Nutzerzahlen sozialer Netze: Von einem der auszog….

Es war einmal ein junger Marketing-Praktikant in einem großen deutschen Unternehmen, der hieß Martin. Als Praktikant bekam er natürlich lauter verschiedene Aufgaben (und mit der Zeit auch immer mehr), aber eingestellt hatte man ihn eigentlich für das Thema „soziale Netze“.

Eines Tages kam seine Chefin zu ihm, sie hieß Andrea, und sagte: „Martin, ich muss dringend wissen, wie viele Leute sich in den ernst zu nehmenden sozialen Netzen in Deutschland so rumtreiben. Und zwar nicht irgendein blöder Prozentwert, zu dem mir dann wieder die Grundgesamtheit fehlt, sondern ganz konkret, in Millionen und Hunderttausenden. Und bitte nach Geschlecht getrennt, und am besten auch gleich nach Altersgruppen. Kriegst Du das hin? Du bist doch unser Social-Media-Spezialist, oder?“ Sie zwinkerte ihm motivierend zu.

Martin sagte: „Na klar, das sollte kein Problem sein!“ Und das glaubt er auch. Denn fast jeden Tag las er dazu irgendwelche Statistiken und Veröffentlichungen, da sollte man doch schnell etwas Vernünftiges zusammenstellen können. Andrea lächelte und rief ihm noch im Weggehen zu: „Morgen Mittag wäre prima!“

„Verdammt, wieso fall‘ ich bloß immer wieder auf so was rein?“, dachte sich Martin, aber er sagte nichts, sondern ging an seinen PC.

UhrWir kürzen hier für den eiligen Leser unsere kleine Geschichte ab. Martin schaffte es bis zum kommenden Mittag, er übergab Andrea das gewünschte Ergebnis. Wer da also gleich hin will, der klickt bitte hier.

Die anderen erfahren zunächst noch ein wenig über Martins Weg zum Ziel – das ist einerseits unterhaltend und andererseits auch wichtig, um die späteren Ergebnisse besser einordnen zu können.

Auf der Suche nach den Nutzerzahlen sozialer Netze in Deutschland führte Martin nämlich sofort einige Recherchen durch, genauso, wie die meisten von uns das wohl auch gemacht hätten. Die gefundenen Informationen trug er in eine große Excel-Tabelle ein. Und wenn alle leeren Zellen gefüllt wären, so sein Plan, würde er diese große Matrix auswerten.

Eine Zeitlang ging es auch recht gut voran, viele Daten konnte er auftreiben. Doch die bevorstehende Zusammenführung und Verknüpfung, und darauf kam es ja letztendlich an, bereitete ihm immer mehr Kopfschmerzen.

Irgendwann am frühen Nachmittag fasst sich Martin ein Herz und ging zu Andrea, ihr Büro war auf dem gleichen Flur. Sie war zum Glück auch da und schaute kurz auf, als er reinkam. „Schon fertig? Toll, das ging ja schnell!“ – „Nein, sorry, Andrea, im Gegenteil, ich krieg das so nicht hin. Aber es liegt nicht an mir, es geht einfach nicht. Wir zählen da Pink Lady und Granny Smith zusammen, sozusagen.“ Andreas Gesichtsausdruck sagte ihm, dass sie seinen Vergleich absolut nicht verstanden hatte – und das freundliche Lächeln war auch verschwunden. „Ich meine, man kann die Zahlen zwar in einer Tabelle nebeneinander hinschreiben, aber in Wirklichkeit sind sie nicht voll vergleichbar!“ – „Häh? Wieso denn nicht, Martin? Versteh ich nicht.“

„Oh, da gibt es eine ganze Menge von Gründen, Andrea. Schon, was eigentlich ein Nutzer ist, sehen die einzelnen Netze sehr verschieden. Für die einen zählt die reine Mitgliedschaft, die anderen wollen mindestens eine Aktivität im Monat – schon um Karteileichen nicht mit zu zählen. Dann wurden die Untersuchungen nicht alle zum gleichen Zeitpunkt durchgeführt, die Stichproben wurden unterschiedlich gezogen und die Einteilung der Altersgruppen macht auch jeder anders. Wenn ich das alles zusammenführe, addiere, auf einander prozentuiere und so weiter, werde ich dafür später garantiert einige Ewigkeiten im Fegefeuer der Methodensünder gegrillt.“ – „Was schlägst Du also vor?“ fragte Andrea ganz ruhig. „Wow, das scheint ja gut zu gehen“, dachte Martin. Darum setzte er mit fester Stimme fort: „Wir sollten selbst eine Studie in Auftrag geben, eine, die genau die Antworten liefert, die wir suchen, alles Andere ist kalter Kaffee!“ Andrea hasste kalten Kaffee.

Nun entstand eine Pause, die Martin zunehmend als unangenehm empfand.

