Facebook schließt Boateng-Gruppe – Fonic wirbt damit

Das Ballack-Foul von Kevin-Prince Boateng am vergangenen Samstag löste im Internet heftigste Reaktionen aus. Innerhalb von nur 2 Tagen sammelte die Facebook-Gruppe „82.000.000 gegen Boateng!!!!“ über 100.000 Mitglieder –rekordverdächtig. Was sich dort allerdings auf der Pinnwand abspielte, hat man so noch in keinem anderen Internet-Forum erlebt. Morddrohungen, Beschimpfungen und rassistische Äußerungen standen im Zentrum einer regelrechten Hetzjagd auf den Fußballprofi. „Ghettokid“, „Staatsfeind Nr. 1“ und „Deutschland hasst Dich“ sind nur harmlose Auszüge. Nachdem die Stimmung immer extremer wurde, handelten die Betreiber – viel zu spät – und löschten die Gruppe.

Der Mobilfunkanbieter Fonic griff das Foul-Ereignis ebenfalls auf und setzte es in einer Werbekampagne um: Auf digitalen Bildschirmen fordert Fonic auf: „Boateng die Meinung sagen – für nur 9 Cent pro Minute!“ Darunter die (richtige!) Nummer vom Headoffice des Portsmouth FC, dem derzeitigen Arbeitgeber von Boateng. „Mit der Kampagne unterstreichen wir den Fonic Claim ‚Das ist die Wahrheit‘. Alle Fonic-Kunden haben die Möglichkeit ihre Meinung frei zu äußern – das unterstützen wir mit einem Augenzwinkern“, sagt Natalie Kressin, Marketingleiterin von Fonic.

Die Ereignisse zeigen deutlich das generelle Problem von Internet-Foren: Die Betreiber der sozialen Netzwerke löschen zwar beleidigende oder gar volksverhetzende Beiträge, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden – aber das geschieht längst nicht immer. Ein User, der von den Betreibern wegen solcher Kommentare gesperrt wird, kann sich mit einer anderen Mailadresse neu anmelden. Wenn eine diffamierende Gruppe von den Betreibern geschlossen wird, können die Nutzer einfach eine neue eröffnen. Online-Mobbing, sogenanntes „Bashing“, wie gegen Boateng, ist somit nicht leicht beizukommen.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Stimmung wieder beruhigt und das Headoffice des Portsmouth FC  nicht allzu heftige Anrufe bekommt.

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