Content richtig kaufen – 12 Ratschläge

Inhalte für Homepages, Blogs, Lieder, Gedichte und Romane kann man online kaufen. Wir haben 3 von diesen Anbietern getestet mit konkreten Projekten bzw. Themen. Wir wollten lernen, wie man Content richtig kaufen soll. Immer ging es uns um potenzielle Beiträge für ein btb-Blog (wie dieses hier). Von den Ergebnissen haben wir hier berichtet:

Alle 3 Ergebnisse waren eher enttäuschend, darum haben wir noch eine 4. und letzte Versuchsrunde mit allen dreien angesetzt, von der wir hier abschließend berichten. Zu den bisherigen Ergebnissen haben 2 Verantwortliche der Anbieter in Kommentaren hier Stellung genommen – auf diese interessanten Hinweise (Textblock rechts oben auf dieser Seite)  möchten wir explizit aufmerksam machen.

In diesem letzten Versuchsaufbau haben wir content.de und Textbroker das gleiche Briefing und auch sonst formal die gleichen Anforderungen gegeben (Preisniveau, maximal Bearbeitungsdauer). Beide sind „content-on-demand-Provider“ und arbeiten grosso modo ähnlich. Die Ergebnisse sind indessen recht unterschiedlich.

Bei Contentworld liegt die Sache anders, hier wählt man fertige Beiträge online an Hand von Abstract und Preisniveau aus.

Zu den Ergebnissen:

content.de

Ein Bewertungs-Dokument mit Briefing, Ergebnis und Summary-Urteil finden Sie hier. Der Text enthält diverse Interpunktionsfehler, ist stilistisch wie fachlich nicht voll auf dem Punkt und insgesamt so nicht veröffentlichbar. Man muss eindeutig nacharbeiten – oder nacharbeiten lassen. Diese Nacharbeit ist im Preis von 8,53€ enthalten, ob die stilistischen und fachlichen Kritik-Punkte umfänglich gelöst werden, bezweifeln wir aber.

Textbroker

Hier das Bewertungsdokument, wieder mit dem Briefing (identisch zu content.de), Ergebnis und Summary. Mit diesem Text sind wir sehr zufrieden, ohne größere weitere Bearbeitung könnte man das veröffentlichen (Kosten 9,40€)

Ist also Textbroker besser als content.de? Das kann man so sicher nicht schlussfolgern, es kommt eben auf den Autor an. Und bei dem Modus open-crowd / open-order muss man nehmen, was kommt. In unserem Fall haben wir bei Textbroker einen guten und bei content.de einen nicht ganz so guten Autor erwischt, Content-Roulette. Doch was heißt das für den normalen Anwender? Wie bei Forest Gump scheint das Geschäft eine Schachtel Pralinen zu sein – man weiß nicht, was man bekommt. Gerät man an ein zu einfaches Autorengemüt, dann ist der Text so weit vom Ziel entfernt, dass auch Nachbessern nicht die Lösung liefern wird.

Die Frage ist also: in welchem Use-Case, in welchem realen Einsatzbeispiel ist die günstige Open-Crowd-Variante überhaupt zielführend? Wer ist regelmäßig mit den Texten, die er auf diesem Wege für rd. 10€ bekommt, zufrieden? Betreiber von leidlich intelligente btb-Blogs offensichtlich nicht, echte Themen-Treffer scheinen eher Glückssache zu sein. Verliebte, die ein Gedicht oder ein Lied brauchen? Eine gute Antwort haben wir hier nicht gefunden. Wenn Leser dieses Beitrags hier aufklären können und mögen …

Contentworld

Bei Contentworld liegen die Texte bereits fertig vor – und das muss durchaus kein Nachteil sein! Die Chance, auf hinreichende Kompetenz zu einem konkreten Thema zu treffen, ist vermutlich höher, hat der Autor dieses Thema doch aus freien Stücken gewählt und nicht, weil sein Auftraggeber es so wollte. Nur eben: sein Thema kann man nicht aussuchen, mehr die Richtung, wie etwa Reisebeschreibung und – ja, in der Tat: Erotik. Man findet durchaus entsprechende Texte, die so „fachkompetent“ sind, wie jeder normale Erwachsene es halt hinbekommt. (Wir vermeiden hier das stärkere, aber eigentlich angemessenere P-Wort für das Genre, um nicht von puritanischen Google-Entwicklern in die falsche Schublade gelegt zu werden…) „Gut“ ist das dann nicht wirklich, aber vielleicht ist das in dieser Spezialdisziplin auch der falsche Maßstab. Genre-typisch ist es jedenfalls.

Für 10 Euro (Mindestbestellwert) haben wir insgesamt 7 Texte (!) bekommen, nur einer davon war direkt und unmittelbar verwendbar: eine Reiseempfehlung „Mallorca im Oktober“ für 84ct. Viel Hirsebrei und Blindtext also, bis man mal auf etwas Einsetzbares trifft.

Frech ist es auch, wie manche Autoren an ihren Tags und Headlines vorbei schreiben. Der Versicherungsvergleich zum Beispiel ist gar keiner und es dreht sich auch nicht um Rente, obwohl danach gesucht war. Da man den ganzen Text erst nach dem Kauf sieht, wird man also schon von einigen Autoren gefoppt. Hier würde man sich von Contentworld mehr Qualitätssicherung wünschen, aber das ist bei den Preisen wohl nicht mehr möglich.

