Digitale Reife

Abstract

Die mangelnde digitale Reife in Deutschland ist Ursache für seine international zweitklassige IT-Position. Aber digitale Reife hat nichts mit modernen Geräten und üppiger Bandbreite zu tun. Die Ursachen des Mangels stecken in unseren Köpfen.

Die folgenden drei Beispiel zeigen einmal mehr: die wichtigste Zukunfstinvestition in Deutschland muss der digitalen Reife gelten.

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Software-Schwachstellen gehen zurück, yippie!?

Gute Nachricht?

Anfang des Jahres erreichte uns diese tolle Nachricht: Gegenüber 2015 ist die Anzahl der registrierten Software-Schwachstellen weltweit von 6.400 auf 5.600 zurückgegangen, über 10% minus! Die Quelle ist das Hasso-Plattner-Insititut in Potsdam.

Die Nachricht ist aus dem Januar 2017, jetzt, einen Monat später sind wohl doch noch ein paar Bugs nachgemeldet worden, jetzt sieht es doch wieder nach Anstieg aus. (gelb = geringer Schweregrad, rot = hoher Schweregrad). Schade, zu früh gefreut.

Software-Schwachstellen laut Hasso-Plattner-Institut am 18.2.17

Ein Armutszeugnis

Doch es ist eigentlich gar nicht so wichtig, ob die Werte nun noch ein wenig gestiegen oder womöglich wirklich ein kleines bisschen gesunken sind. Viel wichtiger ist mir ihre absolute Höhe. 6.500 Schwachstellen sind einfach zu viele. Diese Zahlen sind darum für mich ein Armutszeugnis für eine ganze Branche.

Es gab alleine knapp 2.500 schwere Software-Schwachstellen – so groß ist der rote Balken. Wenn das Autos wären, dann würden in all den betroffenen Modellen die Bremsen oder die Lenkung nicht funktionieren. Kühlschränke würden über Nacht abtauen. Atomkraftwerke würden unerlaubte Mengen Strahlung abgeben.

Seit 30 Jahren haben wir uns aber daran gewöhnt, dass das gute alte Prinzip der 0-Fehler-Auslieferung für Software einfach nicht gilt. Hier herrscht statt dessen das Multi-Fehler-Prinzip, ganz hemmungslos. Die spätere Fehlerbehebung ist ja bereits Teil des initialen Roll-Out-Plans, sie ist Teil der Marketing Strategie.

Zugegeben: es klappt auch bei den Autos, Kühlschränken und Atommeilern nicht immer. Wir kennen aufwendige Rückrufaktionen und wir kennen auch Tschernobyl. Aber in diesen Branchen wird es zumindest angestrebt. Im IT-Bereich ist grüne Banane das Geschäftsprinzip.

Ebenfalls zugegeben: Eine Ursache der Malaise ist der massive Preisdruck – und dafür sind am Ende ja wir selbst verantwortlich. Aber andererseits: bei Autos und Kühlschränken sind wir doch nicht wirklich großzügiger.

Dabei misst dieser Index (es ist der CVSS-Index) nur die Sicherheits-Schwachstellen, die Angreifbarkeit. Die reine Funktionalität (tut es, was es verspricht?) steht dabei noch gar nicht zur Debatte. Vermutlich könnte man alle Werte verdoppeln oder verdreifachen, wenn die Qualität in diesem Sinne ganzheitlich bewertet würde.

Die wirkliche Ursache

Aus meiner Sicht ist die wirkliche Ursache, dass Software keinen ernst zu nehmenden Zulassungsbedingungen unterliegt. Jeder, der sich für einen Entwickler hält, kann entwickeln und dann vermarkten. Angesichts der IT-Abhängigkeit von immer mehr Lebensbereichen ist diese Situation wirklich absurd fahrlässig. Doch welche (semi-)staatliche Stelle traut sich an eine solche Aufgabe heran?

