Ohne Passwörter: Software erkennt unser Tippverhalten

Unsere Welt ist voller Passwörter: der Zugang zum Firmennetzwerk, zum Bankkonto, der E-Mail Abruf oder unser Social Media Profil. Für jede dieser Funktionen haben wir hoffentlich verschiedene Passwörter. Dass man sich davon nicht alle merken kann, ist nur verständlich. Und leider verliert man auch oft die Zettel, auf die der Login notiert wurde. Forscher der Universität Regensburg haben die Lösung gefunden: Unser Tippverhalten ist unser Passwort-Ersatz. Denn dieser Rhythmus ist unverwechselbar und kann nicht kopiert werden. Die Psylock Software erkennt uns daran und verhindert Unbefugten den Zugriff. Millisekunden genau wird geprüft, in welchem Tempo die Buchstaben getroffen werden, wie lange gehalten, oder ob die linke oder rechte Großstelltaste genutzt wird. Auf der Webseite kann es jeder ausprobieren: Man schreibt zunächst neun Mal einen Satz, dann hat das System unseren Rhythmus erkannt. Auch vor Trojanern ist man sicher, denn eine hundertprozentig übereinstimmende Eingabe wird von System erkannt und der Zugang verweigert.

Anwendung findet das System beispielsweise beim Download von Musik und Videos oder bei kostenpflichtigen E-Learnings, wodurch sichergestellt wird, dass nur zahlende Mitglieder den Service nutzen. Psylock lernt sogar mit: Es erkennt unsere Tippveränderungen im Laufe der Jahre. Wer sich allerdings den Finger gebrochen hat oder nach ein paar Bier den Login-Versuch startet, wird leider abgelehnt.

Was kauft die Welt? Blippy weiß es

Mit dem Internetdienst Blippy kann man nun seine Kreditkartenkäufe ins Netz stellen. Automatisch werden alle getätigten Käufe des registrierten Users nur Sekunden später, wie Statusmeldungen bei Twitter, für die ganze Welt sichtbar online gestellt.

Verständlicherweise sind Datenschützer entsetzt. Seit ein paar Tagen ist der US-Dienst aus der Testphase heraus und soll schon bald in Deutschland verfügbar sein.

Bei Anmeldung gibt der Nutzer seine Kreditkartennummer an sowie wahlweise auch noch seine Zugangsdaten für Amazon oder Apples iTunes Store. Kauft der Kunde ein, erfährt man wo, wann, was und für wie viel Geld der User eingekauft hat. Der Grund für den Shopping Striptease: Andere Nutzer können die Einkäufe online bewerten und kommentieren. Sie können dem Käufer vielleicht mitteilen, dass der Preis zu hoch war, wo er günstigere Angebote finden kann oder dass er eine gute Wahl getroffen hat. Momentan sind bei Blippy 5000 Mitglieder registriert und Umsätze im Wert von 5 Millionen Dollar aufgelistet. Die Betreiber der Plattform rechnen jedoch bald mit Beträgen von 1 Million Dollar täglich.

Doch der Nutzen für die Blippy-Kunden ist eher fraglich. Datenschützer raten dazu, Schnäppchen besser auf Facebook oder Twitter manuell zu veröffentlichen. Denn so erhält man ebenfalls Feedback, ohne alle persönlichen Daten im Netz zu veröffentlichen. Für Werbetreibende jedoch ist Blippy von unschätzbarem Wert – sollte sich das Unternehmen dazu entschließen die Daten zur Verfügung zu stellen. Blippy selbst schweigt dazu.

Was Soziale Netzwerke über die Persönlichkeit verraten

Dass Soziale Netzwerke als Data Mining Quelle herangezogen werden, ist nicht neu. So gibt der Einzelne meist auch Acht, welche Inhalte er ins Netz stellt, veröffentlicht und welche nicht. Doch es ist nicht einfach nur der Inhalt der Daten, der uns „verrät“, es ist unsere Vernetzung innerhalb des Netzwerkes, welche uns für Marktforscher interessant macht. Denn daraus lassen sich Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit und unsere Rolle innerhalb dieser Gruppen ziehen. Gemäß dem Motto: „Sage mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist.“ Netzwerk Verbindungen III

Eine Studie der Wirtschafts-wissenschaftler Jan Kratzer und Christopher Lettl zeigte, dass sich zwei bestimmte Persönlichkeitstypen anhand ihrer Vernetzung klar identifizieren lassen: „Meinungsmacher“ und „Anführer“. Gerade für Werbetreibende natürlich hoch interessante Gruppen. „Anführer sind diejenigen, die mit vielen verschiedenen Gruppen vernetzt sind, dadurch diverse Informationen erhalten und verschiedenen Einflüssen ausgesetzt sind. Sie werden durch diese Brückenfunktion eher zum „lead user“ und Vorreiter neuer Ideen. „Meinungsmacher“ hingegen sind nur innerhalb einer bestimmten Gruppe vernetzt, in dieser dafür sehr stark und mit vielen direkten Beziehungen. Sie sind der Knotenpunkt, der die Haltung der Gruppe extrem beeinflusst. Ist der Meinungsmacher einer Marke gegenüber positiv eingestellt, so ist es wahrscheinlich auch die ganze Peer Group. Hinzu kommt, dass Empfehlungen von Freunden im Netz viel mehr Vertrauen genießen, als jede Werbung. Ist der „Anführer“ somit der Entdecker der Trends, werden sie vom „Meinungsmacher“ für die Massen interessant gemacht. Dass sich Marktforscher für diese Network-Infos interessieren, ist keine Überraschung. Dass Facebook jedoch persönliche Daten selbstverständlich ca. 10 bis 20 Mal am Tag weitergibt, schon eher. Zwar nur auf staatliche Anfragen hin, ist aber dennoch beunruhigend, dass Kontaktinfos, Mini-Feed, Freunde und Nachrichten preisgegeben werden können. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein, der Daten ins Web stellt und sich vernetzt.

Facebook in USA verklagt

Das Online-Netzwerk Facebook wurde von Datenschützern aus den USA verklagt. Der Grund: die neuen Datenschutzrichtlinien. Die Kläger kritisierten, dass durch die Neuerungen nun private Nutzer-Daten öffentlich zugänglich werden, die vorher nicht einsehbar waren. Dritte hätten jetzt ebenfalls Zugang zu den Informationen. Datenschützer vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) und neun andere Verbraucherorganisationen werfen in ihrer Klageschrift Facebook vor, „unfair und betrügerisch“ zu handeln. Am 9. Dezember hatte Facebook seine Datenschutzbestimmungen geändert und dabei seine Nutzer aufgefordert, ihre Einstellungen bezüglich der Veröffentlichung von privaten Informationen wie Fotos, Kommentaren oder Freundeslisten neu anzupassen. Per Vorauswahl wurde den Nutzern bei der Umstellung nahegelegt, die privaten Daten mit jeder Person im Web zu teilen. Erst durch selbstständiges Ändern dieses Vorschlags, erhält man seine Privatsphäre – zum Teil – zurück. Denn der eigene Name, Profil-Foto, Freundeslisten, Heimatort, Geschlecht und die Seiten, von denen man „Fan“ ist, werden jetzt als „öffentlich verfügbare Information“ betrachtet. Facebook selbst sieht dagegen in seinen neuen Richtlinien kein Verstoß: Die Nutzer hätten schlicht eine bessere Kontrolle darüber, welche Informationen sie teilen wollen. Mit mehr als 350 Millionen Mitgliedern (6,2 Millionen davon in Deutschland) ist Facebook das größte Online-Netzwerk der Welt.