Gekaufte Kompetenz?

Kann man Blog-Artikel und Web-Content wie Pizza bestellen? Technisch geht das auf jeden Fall. Im letzten Beitrag hierzu haben wir mit Contentworld einen Anbieter vorgestellt, der die Pizzas sozusagen schon fertig in der Auslage hat.

Heute geht es mit Textbroker um einen „Content-Provider“, bei dem man die Pizza erst bestellt inkl. der Zutaten, der Größe, der Garzeit – und der Qualität (die sich natürlich im Preis niederschlägt). Wir haben uns für die Spitzen-Variante entschieden. 6Cent kostet jedes Wort in der 5-Sterne-Ausführung, bei 4 Sternen wären es noch unter 2cent gewesen. Wieder haben wir max 300 Worte (ca. 1 DIN A 4 Seite) gesucht, es soll um Social Media Monitoring gehen. Die Richtung der These geben wir grob vor. Im schriftlichen Briefing definieren wir den Stil an Hand eines Beispiel-Blogs (jeffbullas.com auf deutsch) und skizzieren die Zielgruppe als Marketing-Fachleute, die mit Social Media high-level vertraut sind. 3 Tage Zeit darf der Autor sich nehmen.

Bereits nach ca 24h kommt die Info, dass der Artikel fertig ist. Dieses Ergebnis ist allerdings fachlich wie formal (Satzbau, Grammatik) noch nicht auf dem Punkt. Wir schicken den Artikel zurück mit Kommentaren und konkreten Verbesserungswünschen. Gut einen Tag später ist die Überarbeitung da. Hier ist, was wir für 18,30€ bekommen haben: Textbroker-Artikel

Kann man für knapp 20€ mehr fachliche Kompetenz erwarten? Ich denke: nein. Sicher sind punktuell noch kleinere Steigerungen möglich, aber in einem anonymen Auftraggeber – Autor – Verhältnis (wir kannten uns nicht und haben noch nie zusammengearbeitet) ist vermutlich die Grenzzone erreicht. „textbroker“ ist nämlich ein ehrlicher Name („contentbroker“ wäre problematisch), denn man kauft hier gar keinen Content. Die Brainware, der eigentliche Gedanke muss selbst geliefert werden. Was man kauft sind die übersetzten Gedanken, übersetzt in leidlich bis gut lesbaren Text. Man kauft keinen Berater, Researcher, Visionär und Propheten sondern einen Texter. Und der schreibt so kompetent, wie sein Briefing es vorgibt.

Vor diesem Erkenntnis-Hintergrund darf man sehr gespannt sein, was unser dritter Testkandidat, die Firma „content“ denn liefern will. Das wird Gegenstand des nächsten Beitrags sein. Eben stand noch in der Auftragsübersicht, der Artikel sei in weniger als einer Minute fertiggestellt. Um 16 Uhr kündigte man Fertigstellung bis 18:30 an (jetzt ist es 18:45), die 3 Tages-Frist ist bereits klar überschritten.

Säßen wir jetzt auf Kohlen wegen Redaktionsschluß o.ä., dann wäre das ein großer Minuspunkt. Aber zum Glück ist es nicht so. Und vielleicht wird besonders gut, was so lange braucht, vielleicht erleben wir hier eine Offenbarung in Sachen Kompetenz.

Spannend. Stay tuned!

0 Gedanken zu „Gekaufte Kompetenz?

  1. Lieber Herr Apel,

    vielen Dank für die Schilderung Ihrer Eindrücke und Erfahrung mit Textbroker. Es interessiert uns selbstverständlich auch, wie unser Dienst von Bloggern genutzt wird, daher ist Ihre Erfahrung sehr wertvoll für uns.

    Sie haben Recht, dass ein Text nur so gut ist wie das Briefing, gerade im Self-Service, den Sie hier getestet haben. Für größere Projekte kann man u. a. Briefing und eine textliche Nachbearbeitung auch auslagern und erhält so noch bessere Texte. Aber wir wollen Ihren Beitrag an dieser Stelle nicht werbend missbrauchen.

    Beste Grüße
    Katharina Bellinger

    • Danke für Ihren Kommentar, Fau Bellinger und die operativen Hinweise darin. Einen werblichen Missbrauch kann ich gar nicht erkennen. Diese Woche werde ich noch einen Beitrag zum Thema schreiben, vielleicht können Sie ja weitere operative Anregungen kommentarmäßig integrieren.
      Viele Grüße, Peter Apel

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