Die schwierigen Deutschen gelten nicht gerade als Digitalisierungs-Fans. Sie sind eben Qualitäts-Fans, schon immer gewesen. Ein Grund für ihre Zurückhaltung ist darum sicher in dieser Multi-Fehler-Kultur zu suchen.

Google-Suche – aber bitte aktuell!

Geht Ihnen das auch so? Bei den allermeisten Google-Suchen bin ich nur an aktuellen Treffern interessiert und ärgere mich über die ollen Kamellen aus 2012 oder noch früher, die das Bild verstellen.

Um die also auszublenden wähle ich dann oben rechts „Suchoptionen“ und stelle ein passendes Zeitfenster ein – meistens 1 Jahr.

Google1Schon oft habe ich mich gefragt, warum man das nicht in Google (oder dem Browser) voreinstellen kann, so wie die Sprache auch. Alle Treffer sollen höchstens 12 Monate alt sein. Das macht doch Sinn in den allermeisten Fällen.

Vermutlich will Google vermeiden, dass die organischen Reichweiten älterer Beiträge in den Keller sacken (das würden sie ja zwangsläufig) und bietet diese Funktion bewusst nicht an. Nun ja. Man merkt schon wieder, wer hier der wichtige Kunde ist. Wir Nutzer sind es jedenfalls nicht.

Nun hat mir ein Freund einen kleinen Trick gezeigt (auf den ich eigentlich auch allein hätte kommen können). Man ruft Google schon mit dieser zeitlichen Einschränkung auf, der http-string heißt: „https://www.google.de/#&tbs=qdr:y„, das Y am Schluss steht für „year“. Wer’s lieber monatsaktuell mag, wählt eben „m“.

Weil ich diese Einstellung regelmäßig verwenden will, habe ich mir in der Symbolleiste ein zusätzliches kleines Lesezeichen angelegt, es heißt „G-12“. Alles was ich über dieses Fenster suche, ist dann nie älter als 12 Monate.Google2

Danke, Dirk.

Unsichere Telekom Cloud wird sicherer

Das war knapp!

In meinem letzten Artikel hier hatte ich von dem ärgerlichen „Administrator-Zwang“ bei der Installation der App zur Telekom Cloud, der MagentaCloud-App also, berichtet. Dieser Rechte-Zwang bedeutete wirklich einen Rückschritt in Sachen Datensicherheit.

Mein work-around zu dieser Sicherheitslücke war dann zwar nur halb befriedigend und immer noch ein wenig Bastelei. Für die Mehrzahl der interessierten Nutzer wird er wohl ausgereicht haben, für alle sicher nicht. Und besser ging’s halt nicht.

Doch unsere Meckerei (und die vieler Anderer, keine Frage) wurde anscheinend gehört, denn kurz nachdem der Artikel erschienen war, kam ein neues Release von der Telekom.

Um es aufzuspielen, mußte man zwar wieder Admin-Recht am PC haben, also wieder der gleiche Zirkus wie zuvor. Aber mit diesem Update sollte das Problem dann behoben sein.

Etwas wundern darf man sich noch über den Stil, in dem dieser sinnvolle Update vorgestellt wurde. Nicht etwa: „Wenn Sie Zeit haben, lieber Kunden, bitten wir Sie…“ oder gar: „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, die Ihnen …“. Nee, nur flapsig: „Sie müssen den Update installieren. So lange Sie das nicht machen, haben Sie keinen Zugriff mehr auf Ihre Daten!“

Klingt für mich nach Nötigung. Vielleicht habe ich gerade keine Zeit, diese Rechte-Hampelei mitzumachen und muss einfach nur ganz schnell an diese eine Datei ran – tja, dumm gelaufen.

