Content zum Kauf? Teil 3 eines Versuchs

Vor einigen Tagen haben wir 2 „Content-Generatoren“ ausprobiert und das Ergebnis hier vorgestellt.  Mit „Content-Generatoren“ bezeichnen wir Unternehmen, die Textbeiträge anbieten für die weitere freie Verwendung durch den Auftraggeber. So etwas gibt es schon z.B. für Fotos und Cartoons, aber auch für Software, warum also nicht für Wortbeiträge? Wer etwa in seinem Blog regelmäßig Neues bieten will, weiß, wie aufwendig die Erstellung eines Beitrags sein kann. Gibt es hier vielleicht einen schnellen, effizienten Weg zu mehr Content?

In der Tat: auf den ersten Blick sind diese Content-Anbieter verblüffend günstig (und auch fix). Doch die Leitlinie: „Es ist zwar nicht was ich brauche, aber sehr billig“ ist bekanntlich kein guter Ratgeber. Ist also dieser content-to-buy das investierte Geld wert? Wird pünktlich geliefert?

In den beiden vorangegangenen Beiträgen wurden hier die Anbieter Contentworld und Textbroker jeweils an Hand eines gekauften Beispiels vorgestellt – mit eher negativem Ergebnis in beiden Fällen. Dabei verfolgen die zwei Anbieter unterschiedliche Strategien:

  • Contentworld bietet vorgefertigte Texte an, man kauft sozusagen aus dem Regal und kann die Ware gleich mitnehmen. Unschlagbar bezüglich „speed“: wer dringend noch heute einen Lückenfüller braucht, kann hier fündig werden. Intensive Nacharbeit gerade auf der formalen Seite (Rechtschreibung & Co.) ist allerdings unbedingt erforderlich. Und: die Katze schaut nur teilweise aus dem Sack, was man genau erhält, sieht man erst nach dem Kauf.
  • Textbroker erstellt Texte auf Bestellung entsprechend Briefing. Dabei gehen leicht 2-3 Tage ins Land. Und die Qualität ist nur gerade so hoch, wie der input im Briefing war. Neue Fakten oder Zusammenhänge, neue Einsichten gar, gewinnt der Auftraggeber nicht.

Der dritte Anbieter content.de ist ebenfalls „Maßschneider“, d.h. auch hier ist zunächst ein Briefing zu erstellen (dafür gibt es Templates) und nach 3 bis 5 Tagen ist der bestellte Beitrag dann fertig.

Das Briefing in unserem Beispiel-Text war recht offen: es sollte ungefähr eine DIN-A 4 Seite zu neuen Social Media Trends geschrieben werden, der Autor hatte weitgehend freie Hand, was er da nun herausstellen wollte. Das Ergebnis ist hier zu besichtigen: Beispieltext „Social Media Trends“ von content.de.

Auch hier sind wir nicht zufrieden. Der Text ist oberflächlich, zu schlicht formuliert und fachlich nicht konsistent. Als Beitrag z.B. für dieses Blog kommt er keinesfalls in Frage, und der Aufwand für eine Optimierung ist fast größer, als eine völlig neue, eigene Erstellung. Welchen Teil dieses erhaltenen Textes könnte man denn wirklich weiter verwenden?

Natürlich hängt das Ergebnis stark vom Briefing ab – und einigen anderen Faktoren, wie zum Beispiel dem gewählten Qualitätsniveau. Im Falle von content.de kommt allerdings als großer Minuspunkt auch noch hinzu, dass die zeitlichen Vorgaben nicht eingehalten wurden.

Noch wenige Minuten vor Ablauf der Erstellungsfrist konnte man auf der Webseite lesen, dass der Autor gleich fertig sei – und dann gab er den ganzen Auftrag einfach nach Fristablauf unerledigt wieder zurück. Auch kein Fragment der abgebrochenen Arbeit wurde übergeben. Diese Entwicklung war wirklich überraschend und auch erschreckend.

