Facebook macht neidisch

130201 NeidSehr häufig berichten wir hier von Erkenntnissen und Studien-Ergebnissen aus den USA – in der Annahme, dass Vieles dort schon bald auch hier relevant sein wird, eine kleine Zeitmaschine sozusagen.

Nun berichten wir hier von einer Studie aus Deutschland, die vielleicht ganz ähnlich bald in anderen Ländern wiederholt und fortgesetzt wird, denn das untersuchte „Phänomen“ scheint nicht typisch deutsch zu sein. Oder doch?

Ich jedenfalls kenne die Freude, wenn auf meiner Facebook-Seite kleine rote Zahlen viel Feedback auf meine Beiträge andeuten – und mindestens ebenso gut die Enttäuschung, wenn wenige oder keine da sind. Gerecht ist das natürlich auf keinen Fall, gerade meine grandios-witzigsten und genialsten Beiträge könnten sehr viel mehr „geliked“, kommentiert und geteilt werden. Während Andere mit ihren Albernheiten und Trivialitäten wahre Begeisterungstürme auslösen – nein, gerecht ist das nicht!

Dieser psychologischen Dimension von Facebook sind Prof. Dr. Peter Buxmann, TU Darmstadt und Dr. Hanna Krasnova, HU Berlin mit einer Studie (knapp 600 Nutzer) nachgegangen – und sie haben Erstaunliches herausgefunden:

  • Jeder Dritte verspürt in erster Linie Neid, wenn er Facebook nutzt
  • Der Neid richtet sich gegen die Facebook-Freunde
  • Auslöser sind die vielen positiven Nachrichten dieser Freunde, besonders über gemachte Urlaube zusammen mit „beneidenswerten“ Fotos
  • Betroffen sind gerade die eher passiven Facebook Mitglieder, die die „Jubel-und-Freude-Wellen“ der Anderen nur konsumieren.
  • Als Gegenreaktion werden sie selbst oft aktiv und überrepräsentieren sich und ihre Erlebnisse – was wiederum beim Rest der „Freunde“ Frust auslöst. Eine Neid-Spirale.
  • Bei den Befragten machen diese negativen Facebook-Erlebnisse rd. 20%
    aller ihrer negativen Erlebnisse aus (das ganz normale Offline-Leben mitgezählt)
  • Das Thema „Frust durch Facebook“ ist also durchaus relevant, die gemachten Erfahrungen beeinträchtigen die Lebensqualität negativ.

Einen Link zur Studie habe ich nicht, aber einen zu einem Bericht der HU Berlin.

Dass das beobachtete Phänomen nicht wirklich deutsch ist, wurde übrigens sehr anschaulich in dieser South Park Folge behandelt.

Ich frage mich, ob wohl demnächst Marken versuchen werden, diese Ängste und Wünsche, diesen Leidensdruck für sich auszunutzen, etwa, in dem sie besonders aktiven Fans eine große Zahl von neuen Jubel-Freunden versprechen.

Haben Sie schon Ansätze in diese Richtung gesehen? Es wäre interessant, darüber berichten zu können.

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