Aber unerfreuliche Umgangsformen sind anscheinend Teil der Technik. Microsoft stellt sich ja nicht mal mehr vor, wenn man plötzlich den sehr beruhigenden Satz liest „Ihre Daten sind da, wo Sie sie abgelegt haben.“ – Ja, wo denn sonst? Und wer teilt einem diese Selbstverständlichkeit gerade mit? Ist es ein Wunder, dass die Sitten im Web verrohen, wenn selbst die edle Kundenbetreuung großer Firmen auf Flegel-Niveau ist?

Aber sich zu ärgern bringt ja nichts.

Ergänzen will ich hier noch, dass Dateien, die mit Boxcryptor im Mediencenter verschlüsselt wurden, und die jetzt also in die MagentaCloud umgezogen sind, mit dem gleichen Passwort auch wieder entschlüsselt werden können. Der „Boxcryptor-Safe“ hat den Umzug also unbeschadet überlebt.

Aus meiner Sicht und nach allem, was ich dazu gelesen habe, ist die deutsche Boxcryptor-Software eine ähnlich sichere Verschlüsselungs-Methode wie damals TrueCrypt, ich kann sie empfehlen. Auch das Zusammenspiel mit MagentaCloud funktioniert gut.

Wer mit anderen Verschlüsselungs-Tools in Verbindung mit MagentaCloud Erfahrungen gesammelt hat, ist herzlich eingeladen, diese hier kurz vorzustellen. Wenn gewünscht ist auch ein Gast-Artikel möglich.

Der Passwort-Reim so kräftig holpert, …

…dass Brute-Force-Angriff sich verstolpert.

Dieser Vers ist ein mögliches Format für wirkliche sichere Passworte, folgt man einer Arbeit von Marjan Ghazvininejad und Kevin Knight von der University of Southern California (USC).

Der Reim ist ein vierfüßiger Jambus (aka „Knittelvers“), in dem sich betonte und unbetonte Silben abwechseln, beginnend mit einer unbetonten. Binär würde man dieses Ab und Auf in jeder Zeile so abbilden: 01010101. (In unserem Beispiel haben wir das Schema etwas stark „verknittelt“: die unbetonte letzte Silbe gehört da eigentlich nicht hin.)

Auf Englisch ist es etwas leichter:

Sophisticated potentates
misrepresenting Emirates

macht so gut wie keinen Sinn mehr, aber ist formal voll korrekt und reimt sich eben.

Und was soll der ganze Poesie-Zirkus? Die Verse sind gute Passworte!

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PDF-Dokument macht Druckprobleme

Auf einigen Rechnern unter Windows 7 sind wir regelmäßig in Druckprobleme mit PDF-Dokumenten gelaufen: Der Acrobat Reader von Adobe hat sie zwar angezeigt, aber nicht gedruckt, auf keinem Drucker. Zunächst erschien: „Das Dokument konnte nicht gedruckt werden.“ und nach OK dann: „Keine zum Drucken ausgewählten Seiten vorhanden.“

Nach vielen ergebnislosen Suchen und Versuchen haben wir schließlich eine Lösung gefunden.

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IT-Sicherheit: Sind die Deutschen Pharisäer?

riskyUnvorsichtige Bürger

Vor wenigen Tagen konnte man erfahren: nur jeder vierte Internetnutzer verwendet systematische Methoden zur Passwortverwaltung wie Passwortmanager oder Passwortsafe (BITKOM vom 22.10.14). Und in der FAZ konnte man fast zeitgleich lesen, dass knapp 30% der Internetnutzer aus Sicherheitsgründen auf Online Banking verzichtet, Quelle wiederum BITKOM.

Schaut man auf die andere Seite der Kuchen, auf die anderen jeweils 70-75%, dann stellt man fest: Wie immer man die halben und Viertel-Torten übereinander legt, übrig bleiben rund 50%, die am Online Banking teilnehmen und ihre Passwörter nicht mit den o.g. Tools verwalten und schützen.

Nun ist Online-Banking ja kein Kinderfasching, hier kann man nicht nur versehentlich ein paar peinliche Fotos aus der Sauna oder Joint-Bekenntnisse aus frühen Schultagen den falschen Leuten zugänglich machen. Beim Online Finanzmanagement kann man richtig was versemmeln!