Alle 7 Texte im Original wären vermutlich zu ermüdend, aber hier ist eine Übersicht auf einer Seite. Bitte schreiben Sie uns, wenn Sie irgendwelche Texte im Original sehen möchten.

Fazit

So faszinierend die Geschäftsidee beider Ansätze (fertige Texte und on-demand-Texte) auf den ersten Blick ist, das überzeugende Geschäftsmodell haben wir nicht erkannt. Vielleicht muss man durch eine längere Lernkurve und sich seine Autoren „heranziehen“, so dass man genauer weiß, was man bekommt. Dann sind diese Anbieter aber eigentlich eher „Autoren-Börsen“.

Für den Einsteiger, der operativen Content-Druck hat, liefern muss und nicht weiß, was und wie, sind hier einige Hinweise:

  1. Um eine konkrete Botschaft zu platzieren sollte man on-demand-Services beauftragen
  2. Übergeben Sie alle Fakten, die wichtig sind und keine unwichtigen
  3. Briefen Sie bzgl. Stil eng, die Autoren neigen zu einem recht lockeren Stil, passt nicht immer
  4. Wenn die Textlänge wichtig ist, verlangen Sie präzise Einhaltung der Grenzen – es wurde fast immer zu viel geliefert
  5. Wählen Sie mindestens Qualitätsklasse 3, besser 4
  6. Beauftragen Sie beide Provider, kann sein, einer fällt ohne Angabe von Gründen überraschend aus oder ein Text ist überhaupt nicht verwendbar
  7. Wenn Sie eher aus einem Genre oder rund um einen größeren Themenbereich schreiben wollen, probieren Sie Contentworld.
  8. Kaufen Sie da mindestens 5, besser 10 Artikel und nutzen Sie davon 1-2. Sicher ist mindestens die Hälfte unbrauchbar, aber die Chancen sind nicht schlecht, dass auch mal eine kleine Perle dabei ist.
  9. Kaufen Sie nur dann exklusive Artikel, wenn es unbedingt sein muss (etwa Kundenwunsch).
  10. Bei Contentworld ist der Preis nur ein schwacher Indikator für Qualität
  11. Nutzen Sie diese Services als Einsteiger generell nur, wenn nicht so anspruchsvoller Content gesucht wird
  12. Bauen Sie sich für regelmäßigeren Einsatz von Content-Providern ein Autoren-Pool auf, den Sie kennen und steuern.

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0 Gedanken zu „Content richtig kaufen – 12 Ratschläge

  1. Mich überzeugt das Konzept dieser Text-Börsen ehrlich gesagt auch nicht wirklich. Um wirklich gute Texte zu erhalten, muss man entweder „viel“ Geld in die Hand nehmen und mehrere Texte schreiben lassen, oder viel Zeit investieren um sich einen Pool Autoren aufzubauen, die wirklich etwas drauf haben.
    Da erscheint die Möglichkeit doch attraktiver, mir eigenständig aus dem Kreise von Freunden, Freundes-Freunden, Bekannten und ehemaligen Studienkollegen Leute herauszusuchen, die echte Experten zu einem Thema sind. Ist zwar auch aufwendig, dafür habe ich dann wirklichen Experten-Content.
    Wenn Textbrooker mit dem Argument für sich wirbt, dass guter Content immer wichtiger wird, kann ich nur müde lächeln.

  2. Sehr geehrter Herr Apel,

    ich habe Ihren Test mit größtem Interesse verfolgt. Besonders, weil Sie auch meine Texte auf allen der erwähnten Plattformen erwerben können. Verzeihen Sie, wenn ich angelegentlich Ihrer Bewertungen doch schmunzeln musste: Die fehlerhafte Interpunktion und Rechtschreibung in Texten, die unter Euro 10,- gekostet haben, scheinen Sie nur in fremden Inhalten zu bemerken. In Ihren eigenen Texten sind sie scheinbar akzeptabel.

    Hier gern ein paar Beispiele aus einem anderen Ihrer Inhalte:

    Aus http://trickr.de/10-fehler-beim-content-marketing-inkl-gegenmittel/

    Leads: Man hinerläßt seine email Adresse (Rechtschreibung – es fehlt ein t und email schreibt sich E-Mail)

    Ohne Research-Hintergrund schreiben Sie nicht für ein Publikum sondern für sich selbst. Das ist dann nicht Marketing sondern einfach eine Art journalistisch aufbereitetes Tagebuch. (und hier fehlt das Komma vor »sondern«.)

    Tatsächlich konnte ich keinen fehlerfreien Beitrag in den Artikeln entdecken, die ich heute gelesen habe.

    Insgesamt stimme ich Ihren 12 Empfehlungen jedoch zu. Ja, es zahlt sich aus, Zeit in die Autorensuche zu investieren. Textbroker und Content bieten dafür ausführliche Autorenprofile an. Wie alle Contentbörsen übrigens. Bei der Open Order spielt immer der Zufall eine entscheidende Rolle dabei, wie gut das Ergebnis passt. Wer sowohl Geld und als auch Aufwand sparen will, darf wohl kaum erwarten, Webinhalte zu bekommen, die (höherpreisige) Autoren durchaus liefern können.

    In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

    BRed

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