Soziale Suche: Microsofts Bing verbündet sich mit Facebook

Microsofts Suchmaschine Bing reichert seine Suchergebnisse nun mit sozialem Kontext aus Facebook an und setzt damit Google extrem unter Druck. Künftig fließen die „Gefällt mir“-Klicks des Freundeskreises sowie der Social Graph des Nutzers in die Suche von Bing mit ein. Die Idee ist, dass die Nutzer durch die Verknüpfung mit Informationen ihrer Freunde, Bekannten und Familienmitglieder schneller die relevanten Antworten bekommen sollen.

Bei der Suche im Internet gehe es nicht nur um die Verbindung zwischen Daten, sondern auch zwischen Menschen, betonte Microsoft zur Ankündigung der Facebook-Partnerschaft am Mittwoch. „Menschen treffen ihre Entscheidungen immer wieder mit Hilfe von Informationen ihrer Freunde“, argumentierte Microsoft.

So werden zu Suchergebnissen passende Sites serviert, die von Personen aus dem persönlichen Facebook-Netzwerk zuvor per Klick auf den Like-Button favorisiert wurden. Bing zeigt dazu auch die jeweiligen Kontakte inklusive eines verkleinerten Profilbildes an. Zudem berücksichtigt eine Personensuche den eigenen Facebook-Social-Graph – wer nach Petra Müller sucht, erhält zuerst Ergebnisse zu Sites über Personen mit diesem Namen, die dem eigenen Kontaktnetzwerk nahe stehen, beispielsweise Bekannte der eigenen Facebook-Freunde.

Diese Kooperation ist aus mehreren Gründen von großer Bedeutung:

Zunächst stärkt Facebook damit seine „Instant Personalization“: Das neue Bing-Feature basiert auf Facebooks umstrittenem Instant-Personalization-Programm. Ausgewählte Partner-Websites können Besuchern personalisierte Inhalte auf Basis ihrer Facebook-Kontakte und -Aktivitäten präsentieren, ohne dass Anwender dafür zuvor die entsprechende Website autorisieren müssen. Wer bei Facebook eingeloggt ist und eine Site ansteuert, die Teil des Programms ist, erhält automatisch ein personalisiertes Benutzererlebnis.

Außerdem gerät Google extrem unter Druck: Der Bing-Facebook-Deal verdeutlicht einmal mehr die verzwickte Situation, in der Google sich gerade befindet. Denn Bing besitzt durch die enge Einbindung der Facebook-Welt nun einen entscheidenden Produktvorteil, was nicht zuletzt zur Förderung des eigenen Ansehens eingesetzt werden kann. Auch Google platziert zwar seit einiger Zeit Status-Updates von verschiedenen Diensten in seinen Suchergebnissen und experimentiert mit “Social Search”, ist aber, was Facebook betrifft, auf die öffentlichen Status-Updates beschränkt.

Spätestens wenn der Fall eintritt, dass sich Bings soziale Suche bewährt und einen wirklichen Mehrwert für die User bietet, wird Google extrem unter Druck geraten. Denn dann kann sich der Suchmaschinen-Marktführer ganz einfach nicht mehr leisten, den Anwendern eine Anreicherung der Suchergebnisse mit Kontext aus dem nutzerstärksten Social Network vorzuenthalten.

Zwar hat Mark Zuckerberg deutlich gemacht, dass die Übereinkunft mit Microsoft nicht exklusiv ist und er für weitere Kooperationen dieser Art offen ist. Doch ein solcher Schritt würde für Google nicht billig werden. Gerade weil er sich bei einem durchschlagenden Erfolg der Bing-Implementierung als alternativlos erweisen könnte.

Soziale Suche gilt seit langem als der nächste Evolutionsschritt von Suchmaschinen und wird durch diese Kooperation langsam zum Mainstream. Für Bing ergibt sich nebenbei ein positiver Imageeffekt: Galt die Suchmaschine lange Zeit als „uncool“, so überträgt sich nun das hippe Facebook-Image darauf. Auch dies bringt wohl eine größere Nutzerzahl mit sich, was wiederum zu größeren Einnahmen durch Werbeanzeigen führt.

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