Man stelle sich einen engen Redaktionsplan vor mit vielleicht noch 2 Stunden Puffer – und dann kommt auf den letzten Drücker eine Absage und der Prozess geht automatisch wieder von vorne los, wieder 3 Tage, bis der nächste Autor vielleicht liefert. Das geht natürlich gar nicht (auch wenn im Kleingedruckten ggf. diese Möglichkeit angesprochen wurde).

content.de stellt sich da sehr schmerzfrei auf: Man sei nur Mittler, solche Details müssen Auftraggeber und Autor direkt untereinander klären. Unserer Bitte, doch mal nach den Gründen dieser Terminunzuverlässigkeit von Autor A zu forschen, wurde nicht nachgekommen.

Sehr kleiner Trost: der hier oben behandelte Text wurde dann von Autor B sehr pünktlich geliefert.

Ein Fazit nach diesen 3 Selbstversuchen fällt noch schwer, denn es läuft Gefahr, die Chancen, die in diesen Services liegen, zu verkennen. Zu viel kann abhängen von Thema, Verwendungszweck und Briefing, aber auch den Vorgaben (Länge, Qualitätsniveau, Fristen) und natürlich vom Autor.

Ja, alle 3 Texte haben enttäuscht (bei content.de auch das „processing“) und sind für den bisher unterstellten Einsatzbereich (ein btb-Blog) zu ungeeignet. Doch vor einem abschließenden Urteil werden wir entgegen der bisherigen Planung noch einige Texte ausprobieren – in der Hoffnung, dass sich das Bild abrundet.

Erste Thesen zum Nutzen dieser Content-Provider:

  • Content-Lieferanten on-demand (content.de, textbroker) erfordern sorgfältige Vorarbeit beim Briefing und auch in der Nachbearbeitung (man kann den erhaltenen Text zur Überarbeitung auch nochmal zurückschicken).
  • Sie eignen sich nicht für Projekte unter Zeitdruck, denn wann man letztendlich den einsetzbaren Text in Händen hält, ist ungewiss.
  • Das Textniveau ist bei on-demand-Lieferanten fachlich nicht höher als der input.
  • „Regalware“ von contentworld auf der anderen Seite kann mitunter fachlich eine Bereicherung sein. Dafür ist das formale Niveau hier niedriger.
  • Wer schnell noch einen Beitrag braucht, bereit ist, in den Fertigtexten ein wenig zu suchen, auf Verdacht einige Texte kauft, dann streng selektiert und schließlich die Rechtschreibe-Oberlehrerbrille aufsetzen mag – der wird für einige Themengebiete vermutlich geeignete Beiträge finden.

Noch liegen uns indessen keine überzeugenden Belege für diese letztendlich wohlwollende Beurteilung vor. Wir werden also noch einige weitere Texte bestellen und dann hier von den Eindrücken berichten.

Haben Sie schon Erfahrungen mit „Kauf-Texten“ gemacht? Für welchen Bereich, mit welchem Aufwand, mit welchem Ergebnis? Über Ihre Erfahrungsberichte oder auch Fragen zum Thema freuen wir uns sehr.

0 Gedanken zu „Content zum Kauf? Teil 3 eines Versuchs

  1. Hallo Herr Apel,

    sehr interessantes Experiment und ausführliche Auswertung.
    In unserem günstigsten Produkt, der OpenOrder, haben Sie ja keinen Einfluss darauf, wer Ihren Text schreibt. Dadurch haben Sie hinsichtlich Fristen und Fachkenntnis recht wenig Einfluss auf den Autor.
    Versuchen Sie es doch mit einer DirectOrder, die nur exklusiv von dem Autor geschrieben wird, den Sie dazu auswählen, zum Beispiel über Probetexte oder Fachgebiete in dessen Autorenprofil. Hier können Sie auch vor Auftragsvergabe Fristen und ggf. eine höhere Vergütung für zusätzlichen Rechercheaufwand vereinbaren.

