Ist nun langsam Schluss mit Hassreden?

Um es gleich ganz klar zu sagen: nein, Hassreden gibt es weiterhin im bekannten Umfang.

Das Lieblingsmedium der Hassredner ist immer noch Twitter. Gute 70% all dieser unerfreulichen Beiträge finden sich im Zeichen des kleinen niedlichen Vogels. Beim großen Standard-Bösewicht Facebook sind es nur gute 10%, der Rest verteilt sich auf Foren und Blogs.

Bei keinem dieser Seitentypen konnte ich einen nennenswerten Rückgang innerhalb der letzten 6 Monate (Mai-Oktober 2017) feststellen. Einen irgendwie stetigen Anstieg allerdings auch nicht.

Die Methode

Wie diese Werte zu Stande kommen, welche „Methode“ also angewendet wurde,  können Sie sich hier anschauen.

Die Ergebnisse

Hier sind die Daten der Monate Mai-Oktober 2017. Mit den „4 Quellen“ sind die 4 Seitentypen Twitter, Facebook, Blogs und Foren gemeint.

Der Peak im Juli gehört zum Messerangriff in Hamburg mit einem Toten und 5 Verletzten (28.7.), die kleineren Spitzen im August und September markieren den Autoangriff in Barcelona (17.8.) und Angriffe in der U-Bahn in Paris und London (15.9.). Die Daten auf der Zeitskala markieren jeweils den ersten Tag der betreffenden Woche.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nach terroristischen Anschlägen steigen die Hassreden sprunghaft an (gegen Muslime und Islam, Ausländer, Fremde, Schwarze, Juden), das kann seit langem beobachtet werden.

Insgesamt sind hier 43.627 Hassreden in 6 Monaten dargestellt, also gut 7.000 pro Monat oder 240 pro Tag. 31.476 entsprechende Beiträge gab es bei Twitter, 4.901 bei Facebook.

Die Facebook-Linie verläuft in der Grafik oben sehr flach, man sieht kaum eine Bewegung, darum kommt sie hier noch einmal in anderem Maßstab:

Von einem klaren Rückgang kann hier keine Rede sein, mit Glück sind wir Ende des Jahres wieder auf Mai-Niveau.

Die Methode

Ich habe den öffentlich zugänglichen „Buzz“ in Twitter, Facebook, Blogs und Foren ausgewertet nach Beiträgen, die nach Hassreden klangen. Und die wurden gezählt.

Da stellen sich einige Fragen:

  • Warum diese 4 Quellen oder Seitentypen? Weil man hier so gut wie alle privaten verbalen Äußerungen findet. Ich nenne die so gefunden Beiträge darum auch: „private Hassreden“.
  • Und wann „klingt“ ein Beitrag nach Hassrede? Eine Hassrede ist für diese Analyse ein Beitrag, der ein „Hasswort“ enthält. Hasswörter sind dabei all die Schimpfwörter, mit der bestimmte Menschengruppen von anderen belegt werden. Nennen mag man die nicht gerne, aber Sie haben ja Phantasie.
  • Sind da nicht viele Fehltreffer dabei? Einige schon, zum Beispiel gibt es Türken, die sich aus Jux gerne selbst so einen Namen geben.
    Als Pi-mal-Daumen-Regel kann man sagen: mehr als die Hälfte der hier gefundenen Hassreden sind auch wirklich welche.
  • Aber jedenfalls hat man damit alle Hassreden erwischt? Nein, leider auch nicht. Wenn jemand zum Beispiel schreibt: „Die xyz gehören alle vergast!“, dann ist das kein Treffer hier, so lange xyz nicht selbst ein Hasswort ist.
  • Welche Technik wurde verwendet? Ich setze eins der üblichen Standard Social Media Monitoring Tools ein.

Die Methode habe ich hier schon vor einiger Zeit noch etwas ausführlicher vorgestellt.

Fazit

Ich glaube, dass mit der „Hasswort-Methode“ ein einfacher, zuverlässiger Indikatorwert ermittelt wird. Das wahre Hassreden-Volumen liegt zwar über den Zahlen hier. Doch der absolute Wert ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist: tut sich was, gehen die Hassreden zurück?

Wenn hier ein deutlicher Rückgang zu sehen ist, spricht Vieles dafür, dass auch das Gesamtvolumen abnimmt – und umgekehrt.

Und die bittere Erkenntnis ist eben: Da geht kaum was zurück!

Weitere Daten der letzten Monate bis 2015 sowie weitere Auswertungen können bei Interesse erstellt werden.

 

 

Schreibe einen Kommentar