Alles Pharisäer?

Haben wir hier also einen weiteren Beleg für die schizophren-hysterischen Deutschen, die zwar abstrakt und theoretisch sehr viel Angst vor allen möglichen Bedrohungen der IT-Welt äußern (BITKOM: 81% haben Angst vor Ausspähung im Web), die aber, wenn es um das eigene umsichtige und sicherheitsbewusste Datenmanagement geht, sehr nachlässig weil vermutlich bequem sind? Sind wir Deutschen IT-Pharisäer?

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WhatsApp auf dem Vormarsch

Zu WhatsApp kann man ja durchaus kritische Aspekte zusammentragen. Das Unternehmen ist kaum transparent (fast unauffindbar hinter einem Sushi-Restaurant irgendwo im Valley?), die führenden Mitarbeiter sind praktisch unbekannt (ein recht kryptisches Interview mit Jan Koum gab es ausnahmsweise beim letzten DLD), es hat ein schwer nachvollziehbares Tarifmodell (irgendwas zwischen lebenslang kostenlos und jährlicher Nutzungs-Gebühr) und in Sachen Datenschutz hat die Stiftung Warentest schon im Mai 2012 höchste Bedenken angemeldet: das gesamte Telefonbuch des Nutzers wird unverschlüsselt an amerikanische Server übertragen. WhatsApp rüstete daraufhin nach und verschlüsselt nun, doch die eingesetzte Technik sei, so wird kritisiert, kaum ein echter Schutz.

Die Nutzer scheint das alles nicht zu stören, denn WhatsApp hat in D nun schon rund 30 Millionen (mehr als Facebook hier Mitglieder hat!) und der Zuwachs geht weiter. Er findet statt auf dem Rücken des mobilen Internets, denn etwas vereinfacht gesagt ist WhatsApp so etwas wie MoIP, „Message over IP“. Darum gibt es bei WhatsApp die beliebten kostenfreie Tarife, darum können hier auch Bilder und z.B. GPS-Daten übermittelt werden.

In ihrem monatlichen Kurzbericht stellt das Institut für Demoskopie, Allensbach (IfD), in Ausgabe 1-14 nun einige Eckdaten zu Nutzern und Nutzung von WhatsApp vor. Wir haben das hier in einer Grafik zusammengefasst:

WhatsApp Grafik
*)Mit dem Asterix bei „Sonstiges“ soll darauf hingewiesen werden, dass in dieser Gruppe die Antwort „Ganz unterschiedlich“ den höchsten Anteil hat. Von den 24%-Punkten bei „gesamt“ entfallen hierauf 20%-Punkte. D.h. die Nutzer gehen differenziert, Themen- oder Empfänger-bezogen vor. Viele werden sich auch an der jeweiligen Verbindungsqualität orientieren. WhatsApp ist erst im WLAN richtig schnell und dann natürlich garantiert gratis.

Die relativ hohe Akzeptanz von WhatsApp bei jüngeren Nutzern korreliert mit der höheren Smartphone-Dichte in dieser Gruppe. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie sich das Wachstum hier weiter fortsetzt. Alle Einfluss-Faktoren zeigen weiter nach oben.

Mobile SEO – alles erledigt?

Mobile devicesVor einigen Tagen haben wir hier einen Gast-Beitrag zum Thema „Mobile SEO“ veröffentlicht. Das Ergebnis dort war: Mobile SEO ist durchaus eine spezielle Disziplin.

In diesem Beitrag hier wollen wir noch etwas tiefer gehen und die Frage behandeln, ob denn nun alle offenen Punkte rund um „Mobile SEO“ abgearbeitet sind (vorweggenommene Antwort: durchaus nicht!)

