buchen.

Auch Expedia ermöglicht seinen Kunden dank der Funktion Epediahotelview.de einen virtuellen Besuch der Hotels und deren Umgebung. Für knapp zwei Drittel der deutschen Onlinenutzer kommt es bei der Hotelbuchung nämlich vor allem auf die Lage und die Umgebung an, so die Analysen von Expedia.

Google Street View in Deutschland gestartet

Über dreieinhalb Jahre nach dem Start von Google Street View in den USA und der Expansion in weitere Länder auf allen Kontinenten steht Google Street View nun auch richtig in Deutschland zur Verfügung. Google gab den Startschuss am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Hamburg bekannt. Bereits vor rund zwei Wochen wurden Aufnahmen einiger Stadien, Oberstaufen und Sehenswürdigkeiten veröffentlicht.

Deutschland ist somit das 24. Land mit Aufnahmen in Street View. Der Großteil der Länder liegt mit 13 in Europa. Von den neun Nachbarländern Deutschlands gibt es in Belgien, Luxemburg, Österreich und Polen noch keine Aufnahmen, aber in allen Ländern wurden schon Autos gesichtet.

Der Weg für Street View in Deutschland war steinig und sehr lange. Erste Fahrten wurden im Sommer 2008 unternommen. Somit sind sehr viele Bilder schon „alt“ bevor sie überhaupt öffentlich gezeigt wurden. Überrascht sind viele Nutzer deshalb, wie wenig aktuell manche Bilder sind: So steht zum Bespiel das am 3. März 2009 eingestürzte Kölner Stadtarchiv auf den meisten Aufnahmen noch, aus einem bestimmten Blickwinkel ist es jedoch bereits eingestürzt. Google  nutzte das Jahr 2009 für weitere Aufnahmen in anderen Städten. Auch dieses Jahr waren wieder einige Autos unterwegs. Doch diese wurden größtenteils dafür eingesetzt, Lücken in Street View zu schließen und fehlerhafte Aufnahmen zu ersetzen.

Google räumte exklusiv für Deutschland einen vorherigen Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Häusern ein. Auch nach dem Start von Street View kann man das Tool weiter nutzen, wenn man nicht in einer der 20 Städte lebt, die Google am Donnerstag online gestellt hat. Google akzeptiert aber auch weiterhin Widersprüche. Diese kann man über das Formular, welches man über den Link „Ein Problem melden“ findet, einreichen. Gleiches gilt für nicht verwischte Gesichter, unvollständig gepixelte Kennzeichen oder unzureichend gelöschte Häuserfassaden.

Beim Streitpunkt Mehrparteienhäuser wird deutlich: Google hat oft komplette Gebäude verpixelt, was wiederum Fans des Dienstes auf die Palme bringt. Sie mosern im Web über Querulanten in der Nachbarschaft und die übergestreiften „Architektur-Burkas“.

Wer erst gegen Google Street View widersprochen hat und jetzt aber feststellt, dass er sein Haus doch in Street View sehen will, kommt leider zu spät. Google hat zugesichert, dass die Originaldaten ebenfalls gelöscht werden, wenn der Widerspruch 30 Tage vor der Veröffentlichung eingeht. Dies Ende der Frist für die 20 Städte war der 15. Oktober. Die Originaldaten sind also schon gelöscht bzw. ebenfalls bearbeitet worden.

Hier die Liste der 20 Städte, die nun online sind: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Google will nächstes Jahr weitere Städte online bringen. Welche das sein werden, hat Google bisher nicht verraten. Aber auch hier wird es wohl keine Überraschung geben, da man wohl wieder eine Frist für die Widersprüche aus den Städten setzen und diese dann öffentlich machen muss.

Wer nun seine Adresse in Street View ansehen will, gibt diese zunächst auf Google Maps ein, klickt die Adresse an und wählt anschließend unter „mehr“ die Option Street View aus.

Sixt nimmt sich Street View vor

Der jüngste Werbecoup von Sixt spielt kreativ mit aktuellen Themen. Sixt greift in seiner Anzeige gleich zwei Unternehmen auf, die gerade in der Kritik stehen: Googles Geo-Dienst Street View und Autohersteller Opel.

In der Anzeige zeigt Sixt einen Opel, auf dem eine ähnliche Kamera angebracht ist, wie auf jenen Autos, mit denen der Internetdienst Google vor einiger Zeit Deutschlands Straßen aufgenommen hat. „Schauen Sie sich Deutschland doch lieber selbst an“, lautet der Slogan.

Googles Geo-Dienst ist umstritten, weil dank Street View zum Beispiel Häuser und Menschen detailgenau im Internet zu sehen sind. Am Dienstag hat Google eine Internetseite freigeschaltet, über die Bürger Widerspruch gegen die Online-Abbildung ihres Hauses einlegen können.

Auch Opel steht derzeit im negativen Rampenlicht: Am Dienstag wurde bekannt, dass die Wettbewerbszentrale den Autobauer wegen seiner Werbung zur angeblich lebenslangen Garantie abgemahnt hat.