Ich liebe Druck!

ZeitungWas auf den ersten Blick wie ein euphorischer Ausruf eines Workaholics nach 18 Stunden Arbeit klingen mag – ist in Wirklichkeit die Kurzfassung einer aktuellen Studie des IfD in Allensbach im Auftrag des VDZ (Verband deutscher Zeitschriftenverleger).

Die Deutschen ziehen Printmedien den elektronischen ganz klar vor.

Besonders überraschend:

Sehr viele wollen ihren TV- und Internetkonsum drosseln, aber bei den Jungen zwischen 16 und 29 Jahren ist dieser Anteil besonders groß. Die erwartete Medienrevolution durch die „Digital Natives“ ist also bislang ausgeblieben.

Man hätte gern wieder mehr Zeit zum Lesen gedruckter Beiträge, denn die sind besonders glaubwürdig, werden besser erinnert und verschaffen ein besonders angenehmes Konsumgefühl. Außerdem kann man gedruckte Titel überall hin mitnehmen – so einige Studienergebnisse.

All dies und mehr kann man diversen Veröffentlichungen entnehmen, zum Beispiel hier Artikel in der FAZ und hier Bericht vom VDZ.

Nach der breiten „Publikums-Befragung“ (knapp 1.500 Teilnehmer) haben die Allensbacher Forscher noch 83 verantwortliche Manager der VDZ-Mitglieder, Verleger also gefragt, was diese Ergebnisse denn nun für sie bedeuten:

  • Zum einen will man sich in der Zukunft weitgehend auf Druck-Erzeugnisse konzentrieren; nur 18% setzen primär auf digitale Medien.
  • Zum anderen will man die Preise für die Druckerzeugnisse (leicht) erhöhen – um den Ertragsrückgang auf Grund des schrumpfenden Anzeigengeschäfts zu kompensieren.

Was ist von diesen Studien-Ergebnissen zu halten? Kann das alles wirklich stimmen?

Die verdichtete Botschaft aus beiden Studien ist doch: Die Deutschen sind „eigentlich“ glücklich mit gedruckten Zeitungen und Magazinen, trauen ihnen am meisten, konsumieren sie am liebsten – aber immer weniger lesen de facto gedruckte Titel.

Es scheint doch, man hat sich die Welt ein wenig schön geforscht. Die Befragten werden sicher so geantwortet haben, das IfD ist ein seriöses Institut. Aber zwischen Wünschen und Plänen in Befragungssituationen und dem wirklichen Handeln liegen oft sehr große Abstände – jeder Flop eines neuen Produktes ist dafür ein Beleg. Rückgängiges Anzeigengeschäft, sinkende Abonnenten-Zahlen, wachsende Verbreitung von E-Books,  das sind die Wahrheiten des anderen, des realeren Holodecks. In wenigen Jahren werden sich hier die meisten Verleger wieder treffen.

Aber auch die befragte „Gesellschaft“ (wir alle) muss ihren Realitätssinn schärfen, gerade beim „erkenne Dich selbst“. Ja, Zeitungsgeknister ist schön, gemütlich, ein warmer Kaffee dazu, der Hund zu Füßen, und dann in Ruhe Sportteil und Feuilleton durcharbeiten. Herrlich, keine Frage, aber für die allermeisten bestenfalls am Sonntag möglich.

Stattdessen werden am PC die wichtigsten Headlines konsumiert, auf dem Tablet einige News-Feeds gelesen, auf dem Smartphone wird Facebook gechecked und abends ein TV-Magazin geschaut.

Wir müssen wohl akzeptieren: so romantische Schöngeister, wie manche vielleicht gern wären, sind wir leider nicht. Vielleicht ein Glück, denn sonst würde uns wohl diese Highspeed-Welt schnell aus der Kurve tragen.

Ja, wir lieben Druck, aber rein platonisch.

Nachtrag

Kaum war dieser Beitrag veröffentlicht, flattert eine weitere Studie zum Thema ins Haus, von deals.com, hier der Link zum Download. Danach lesen 49% der Deutschen u.a. elektronische Zeitungen und 93% gedruckte Ausgaben. Ähnliche Verhältnisse gibt es bei E-Book vs. gedrucktem Buch. Wer also konkrete Zahlen braucht, wird hier fündig.

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