    Viele Grüße
    Katharina Bellinger

  2. Hallo Herr Apel,

    wie Sie richtig erkannt haben, hängt die Güte des gelieferten Textes stark vom Briefing ab, dass dem Autor mitgegeben wird.
    In Zeiten von „Shades of Grey“ ist der von Ihnen gewählte Auftragstitel „SM-Trends“ eventuell etwas irreführend gewesen ;-). Leider haben Sie ja nicht von der Möglichkeit gebrauch gemacht, den Text in eine Revisionsschleife zu schicken, in der der Autor Ihre Kritikpunkte hätte nachbessern können.

    Generell gilt: Sowohl content.de als auch TB sind Marktplätze auf denen Sie zu günstigen Preisen Autoren beauftragen können. Wenn Sie knappe Deadlines zu beachten haben, ist es der falsche Weg, Aufträge auf den offenen Marktplatz zu platzieren. Wie die Kollegin von TB schon richtig anmerkte, sind DirectOrders an bestimmte Autoren hier der zielführende Weg für Ihren Einsatzzweck. Die Kosten fallen hier zwar höher aus, bringen Ihnen aber die gewünschte Termintreue und thematische Tiefe, insbesondere wenn Sie zuvor ihren Bedarf mit dem Autor abstimmen.

    Gerade wenn Sie einen ausgewiesen Experten zu einem bestimmten Thema benötigen, wäre es zielführenden gewesen, unsere Team bei der Suche nach einem Autor um Unterstützung zu bitten, oder unser schwarze Brett zu nutzen.

    So wie er durchgeführt wurde kann der Test bei den vorgegeben Anforderungen nur scheitern – egal auf welcher Plattform.

    Der Umgang mit einem neuen Werkzeug erfordert immer etwas Übung und benötigt eine Phase der Einjustierung. Wenn Sie die Geduld für diese Einschwingphase für die Nutzung von Content-Marktplätzen aufbringen, können Sie auch auf diesem Weg Content mit Mehrwert für Ihre Leser einkaufen.

    Viele Grüße: Arne Sigge

    • Danke für die interessanten Hinweise Herr Dr. Sigge.
      Gerade neue User können hiervon sicher profitieren.
      Für mich bleibt die Frage: der von mir beschrittene Weg ist ja gangbar, als Rookie taste ich mich ja so ans Thema. In welchem Fall, für welche Themen o.ä. führt er denn zum Erfolg? Es wäre ja schade, wenn dieser Weg eigentlich gar nicht geht, weil man eigentlich immer einen dedizierten Autor o.ä. wählen sollte. Konkret also: wann / wo ist open order / open crowd sinnvoll? Ihr Feedback, für das ich schon mal danke, wird auf jeden Fall veröffentlicht.
      Freundliche Grüße, Peter Apel

  3. Hallo Herr Apel,

    in Ihrem Fall haben Sie einen Text für einen Blog geordert, hinter dem Sie persönlich stehen und bei dem Sie thematisch und stilistisch (evtl. unbewusst) schon sehr konkrete Vorstellungen haben. Für solche Fälle ist eine „Vorauswahl“ des Autors notwendig. Überspitzt gesagt: „als Ghostwriter für die eigene Autobiographie nimmt man auch nicht den erstbesten Autor“. 😉
    Der offene Marktplatz hingegen wird z.B. von Kunden verwendet, die große Blognetzwerke mit Content füttern müssen, die sie für Linkbuildingmaßnahmen betreiben. Oder für Domainportfolios, die mit Initialcontent bestückt werden müssen, um bei Suchmaschinen erstmal eine gewisse Relevanz zu erreichen.
    Für diese und vielen ähnliche Zielgruppen ist es wichtig, schnell, viele (preisgünstige) SEO-Texte zu erhalten.

    Oftmals wird der offene Marktplatz auch genutzt, um sich in Pre-Test-Phasen Autorengruppen zusammenzustellen, die dann dann später für die Textproduktion genutzt werden.

    Abbildbar sind über die Marktplatzsysteme Lösungen für die verschiedensten Zielgruppen. Da die Möglichkeiten auf den verschiedenen Marktplätzen für „Einsteiger“ aber schon etwas „erschlagend“ sind, ist oftmal eine individuelle Einführung notwendig.

    Mit freundlichen Grüßen: Arne Sigge

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