Gefälschte Amazon-Bewertung: PR-Desaster für WeTab

Ehrlichkeit im Web2.0 ist Grundbedingung für einen erfolgreichen Unternehmensauftritt. Ignorieren Firmen dieses Credo, kann es schnell zum PR-Gau kommen, denn das Netz findet Täuschungsmanöver mit erstaunlicher Schnelligkeit heraus.

Diesem Problem muss sich gerade der Chef des Tablet-Herstellers Neofonie, Helmut Hoffer von Ankershoffen, stellen. Er hat wahrscheinlich auf Amazon unter falschem Namen eine euphorische Rezension auf sein eigenes Produkt, den iPad-Konkurrenten WeTab, verfasst. Eine nicht gesetzte Privacy-Einstellung könnte ihm dabei zum Verhängnis werden.

Was genau passierte: Der Amazon-Nutzer „Peter Glaser“ (eigentlich der Name eines hoch geschätzten Bloggers) lobt das WeTab (ehemals „WePad“) in den höchsten Tönen, findet es „nicht gut, sondern sehr, sehr gut“, es bringe „Schnelligkeit, Spaß und Leichtigkeit“. Doch das Profil des begeisterten Kunden ist mit dem Kundenkonto von Helmut Hoffer von Ankershoffen verknüpft, dem Chef des Berliner Tablet-Herstellers. Kurze Zeit nachdem Blogger und Apple-Fan Richard Gutjahr den Fall aufgedeckt hatte, ist die Rezension und das Profil von Peter Glaser verschwunden.

Doch damit nicht genug: Eine weitere Lobeshymne auf das vielfach verspottete Gerät führt zum Kundenprofil einer Sandra Hoffer von Ankershoffen, Ehefrau des WeTab-Chefs. Die Pseudonyme ließen sich ohne Weiteres auf die echten Kundenprofile zurückführen, weil das Ehepaar von Ankershoffen womöglich vergessen hat, beim Rezensieren ein entsprechendes Häkchen zu setzen. Beide Profile sind mittlerweile verschwunden.

Theoretisch könnte es zwar durchaus sein, dass auch ein Dritter die Verbindung zwischen dem Lob und den Profilen der von Ankershoffens geknüpft haben könnte, um sie zu kompromittieren, doch das ist eher unwahrscheinlich. Wiedereinmal zeigt sich, dass im Web2.0 nichts unbemerkt bleibt. Produktbewertungen im Netz sind heutzutage ein wichtiger Einflussfaktor auf die Kaufentscheidung der Kunden. Das WeTab kam in vielen Rezensionen nicht gut an. Doch diese Bewertungen zu fälschen richtet im Zweifelsfall mehr Schaden an, als dass es Nutzen bringt. Unternehmen sollten Kritik als Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Produkte nutzen und keine Verklärung der Qualität betreiben.

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