„Lieber Martin“, begann Andrea schließlich sanft – und Martins Optimismus verflog schon nach dieser Anrede. „Lieber Martin, ich habe diese Informationen bereits Robert versprochen, für übermorgen früh, und zwar keine Liste von Konsistenzbedenken und Methodenproblemen, sondern“ – Andreas Ton wurde deutlich fester und auch etwas lauter – „konkrete Nutzerzahlen. Für alle relevanten sozialen Netzwerke in Deutschland, aufgebrochen nach Geschlecht und Alter.

Wie Du außerdem sicher weißt, Martin, hatten wir vor einer Woche eine große Budget-Kürzung, wir haben alle kräftig bluten müssen. Auch die von Robert heiß geliebte Studie „Senioren im Web4.0″ ist diesem Massaker zum Opfer gefallen. Glaubst Du im Ernst, er hat jetzt plötzlich wieder Geld? Für dieses Pillepalle-Thema?“ Martin schluckte und traute sich nicht, trotzig zu nicken.

„Du siehst also, lieber Martin, wir beide haben gar keine Wahl, wir müssen liefern!“ fuhr Andrea nun wieder in normaler Stimmlage fort. „Du nimmst jetzt also all Deine Zahlen, drehst sie mit der größten Sorgfalt fein säuberlich durch den Statistik-Wolf, denn wir wollen ja nicht, dass uns da noch jemand ans Bein pinkelt, und bastelst mir brav meine Tabellen. Die trag ich dann zu Robert und alle sind glücklich. Und wenn Du dann noch methodische Gewissensbisse hast, kannst Du ja später zur Beichte gehen, das ist Deine Privatangelegenheit, da will ich mich gar nicht einmischen.“

Sie lächelte Michael mit dem süßesten Haifisch-Lächeln an, das die Welt gesehen hatte.

„Alles klärchen? Dann bis morgen Mittag, ich freu mich!“ Damit wendete sie sich dem Bildschirm auf ihrem Schreibtisch zu, klickte mehrfach engagiert mit der Maus und war anscheinend schon wieder mit einem ganz anderen Thema beschäftigt.

SearcherMartin verkniff sich die Bemerkung, dass er als Agnostiker schlecht zur Beichte gehen könne, denn dann hätte sie ihm sein Fegefeuer auch noch um die Ohren gehauen. Also ging er einfach wieder – und machte sich wie von Andrea gewünscht ans Werk.

Am nächsten Mittag hatte er die Tabellen denn auch fertig – mit allen von Andrea geforderten Details und allen von Martin geäußerten Bedenken. Andrea schaute ihn mit einem leicht amüsierten „Na, geht doch“-Blick an, als er ihr die Ergebnisse vorstellte, verkniff sich aber zum Glück jede Stichelei gegen jugendliche Bedenkenträger, Frühgreise der Generation Y und dergleichen.

Martin dachte sich: okay, es ist methodisch vielleicht nicht ganz sauber, aber ich habe alles mit Sorgfalt und begründeter Überlegung gerechnet. Genauere Zahlen hat eigentlich nur, wer selbst Primärdaten erhebt. Wenn’s so eine Untersuchung gibt, hätte ich allerdings echt gerne ein paar korrigierende Hinweise.

Recherche Ergebnisse

Die 10 wichtigsten Netze in Deutschland

Deutsche Nutzer sozialer Netzwerke

Lesebeispiel: Der Anteil der deutschen Bevölkerung über 13 Jahre an der entsprechenden Weltbevölkerung beträgt 1,3%. Der Anteil der deutschen WhatsApp-Nutzer an den weltweiten Nutzerzahlen beträgt 5%.Deutsche Nutzer sozialer Netzwerke Daten

Der Grafik liegt diese Datentabelle zu Grunde.

XING und Stayfriends wurden in der Grafik nicht gezeigt.

VZ-Netze und wer-kennt-wen sind generell nicht enthalten.

 

Demoskopie wichtiger sozialer Netze in Deutschland

Nutzer soziale Netze nach Geschlecht

Lesebeispiel: Von den rund 35 Millionen männlichen Deutschen über 13 Jahre sind rund 32 Millionen Internet-Nutzer.

Nutzer soziale Netze nach Altersgruppen

Lesebeispiel: Von den knapp 15 Millionen Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren sind praktisch alle Internetnutzer.

Für Youtube und WhatsApp wurden leider keine Geschlechts- oder Altersverteilungen für Deutschland gefunden.

Quellen

Vielen Dank an alle, die hierzu Daten beigesteuert haben!

Haben Sie an einigen Stellen bessere Informationen als unser fiktiver Praktikant? Und wie fanden Sie überhaupt die ganze Rahmenstory mit Martin und Andrea? In der englischen Version werden die gleichen Infos deutlich nüchterner präsentiert. Hätte Ihnen das besser gefallen?

Alle Beteiligten freuen sich über entsprechende Kommentare.

 

 

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