Hassreden werden nicht weniger

Hassreden sind weiterhin ein großes Thema in der öffentlichen Diskussion. Alle sind natürlich dagegen und entsprechend entrüstet. Und alle wollen sie was dagegen unternehmen, durchgreifen, aufräumen, löschen, Konten sperren und so weiter.

Aber im normalen Social Buzz sieht man davon noch herzlich wenig. Der pöbelt weiter munter vor sich hin. In diesen Tagen nimmt das Volumen sogar wieder zu.

Für diese Erkenntnis haben wir eine sehr einfache Abfrage mit einem Social Media Monitoring Tool aufgesetzt, wir haben das hier auch schon vorgestellt. Noch mal kurz zusammengefasst:

  • Wir haben uns auf die aktuellen Zielgruppen dieses Hasses konzentriert: Muslime, Roma, Asylanten, Juden, Türken, Schwarze, Ausländer. Für jede dieser Gruppen haben wir im Social Web nach den gängigsten einschlägigen Schimpfworten und Beleidigungs-Ausdrücken gesucht. Das fühlt sich zwar an, wie mit bloßer Hand ins verstopfte Klo zu greifen, aber geht ja nun mal nicht anders.
  • Und das Gefundene haben wir dann im Zeitverlauf dargestellt, seit Mitte Oktober 2015.

160124 HassredenDer Peak am 14.11. bezieht sich wohl auf die Anschläge in Paris und der am 11.12. auf die Razzia in Hannover.

Wir sehen:

  • Im 90-Tage-Verlauf kann man keinen Rückgang erkennen. Die Werte aus dem November sind zwar unerreicht hoch, aber auch ganz ohne offensichtlichen Anlass bringen es die Hassreden auf 270 „Mentions“, also Beiträge pro Tag, wie zum Beispiel am 19. oder 21. Januar.
  • Hauptzielgruppe sind Muslime, gefolgt von Roma und Schwarzen. Asylanten und Türken werden nicht so oft explizit verunglimpft.

Recht interessant ist noch dieses Bild:

chart__from_26_Oct_to_23_Jan_375pxWir haben unsere Suche nämlich eingeschränkt auf diese 4 Kanäle oder Medien. Nur hier findet man einen hohen Anteil Privatmeinungen und nicht primär offizielle Pressetexte, Werbebilder oder Videoclips.

Und siehe da: Von den insgesamt rund 14.000 gefunden Beiträgen (in 90 Tagen!) kommt der Löwenanteil über Twitter. Twitter hat aber in Deutschland rund 1 Million Mitglieder, während Facebook hier gute 27 Millionen Mitglieder hat.

Das heißt, die „Durchhassung“ ist bei Twitter in Deutschland sehr viel weiter fortgeschritten als bei Facebook. Ende des Jahres wurde ein härteres Durchgreifen von Twitter angekündigt. Gebracht hat es bisher offensichtlich nichts.

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