Doch bevor wir zu diesen offenen Punkten kommen, wollen wir einige Grundlagen vorstellen – nicht ganz Adam-und-Eva und auch ganz kurz. Wer das alles überspringen will, der klickt bitte auf diesen Link:

Was fehlt und stört beim derzeitigen mobile SEO?

Alle Anderen lesen bitte hier einfach weiter:

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Hallo! Braucht jemand Mobile SEO?

Social NetworkBisweilen tauchen Begriffe im Online-Marketing geradezu kometenhaft auf und werden vielfach diskutiert, wobei man sich fragt, welche Wichtigkeit das Diskutierte nun tatsächlich besitzt. Mobile SEO ist so ein Fall. Nahezu täglich stößt man auf Zahlen zur mobilen Internetnutzung. Sie machen deutlich, dass es stetig lukrativer wird, als Betreiber einer kommerziellen Website auch mobile Internetnutzer im Blick zu halten und gezielt um sie zu werben. Aber welche Rolle spielt Mobile SEO? Ist es eine eigenständige Onlinemarketing-Disziplin oder praktisch genau dasselbe wie SEO (Suchmaschinenoptimierung) für klassische Websites, weshalb man gar nicht über Mobile SEO reden muss? Versuchen wir uns an einer Antwort.

Warum Mobile wichtig ist

Klären wir zunächst vielleicht kurz, warum mobiles Internet für viele Betreiber kommerzieller Internetseiten stetig wichtiger wird. In der Studie „Mobile Internetnutzung“ von TNS Infratest im Auftrag der Initiative D21 gaben 2012 insgesamt 27 Prozent der Befragten an, (auch) mobil ins Internet zu gehen. In der 2013-Version der Studie waren es bereits 40 Prozent. Mobile Internet-Nutzung wächst rasant und das auch in der Gruppe der Silver Surfer ab einem Alter von 50.

„In der Altersklasse der 50 bis 64-Jährigen ist der Anteil der Smartphone-Besitzer allein in den vergangenen gut sechs Monaten um die Hälfte gestiegen – von 26 auf 39 Prozent“, berichtete zum Beispiel der Hightech-Verband BITKOM im Juni 2013. Und die Wirtschaftsprüfer von Deloitte sahen Ende 2012 ein Potenzial von 26 Millionen möglichen Kunden in der Gruppe 55+ in Deutschland.

Letztlich bedeutet das: Auch für Anbieter im Internet, die Senioren als ihre Zielgruppe definiert haben, wird es zunehmend wichtiger, sich auf mobiles Internet einzustellen und Surfern mit Mobile-Geräten passende Seiten anzubieten. Anders ausgedrückt: Es gibt keine Altersgruppe mehr, für die mobiles Internet keine Bedeutung mehr hat. Und das steigert auch die Bedeutung der Frage, wie man Internetauftritte für mobile Internetnutzer optimiert und wie man bei passenden Suchanfragen mobiler Suchmaschinennutzer prominent in der Ergebnisliste auftaucht. Hier kommt dann (möglicherweise) Mobile SEO ins Spiel.

Ist Mobile SEO eine eigenständige Disziplin?

Definiert man eine eigenständige Onlinemarketing-Disziplin als etwas, was Maßnahmen beinhaltet, die sich substantiell von denen anderer Onlinemarketing-Disziplinen unterscheiden, handelt es sich bei Mobile SEO wohl eher nicht um eine eigenständige Disziplin. Bei Mobile SEO existieren wie bei SEO für die Nutzer stationärer Computer die Maßnahmen-Kategorien „Onsite“ (z.B. mit Keywords in Texten) und „Offsite“ (mit Linkbuilding) und die Benutzerfreundlichkeit von Websites spielt fürs Ranking in Google ebenfalls eine Rolle. Insofern ist Mobile SEO im Prinzip dasselbe wie „SEO“ und letztlich nichts, worüber gesondert diskutiert werden müsste: „Mobile SEO“ ist ein überflüssiger Begriff. Stimmt das? Das nun wieder eher nicht.

Mobile SEO: Braucht keiner?

