Social Media Aussichten

Social MediaAn Hand der Einkaufspolitik der großen Player am Social Media Markt, und insbesondere der von Facebook, analysiert Rosie Scott in einem Beitrag bei Jeff Bullas die zurückliegenden Phasen und Strategien von Social Media und versucht einen Blick in die Zukunft.

Dabei erkennt Frau Scott in den letzten 10 Jahren 4 Kauf-Phasen in der Facebook Einkaufsstrategie, die sie mit den Entwicklungsphasen des Unternehmens abgleicht. Das ist ganz interessant zu lesen.

Ihre Zukunfts-Prognose überrascht indessen nicht sonderlich: Es wird alles noch mobiler!

Auch wenn also die Social Media Aussichten in Rosies Beitrag eher knapp gezeichnet werden, haben wir doch einiges Erwähnenswerte darin entdeckt. Lesen Sie hier, was im Einzelnen:

5 Punkte fielen uns in dem Beitrag auf:

1. Wirklich gute Links

Eigentlich sind es nur zwei, aber für die muss mancher lange recherchieren:

Hier findet man Stoff für zahlreiche Bachelor- und Master-Arbeiten so wie für rückschauende Artikel und Präsentationen zu Unternehmensentwicklungen.

2. Plausible 4-Phasen-Theorie

Obwohl es um Social Media im allgemeinen geht: eigentlich geht es nur um Facebook. Das ist vielleicht prima vista etwas enttäuschend, aber in Teilen nachvollziehbar, ist das Unternehmen doch so etwas im Social Media Markt wie Bayern München in der ersten Bundesliga: der unangefochtene Platzhirsch.

Und auch wenn der ganz große Hype und die meisten Erregungen des Aufbruchs zu völlig Neuem nun vorbei sind – Facebook wird noch lange Zeit die Szene dominieren.

Gerade darum ist das Einkaufsverhalten des Unternehmens so aufschlussreich: je weniger das Kernprodukt selbst das Faszinosum mehr darstellt, umso stärker und nervöser muss der Markt der neuen Entwicklungen beobachtet, müssen diese wenn auch nur leidlich aussichtsreich, in das Portfolio integriert werden. Geld ist ja genug da.

An Hand diverser Beispiele und nicht zuletzt mit Hilfe der o.g. Infografiken erkennt Rosie die folgenden 4 Phasen:

  1. Selbstverständliche Pflicht-Einkäufe (O-Ton: „no brainer purchases“)
    Bestes Beispiel ist der Erwerb des Domain-Namens „facebook.com“ für immerhin $200.000 im August 2005. In diese „Kleinkind-Phase“ von Facebook fallen eine Reihe solcher Einkäufe, die einfach getätigt werden mußten.
  2. Social Media Expansion
    Es folgte die Phase, in der Facebook den Begriff „Social Media“ dynamisch ausweitete, vorführte, was man darunter alles noch subsumieren konnte (Fotos teilen, sich in Foren austauschen, Reiseempfehlungen aussprechen). „Social“ als Attribut bekam neue Verwendungs-Möglichkeiten.
  3. Wirtschaftlicher Nutzen (O-Ton: „Monetizing“)
    In Vorbereitung des Börsenganges musste der Beweis der Prosperität erbracht werden. Die Akquisitionen dieser Phase hatten das Geldverdienen als unmittelbares Ziel. Spiele-Plattformen (Spaceport) und Karma für das sog. „social gifting“ sind hier Beispiele.
  4. Mobilität
    In dieser Phase befinden wir uns gerade. Viele Einkäufe (Instagram und WhatsApp sind zwei prominente Beispiele) belegen diese zunehmend wichtiger werdende Ausrichtung von Facebook.

3. Phase 5 fehlt

Die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten in vielen Ländern, mit der EU, sogar einige in den USA, und insbesondere die Diskussionen rund um Snowdens Enthüllungen sollten Wirkung zeigen bei den Zuckerbergs dieser Welt. Sie sollten erkennen, dass ihr Geschäftsmodell in Gefahr gerät, wenn die Themen Datenschutz, Datensicherheit und Privatsphäre nicht angemessen adressiert und gelöst werden.

Wenn Rosies These stimmt, dass man aus dem M&A-Aktivitäten von Facebook deren generelle Strategie-Ausrichtung  erkennen kann – dann erkennt man an dieser Stelle: nichts!

Facebook kauft aktuell keine Firmen, die die Nutzer vor dem unberechtigten Auslesen ihrer Nachrichten oder ihres Telefonbuchs schützt. Im Gegenteil: Techniken für sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen werden eher gemieden.

Hat man den Schuss nicht gehört? Es sieht fast so aus. Oder ist am Ende gar kein Schuss gefallen? Im Gegensatz zu Rosie erwarten wir, das dieses Thema (Datenschutz und -sicherheit) zumindest auf unserer Atlantik Seite weiter an Fahrt und Bedeutung gewinnen wird. Die aktuelle CeBIT wies genau in diese Richtung.

Ob das die anderen 90% auf der Welt in Asien und Amerika irgendwann auch bewegt, muss man dann abwarten. Je mehr Geheimdienste ihre Info-Gier beibehalten (dürfen), je mehr anderseits Regierungen im Social Web zensierend und verbietend eingreifen wollen, desto eher wird data-privacy zu einem wirklich globalen Thema werden.

4. Mobilität als Herausforderung

Wenn also das wirklich große Thema der kommenden Jahre Mobilität ist, dann kann der Aufruf nach einfachen, übersichtlichen, mobil bedienbaren Apps und responsive Webseiten gar nicht laut genug erfolgen. Wer hier einfache GUI-Geometrien bereithält, die auch noch in den diversen „wearables“ (Stichwort iWatch und glasses) nutzbar sind, der wird die Schlacht gewinnen.

Ob hier alle Aktiven den Schuss gehört haben, darf auch bezweifelt werden.

5. Und das „Land der Ideen“?

Ein Blick auf die Wikipedia-Liste oben, kann schon nachdenklich stimmen. Da findet man keine deutsche Flagge. 2 mal UK, einmal Niederlande, 2 mal Israel, Indien, Malaysia, Kanada.

Es ist leider so: cutting edge Social Media Technologie kommt nicht von Rhein und Elbe, nicht von Spree und Isar. Wen soll man vorwurfsvoll anschauen? Leider uns selbst. Noch immer leisten sich große Teile der tonangebenden Gesellschaftskreise eine bornierte Distanz, die jedem Politiker sagt: das ist kein Thema, damit punktet man nicht. Auch die längst überfällige Breitband-Initiative des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur wird hier absehbar noch auf erheblichen Widerstand stoßen.

Der Beitrag bei Jeff Bullas endet mit der Frage nach der Einschätzung der Leser bzgl. der Zukunft. Wir wollen es genauso halten:

Was glauben Sie, wie bzw. wohin wird sich Social Media in Deutschland entwickeln? Wir werden hier jeden Kommentar, der auch nur entfernt zum Thema gehört, freischalten!

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