E-Book oder Papier, was ist beliebter?

E-BookGeht man nach dem allgemeinen Tenor, der zur Zeit in politisch korrekten Kreisen angestimmt wird, dann sind elektronische Medien für reine Textdokumente eine kaum akzeptable und wenig zukunftsfähige Mode, die nur von einigen Banausen getragen wird.

Geht man andererseits nach den Absatzzahlen der für den elektronischen Textkonsum erforderlichen Geräte, dann wächst die Anzahl dieser vermeintlichen Banausen rasant – und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht.

Was also ist richtig? Fliegen die „E-Books“ und „digital Reader“ kurz nach dem Kauf und einigen wenigen ersten Nutzungsversuchen ungeliebt in die Ecke oder ist der „allgemeine Tenor verstimmt“, schätzen vielleicht mehr Menschen, als gemeinhin geglaubt wird, die Vorzüge des digitalen Leseerlebnisses?

Eine Antwort findet man beim Institut für Demoskopie in Allensbach (IfD) in ihrem jüngsten Bericht „ACTA 2013„.

Auf die Frage: „Lesen Sie längere Texte lieber auf Papier oder digital?“ antworteten von den Befragten:

  • 59% „auf Papier“.
  • 10% „auf digitale Medien“.
  • 25% „keine Präferenz, beides gut“
  • 6% „unentschieden“

Auf den ersten Blick ein klarer Vorsprung also von Buch, Magazin und Zeitung in ihrer klassischen Form. Doch der Vorsprung relativiert sich, wenn man bedenkt, dass die übliche Liste der Vorzüge von E-Book & Co. angeführt wird von so profanen Aspekten wie:

  • günstiger
  • benötigt weniger Platz
  • eine ganze Bibliothek auf Reisen
  • kein Baum wird gefällt
  • sofort verfügbar auch im Ausland

Das sind ja alles eigentlich „Neben-Themen“, die nur außerhalb der Kernfunktion „Lesen“ ihre Bedeutung haben. Dass digitale Medien auch beim funktionalen Kern, beim Lesen selbst, ja gerade beim Lesen von längeren Texten schon 10% überzeugen und für weitere 25% zumindest keinerlei Nachteile gegenüber dem Buch bedeuten, überrascht.

Man kann darum vermutlich große Teile der 25% „Präferenzlosen“ noch dem digitalen Lager zuschlagen. Denn bei diesen dürften die o.g. „Neben-Themen“ einen anstehenden Kaufentscheid stark in die digitale Richtung beeinflussen. So gesehen kann man beim Akzeptanz-Wettstreit Papier vs. E-Book schon fast von 2:1 sprechen, natürlich noch zu Gunsten Papier, aber die Luft erscheint nun dünner. Damit hatten wir so nicht gerechnet.

Erwartbar war hingegen dieses Ergebnis des IfD:

Je älter der Leser, desto eher favorisiert er Papier. In der Gruppe 14-29 Jahre liegen digitale Medien bei 18% Präferenz, bei 50-69-Jährigen gerade mal bei 5%.

Ein Blick auf die bei der jeweiligen Zielgruppen anzutreffende Infrastruktur lässt allerdings auch dieses starke Gefälle ein wenig abflachen: Die Internetnutzung ganz allgemein ist in den jüngeren Altersgruppen deutlich ausgeprägter als bei den senioreren Generationen, sie fällt stetig von über 97% bei Menschen bis 29 Jahre auf gut 60% bei den 60-69-Jährigen (Quelle: D21-Digital-Index). Und eine Internetverbindung, besser sogar ein WLAN, sollte man für einen digital Reader schon haben.

Es stimmt noch immer, die Deutschen lieben gedruckte Titel, mögen Papier, Buch, Zeitung, Magazin. Noch vor wenigen Tagen haben wir hier von einer entsprechenden Studie des VDZ berichtet. Aber vermutlich stimmt auch: sie gehen immer öfter fremd (um im Bilde zu bleiben).

Und wenn erst einmal das entsprechende Endgerät im Hause ist, wird die Treue zu Buch und Zeitung sicher weiter leiden.

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