Koppelungsverbot – Facebook nicht mehr kostenlos?

Data and MoneyEin alter Spruch sagt: Geld allein macht nicht glücklich – es gehören auch Aktien und Grundstücke dazu. Heute müsste man besser ergänzen: es gehören auch Stammdaten und persönliche Merkmale vieler Privatpersonen dazu.

Denn schon längst wird der Wert eines New Economy Unternehmens nicht mehr in den klassischen „Assets“ gemessen, Mitarbeiter, Maschinen, Grundstücke, Patente, Beteiligungen. Immer wichtiger ist der laufende Zugang zu aktuellen Personendaten geworden, je mehr desto besser. Der Grund ist einfach: diese Daten lassen sich hervorragend weiter nutzen wie auch verkaufen. Das nennt man dann ein Koppelungsgeschäft.

Kostenlose Services können durch solche Koppelungen also durchaus erfolgreich und lukrativ sein – wie das Beispiel Facebook sehr anschaulich zeigt.

In einem lesenswerten FAZ-Artikel beleuchtet Rolf Schwartmann die Bedeutung dieser neuen Währung „Daten“ und zeigt einen Weg, wie die digitale Transparenz in rechtlichen Einklang gebracht werden kann mit moderner unternehmerischer Wertschöpfung.

Vereinfacht gesagt sollen Anbieter digitaler Dienste, wie etwa Musikstreaming-Services oder Nachrichtendienste wie WhatsApp, aber eben auch soziale Netze verpflichtet werden, in ihrem Angebot immer eine Variante mit zuführen, bei der die Verwendung persönlicher Daten zu anderen Zwecken (zum Beispiel Verkauf an Dritte), also eben diese Koppelung, unterbunden ist. Jeder muss ein Angebot haben, das dem Koppelungsverbot unterliegt.

Dieses Angebot mit Koppelungsverbot könnte dann durchaus teurer sein als die aktuelle „Macht-doch-mit-meinen-Daten-was-Ihr-wollt“-Variante.

So eine Vorschrift wäre für manche Unternehmen eine nicht ganz einfach zu knackende Nuss. Ist der Anonymitäts-Modus angemessen teuer, wird erschreckend deutlich, wie überaus wertvoll die bisher gratis abgegriffenen Daten sind. Der hohe Preis schadet dem Image und er etabliert auch eine gefährliche Berechnungsgrundlage für diverse Rechtsstreits.

Ist die Unsichtbarkeit aber zu billig, wackelt womöglich das ganze Geschäftsmodell. Die neuen Einnahmen können die Einbußen bei den zunehmend desinteressierten alten Kunden (Werbetreibende, Datenkäufer) nicht ausgleichen.

Doch auch die Nutzer haben es nicht leicht. Über Datenkraken und Big Brother an jeder Ecke wird gerne geschimpft. Aber wem ist die Facebook-Tarnkappe wirklich 1€ im Monat wert?

Laut Professor Schwartmann stammt dieser Vorschlag von dem grünen Datenschutz-Spezialisten Jan Philipp Albrecht. Der interessante Ansatz mag ins grüne Programm passen, doch ob er auch sozial verträglich ist, ist noch unklar. Denn die Folge wäre ja wohl ein vor intimen Einblicken geschützter Spezialpark für sagen wir 100.000 Besserverdienende, und die anderen 29 Millionen müssen die Nacktscanner von Oetker, Audi und Telekom nolens-volens weiter dulden.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich diese Diskussion noch entwickelt.

Wer Jan Philipp Albrecht in Aktion sehen will, kann sich übrigens jetzt die neue Doku „Democracy“ im Kino anschauen.

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