Nehmen wir als Grundlage für mögliche Antworten einmal eine Website mit Responsive Webdesign, weil Google Responsive Webdesign als Möglichkeit empfiehlt, Internetauftritte an die jeweiligen Bedürfnisse von Internetnutzern mit Geräten, die verschiedene Displaygrößen besitzen, anzupassen. Responsive Webdesign sorgt dafür, dass – abhängig von der Displaygröße – unterschiedliche Varianten ein- und derselben Website angezeigt werden. Das Prinzip unterscheidet sich damit beispielsweise von Weiterleitungen, bei denen Mobile-Nutzer auf spezielle Mobile-Seiten umgeleitet werden.

Nimmt man SEO für Websites mit Responsive Webdesign, so ist Linkbuilding beim Mobile SEO praktisch identisch mit dem Linkbuilding für die Website ohne eine Variante für Mobile-Nutzer. Hier macht es also eher wenig Sinn, von einem separaten Mobile SEO zu sprechen. Etwas anders kann das bei Keywords in Texten und Kategorie-Namen etc. aussehen, weil bei mobiler Suche – vor allem mit Smartphones – schwerpunktmäßig möglicherweise andere Keywords verwendet werden als bei der Suchmaschinen-Nutzung am PC.

So veröffentlichte etwa das Magazin Suchradar 2011 einen Artikel über Unterschiede zwischen Keywords für mobile und stationäre Suche auf der Basis des heute nicht mehr existierenden Google AdWords Keyword Tools. Zwei der damaligen Erkenntnisse: Mobil sind Suchen nach Kontaktmöglichkeiten wie etwa „adac hotline“ sowie Suchen mit der Struktur „Branche + Stadt“ (z.B. „Restaurant + Köln“) häufiger als bei der Suche mit dem PC. Das sind Indizien dafür, dass die Seitenvariante fürs mobile Internet mit etwas anderen Keywords optimiert werden sollte als die PC-Website.

Thema „Benutzerfreundlichkeit“ und ein Fazit

Für Google wie für andere Suchmaschinen ist Benutzerfreundlichkeit der Websites, die weit oben in Suchergebnislisten aufgeführt sind, nahezu ebenso wichtig wie für die Website-Besucher selbst. Listen Suchmaschinen überwiegend Seiten auf, die den Nutzer aufgrund mangelnder Benutzerfreundlichkeit verärgern, fällt das auch auf die Suchmaschine zurück und könnte sie mittelfristig Marktanteile kosten.

Mobile SEO ist ein gutes Stück weit auch ein Streben nach Benutzerfreundlichkeit mobiler Websites, weil benutzerfreundliche Websites auch Google gefallen und hohe Benutzerfreundlichkeit zumindest indirekt ein zusätzliches Instrument ist, um das Google-Ranking von Websites zu verbessern.

Und hier offenbaren sich vielleicht die größten Unterschiede zu klassischem SEO, weil Benutzerfreundlichkeit bei Mobile-Seiten teils etwas anderes bedeutet als bei Websites für PC-Bildschirme:

  • Website-Elemente mit hoher Datenmenge können mobil nach wie vor eher zu längeren und damit nachteiligen Ladezeiten führen
  • mobile Websites wirken auf den kleineren Bildschirmen tendenziell schneller überfrachtet und
  • Elemente wie klickbare Telefonnummern gewinnen an Bedeutung.

All das macht Unterschiede deutlich, wegen denen es durchaus Sinn macht, Mobile SEO als eigenständigen Unterbereich von SEO zu sehen, der teils andere Schwerpunkte als klassisches SEO setzt. Aufgrund dieser Unterschiede hat der Begriff „Mobile SEO“ seine Berechtigung, wenn auch nicht als eigenständige Onlinemarketing-Disziplin. Sieht es jemand anders?

Über den Gast-Autor

ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Lokalisierung spezialisiert. Lingo24 ist auch auf Twitter: @l24de.