7 Level des Social Media Engagement

Wer mit seinem Unternehmen zum Social Media Experten aufsteigen möchte, muss 7 Entwicklungsstufen durchwandert haben. Manche Unternehmen stecken noch in der Phase der Beschallung fest oder setzten ihre gesamte Energie für die Analyse der Community ein. In diesem – teils ironischen – Artikel erkennt sich vielleicht das ein oder andere Unternehmen wieder und merkt, dass es noch ein paar Schritte gehen muss, um die Vorteile des Social Media Universums zu entdecken.

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Phase 0: Was ist Social Media?

Social Media? Facebook? Noch nie gehört. Eine Website war einmal geplant, aber als zu teuer befunden und abgesetzt. Telefone reichen doch vollkommen aus.

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Phase 1: Interne Einstellung zu Social Media

Social Media ist Zeitverschwendung. Facebook und Twitter sind für Mitarbeiter blockiert, auch während der Mittagspause. Da auf LinkedIn ein Mitarbeiter einen neuen Job fand, ist es ebenfalls gesperrt. Auf YouTube kann man zwar mit den Unternehmens-Handy zugreifen – aber nur, weil die IT nicht merkt, dass man so die Firewall umgehen kann.

Die Richtlinien des Unternehmen beinhalten hauptsächlich Dinge, die man nicht machen darf: Keine Kommentare auf Blogs hinterlassen, keine Social Sites während der Arbeitszeit besuchen, nicht direkt mit den Kunden oder der Presse sprechen, alles vorher von der PR-Abteilung genehmigen lassen, und schon gar nicht ungefragt über das Unternehmen auf Twitter oder Facebook sprechen. Ein interner Blog, ein Wiki und ein Wissensmanagement-System sind seit längerem geplant und der CEO hätte schon gerne eine iPhone-App. Irgendwann..

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Phase 2: Social Media Monitoring und Zuhören

An diesem Punkt verwechselt das Unternehmen Zuhören mit Interagieren. Consultants werden eingeladen um Workshops zu halten, man investiert Geld in Social Media Monitoring Tools, mit denen eine Unmenge an Reports erstellt werden, die viele Analysen, Schaubilder, Zahlen, Statistiken und Empfehlungen zum „weitern Vorgehen“ beinhalten, was Keywords, Suchmaschinen und Sentiment Analysen der Marke, Produkte oder Services betrifft. Kurz: Es wird sehr viel zugehört, aber keine Anstrengung unternommen, bei den Gesprächen dabei zu sein. Die Community weiß nicht, dass sie abgehört wird, was sie aber auch nicht weiter stört.

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Phase 3: Social Media als Sende-Medium

Die Inhalte der Unternehmens-DVDs könnte man doch auf YouTube stellen! Interviews mit dem CEO, Ankündigungen aus einem Nischenmarkt und der extrem teure TV-Spot sollten unbedingt auf YouTube veröffentlicht werden. Aber Kommentare sollten nicht erlaubt sein, genauso wenig wie die Einbett-Funktion – wer weiß, wer das weiterverwendet. YouTube hat ein Analyse-Programm? Jedenfalls schön, dass unsere Videos nach 6 Monaten schon 100 Views haben.

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Phase 4: Social Media für die virale Verbreitung

Es wird etwas Geld für eine „Viral-Video-Kampagne“ ausgegeben, da das „heutzutage so gut wie Fernsehen funktioniert“ und viele Zuschauer bringt. Eine Agentur erstellte den Inhalt und eine Agentur verbreitete den Inhalt. Das einzige, was das Netzwerk tun muss, ist das Video weiterleiten. Wenn das Video verschroben, unverschämt oder anstößig ist, wird es schon klappen. Aus der Community kommt kein Feedback zurück zum Unternehmen, außer der Anzahl an Leuten, die das Video, Foto oder die App geteilt, als Favorit markiert oder „like“ geklickt haben. Die Community ist schließlich nur dafür da, das Material zu verbreiten, aber das bitte schön leise.

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Phase 5: Social Media Kampagnen

Das Unternehmen hat beschlossen, nun doch das Risiko einzugehen und mit den Kunden zu interagieren. Versuchen kann man es ja mal. 6 Wochen lang wird man eine Facebook-Seite, ein Twitter-Account und ähnliches unterhalten um kurzzeitige Aktionen durchzuführen, wie einen Wettbewerb oder ein kurzes Event. Nach den 6 Wochen ist es vorbei. Unglücklicherweise benannte man die Facebook-Seite und den Twitter-Account nach der Kampagne und nicht nach dem Unternehmen oder dem Produkt, sodass alles gelöscht und verloren ist – auch die Verbindungen zu den 1000 Twitter Followern und der Facebook-Inhalt. Die Community beschließt, nächstes Mal nicht mehr Fan der Seite zu werden, und das Internet hat ein paar weitere „tote“ Accounts.

Die Supermarkt-Kette Coles sammelte für eine Gutschein-Aktion über 3.000 Follower auf Twitter und gab den Account auf. Das sollte man wirklich vermeiden, denn Twitter-Accounts kann man umbenennen und für andere Aktionen verwenden. Coles verbrachte 2 Jahre damit, diese Follower zu suchen und auf den Twitter-Firmen-Account @colesonline (mit jetzt 2800 Followern) zu holen.

Auch die deutsche Bahn produzierte mit ihrer 2-Wochen Chefticket-Aktion ebenfalls einen toten Facebook-Account – und das obwohl die Seite über 58.000 Fans sammelte!

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Phase 6: Zusammenarbeit dank Social Media

Die Marke kontrolliert immer noch die Medien, doch mittlerweile ist eine Zweiweg-Kommunikation daraus geworden. So traut sich das Unternehmen der Community Fragen zu stellen: Bitte helft uns beim Design eines Produkts, sagt uns was wir verbessern können, kreiert einen Werbespot für uns. Der Anstoß zu diesen Aktionen kam wohl nicht aus der Community selbst, sondern aus der Marketing-Abteilung des Unternehmens, doch wurde der Weg geöffnet. Vielleicht hatte die Community auch die Idee, doch das Unternehmen strukturierte und kontrollierte den Ablauf und die Antworten. Es erteilte der Community die „Erlaubnis“ Inhalte zur Aktion zu erstellen.

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Phase 7: Die Community treibt den Commerce voran

Man stelle sich vor, eine Person möchte bei einer Bank einen Kredit aufnehmen. Die Person stellt die Anfrage und eine Community analysiert den Antrag und erstellt den passenden Zinssatz, von den paar Tausend Mitgliedern spendet jeder ein bis zwei Euro. Wie sehr kümmert sich die Bank dann noch um die Produkte und Serviceleistungen? Oder stellt die Bank einfach nur die Plattform zur Verfügung? Genau das machen Social Media Banken wie Prosper und Zopa. Ähnlich geht Etsy im Bereich Design und Schmuck vor. Redbubble ist für Kunstwerke zuständig, und bei Freelancer.com, Guru.com, usw. erstellen die Community-Mitglieder Job-Aufgaben und andere bieten dafür. Unternehmen stellen nur noch die Plattformen zur Verfügung, treten in den Hintergrund, lösen in seltenen Fällen heikle Probleme und lassen die Gemeinschaft den Handel eigenständig abwickeln.

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