Die Kunst des WOM – und was dahinter steckt.

Social media and word of mouthWOM, word of mouth, ist in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Erfolgstreiber für Unternehmen und Marken geworden.

Auf dem Rücken des Social Web hat sich die Welt der einst quasi-persönlichen Empfehlungen von und an Freunde und Nachbarn entwickelt zu einer eigenständigen Marketing Disziplin, dem Empfehlungs-Marketing.

Die Zeit der Zufallserfolge und allgemeinen „Unplanbarkeit“ ist natürlich längst vorbei. Es gibt eine Vielzahl von Techniken, den Konsumenten oder gewesenen Kunden zu einem Promoter oder Botschafter der eigenen Leistung zu machen – wir alle haben sie schon auf die eine oder andere Weise persönlich kennengelernt.

Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass es sich bei Empfehlungen und generell beim Engagement im Social Web um eine „Bewegung“ handelt, die tiefer wurzelt:

  • Zum einen ist die Formulierung oben unscharf bis unpassend: nicht auf dem Rücken sondern tief in der Seele des Social Networkings findet WOM statt! Das ist (etwas abstrahiert) sein Kern, das macht seinen ungebrochenen Erfolg aus:
    Erfahrungen teilen sowie an denen Anderer teilhaben und davon „profitieren“ – das ist Social Media (wie auch immer die individuelle Motivlage sein mag, nicht jeder ist Idealist).Ein Bezug zu einer Marke ist dabei zunächst nicht unbedingt erforderlich, Empfehlungen sind nicht immer „straight to business“.
  • Ausgesprochene Empfehlungen (und auch Kritiken) sind Ausdruck eines persönlichen Engagements, eines öffentlichen Sich-Auseinander-Setzens, eines thematischen Flaggezeigens. Doch heutzutage kommen täglich persönliche Meinungen und Ansichten in einem Umfang „nach draußen“, der vor wenigen Jahren noch völlig unbekannt und unvorstellbar war. Es gab hierfür „vorher“ keinerlei Alternativ-Ventil, all diese Meinungen blieben noch vor Kurzem völlig ungeäußert.
    Das persönlich gezeigte Themen-Involvement ist in dieser Quantität wie Qualität absolut neu! Wie bei einem tausend Jahre aufgestauten Bedürfnis ist ein Damm gebrochen und die Flut überschwemmt uns mit höchst interessanten wie auch absolut langweiligen bis  lächerlichen Ansichten – zu Parteien, Unternehmen, Marken, Berühmtheiten, Kuchenrezepten und Kollegen.
    Und alle nehmen Teil, alle Gruppen und „Schichten“, die ganze Bevölkerung.
    Dieses fast hemmungslose Involvement, diese praktizierte Lust am Herausschreien von „ich seh das so!“ – das hat es noch nie gegeben!

Als gute Marketing-Manager müssen wir uns nun fragen: wie kann ich das lenken und kanalisieren und ein wenig dieses mächtigen Flusses auf mein kleines Markenmühlrad lenken?

In einem neuen Buch habe ich hierauf viele gute Antworten gefunden. Es bietet zum Einen eine aktuelle Zusammenfassung des State-of-the-Art des Empfehlungs-Marketings. Die Autorin, Christa Seja spannt den Bogen aber weiter und will anleiten und konzeptionelle Hilfestellung geben für aktives, professionell betriebenes Involvement-Marketing. Sie stellt Active Promoter Care als einen strategisch fundierten Ansatz für die operative Umsetzung vor und schlägt die konzeptionelle Brücke zum Neuromarketing.

Die 120 Seiten zum Thema sind gut lesbar und für die Praxis geschrieben. Zusammen mit den 25 Seiten Literatur-Verzeichnis enthält es auch viele weitere Anregungen und Ansatzpunkte für die theoretische Vertiefung des Themas.

Professor Dr. Christa Seja lehrt Marketing an der Hochschule Hannover. Ihr Buch hat mir gut gefallen.

2 Gedanken zu „Die Kunst des WOM – und was dahinter steckt.

    • Danke für den Hinweis! Ich denke auch, dass beide ihre jeweiligen Stärken haben. Mancher Content wird erst durch virale Verbreitung stark. Und ohne Content ist eben gar nichts da, sich viral zu verbreiten.

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